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Deutsche BörseVon Airbus bis Zalando: Das sind die heißesten Kandidaten für den Dax 40

Zehn zusätzliche Unternehmen sollen in den deutschen Leitindex aufsteigen. Hier finden Anleger die Konzerne mit den besten Aussichten auf den Aufstieg in den Dax.Stephan Scheuer, Kevin Knitterscheidt, Bert Fröndhoff, Anja Müller, Maike Telgheder, Carsten Herz, Axel Höpner, Anne Wiktorin und Thomas Hanke und Catrin Bialek, Siegfried Hofmann, Martin-Werner Buchenau 25.11.2020 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Der Börsenbetreiber will den deutschen Leitindex Dax umfassend modernisieren.

Foto: Marc-Steffen Unger

Frankfurt, Düsseldorf. Symrise, Qiagen und Zalando: Schon jetzt können sich einige Unternehmen gute Chancen ausrechnen, im kommenden Jahr beim Aufstieg in den Dax dabei zu sein. Die Investmentbank Stifel hat für das Handelsblatt eine Liste der aus derzeitiger Sicht aussichtsreichste Kandidaten zusammengestellt.

Konzerne, die im Dax gelistet sind, wandern automatisch ins Depot von großen Investoren wie zum Beispiel Fondsgesellschaften, die mit ihren Fonds den Dax abbilden. Das kann den Aktienkursen dieser Unternehmen Auftrieb verleihen.

Dax 40: Das sind die Anwärter auf einen Aufstieg in den Dax

Hier finden Anleger die Firmen in alphabetischer Reihenfolge:

Airbus

Ob der Flugzeughersteller mit in den XXL-Dax kommt, wurde kontrovers und heftig diskutiert. Grund ist der Vorschlag Unternehmen auszuschließen, die mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes aus Geschäften mit umstrittenen Waffen erzielen.

Foto: Reuters

Das ist der Dax-Kandidat: Das Jahr der Corona-Epidemie hat bei Airbus eine seit Jahren anhaltende Aufwärtsentwicklung unterbrochen. Der fast weltweite Stopp des Flugverkehrs und die folgenden Verzögerungen der Auslieferungen haben das Management gezwungen, die Kapazitäten einzuschränken und Personal abzubauen. Insgesamt wird der deutsch-französische-spanisch-englische Flugzeug- und Rüstungskonzern 15.000 Stellen beseitigen.

Das Management muss weniger Rücksicht auf die deutsche und die französische Regierung nehmen als zu der Zeit, als die Staaten noch einen dominierenden Einfluss ausüben konnten. Direkte Staatshilfe hat Airbus nicht in Anspruch genommen.

Der Anteil des zivilen Flugzeuggeschäfts am Umsatz liegt bei Airbus normalerweise bei 80 Prozent, es trägt sogar fast 90 Prozent zum Ergebnis bei. In den ersten neun Monaten 2020 waren die Zahlen natürlich völlig anders, der Umsatzanteil schrumpfte auf nur noch zwei Drittel. Der Umsatzanteil der – stark von der Ölkonjunktur abhängigen – Helikopter schwankt zwischen sieben und zehn Prozent, das Rüstungsgeschäft steuert ein Siebtel bis ein Fünftel bei, die Profitabilität schwankt hier stark.

In den nächsten Jahren dürfte das Rüstungsgeschäft sich beleben: Die Bundesregierung hat 38 Eurofighter bestellt, zudem laufen nach und nach die Programme für die Eurodrohne und später für das neue Kampfflugzeug-System hoch.

Das müssen Anleger zur Airbus-Aktie wissen

In den ersten neun Monaten des Jahres 2020 hat das Unternehmen einen Verlust von über zwei Milliarden Euro erlitten, der Umsatz brach um 35 Prozent ein. Doch die schnell eingeleitete Verringerung der Kapazitäten hat bereits Früchte getragen. „Wenn Sie nur das dritte Quartal nehmen, sind wir schon wieder profitabel,“ sagte CFO Dominik Assam im Oktober im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Luft- und Raumfahrtkonzern habe „das Ausbluten bei Cash gestoppt.“ Auch im letzten Quartal hoffe er, dass kein Cash verbraucht werde.

Airbus zeigt einen Ehrgeiz, der auf den ersten Blick erstaunlich ist: „Unser Ziel ist es, nächstes Jahr wieder einen Gewinn zu erzielen.“ sagt Assam. Eine formelle Guidance dazu gibt es nicht. CEO Guillaume Faury rechnet damit, dass die Luftfahrtkrise zwar länger anhält als anfangs gedacht, aber zum dritten Quartal 2021 hin die Auslieferungen der Flugzeuge mit einem Gang (single aisle) wieder zunehmen können.

Bei den Großraumflugzeugen (wide body) werde es länger dauern, bis der Markt sich erholt. Der Kurs der Aktie, der im Frühjahr um fast zwei Drittel eingebrochen war, hat sich wieder stark erholt – eine Wette darauf, dass Mitte nächsten Jahres tatsächlich der schlimmste Teil der Krise des Luftverkehrs überwunden sein wird. Die Wettbewerbssituation zum Dauer-Rivalen Boeing normalisiert sich wieder, da dessen wichtigster Flieger 737 Max wieder starten darf.

Airbus profitiert davon, dass die Börse künftig nur noch auf die Marktkapitalisierung achtet, wenn es um einen Platz in einem Index geht. Dort liegt Airbus nach Berechnungen von Stifel derzeit auf Rang acht noch vor Bayer. Bislang scheiterte Airbus daran, dass die Handelsumsätze in der Aktie zu gering waren. Dieses Kriterium bei der Auswahl fällt aber ab kommendem September weg. Damit wird für Airbus der Weg in den Dax frei.

Chemiehändler Brenntag

Das Unternehmen mit Sitz in Essen ist Weltmarktführer im Chemiehandel.

Foto: Brenntag AG

Der Dax-Kandidat: Brenntag ist Weltmarktführer in der Chemiedistribution. Das Unternehmen kauft in großen Mengen Inhaltsstoffe und Chemikalien, verpackt und mischt sie neu und beliefert – verbunden mit Services – damit die verarbeitende Industrie. Das Geschäftsmodell des Essener Konzerns hat sich auch während der Pandemie als stabil erwiesen, da er praktisch in jede Branche und alle Regionen der Welt liefert. So legte der bereinigte Gewinn und der freie Cashflow im schwierigen zweiten und dritten Quartal 2020 im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen noch zu.

Rote Zahlen kennt Brenntag sowohl rein operativ wie auch netto nicht, die Marge liegt seit Jahren beständig bei acht Prozent. 2020 erwartet der Konzern einen mindestens stabilen operativen Gewinn von rund einer Milliarde Euro. Der Umsatz dürfte nach Analystenschätzungen bei 12,1 Milliarden Euro liegen. Die Schätzungen für den operativen Gewinn für 2021 liegen bei 1,17 Milliarden Euro.

Das müssen Anleger zur Brenntag-Aktie wissen

Die Aktie hat sich über fünf Jahre hinweg nur in einem Korridor zwischen 40 und 55 Euro bewegt und keine großen Sprünge gemacht. Grund dafür dürfte sein, dass der Gewinn nicht mit dem von Zukäufen getriebenen Wachstum mitgehalten hat – de facto stagniert die Marge seit zehn Jahren. Der neue CEO Christian Kohlpaintner will das ändern, baut den Konzern um und setzt ambitionierte Gewinnziele. Das hat in den vergangenen Wochen bereits für einen Kursschub gesorgt. Aktuell notiert die Aktie bei 62 Euro, die Kursziele der Analysten liegen im Schwerpunkt zwischen 60 und 70 Euro, weshalb es noch überwiegend Kaufempfehlungen gibt.

Vielen gilt die Aktie auf dem gegenwärtigen Niveau schon als angemessen bewertet, wofür das im Vergleich zu anderen Chemieaktien ordentliche KGV von rund 20 spricht. Bei der Dividendenrendite von zuletzt 2,7 Prozent rangiert Brenntag im Mittelfeld.

Hannover Rück

Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück war mal im Dax 30 notiert, stieg jedoch 2009 aus dem Leitindex ab.

Foto: dpa

Das ist der Dax-Kandidat: Die zur Talanx-Gruppe zählende Hannover Rück ist der drittgrößte Rückversicherer der Welt. Rückversicherer fungieren in der Branche quasi als Versicherer der Versicherer gegen Großschäden. Die Niedersachsen hatten sich erst Anfang November bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal mit einer neuen Jahresprognose vorgewagt. Das bislang im Mdax notierte Unternehmen erwartet insgesamt für das Geschäftsjahr 2020 nun einen Nettokonzerngewinn von mehr als 800 Millionen Euro. Für 2021 peilt der Vorstand einen Überschuss von 1,15 bis 1,25 Milliarden Euro an. Im Vorjahr lag der Gewinn bei fast 1,3 Milliarden Euro.

Trotz schwerer Belastungen durch die Pandemie kommt der 1966 gegründete Rückversicherer damit wohl ohne größere Blessuren durch die Coronakrise. Ursprünglich hatte die Hannover Rück einen Konzerngewinn von rund 1,2 Milliarden Euro für das Jahr 2020 angepeilt, diese Prognose aber im April wieder kassiert. In den nächsten Jahren setzt der Versicherer vor allem auf einen Ausbau des Geschäfts in Asien. Ein großer Wachstumstitel ist das Papier aus Niedersachsen in naher Zukunft jedoch eher nicht.

Das müssen Anleger zur Hannover-Rück-Aktie wissen

Die Papiere des Unternehmens werden bei Investoren vor allem wegen ihrer vergleichsweise hohen Dividendenrendite und als sicherer Anlagehafen in stürmischen Zeiten geschätzt. Eine Dividende von 4,00 Euro je Aktie sieht Hannover Rück auch für dieses Jahr als gesichert an. Fraglich ist, ob es zu einer Sonderdividendenzahlung kommt, die für 2019 bei 1,50 Euro gelegen hatte.

Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz gab sich zuletzt gelassen angesichts eines möglichen Aufstiegs der Hannover Rück. „Ob wir im Dax oder MDax sind, spielt für mich keine große Rolle“, sagte er dem Handelsblatt Ende Oktober. Wichtiger sei, dass der Aktienkurs weiter kontinuierlich klettere und so der Firmenwert gesteigert werde. Hannover Rück war bereits einmal im Dax-30 notiert.

Im Jahr 2009 stieg die Firma jedoch aus dem Leitindex ab, was der Entwicklung des Aktienkurses jedoch in den folgenden Jahren keinen Schaden tat. Die Aktie wird inzwischen jedoch teurer als im Branchenschnitt bewertet. Von den 29 Analysten, die das Unternehmen insgesamt regelmäßig covern, empfehlen zehn die Aktie zum Kauf, 13 zu Halten und sechs zum Verkauf. Das Kursziel wird im Schnitt bei 151,44 Euro gesehen.

Immobilienkonzern LEG

Experten schätzen, dass die Dividende des Immobilienkonzerns pro Aktie ab 2021 auf gut vier Euro steigt.

Foto: dpa

Das ist der Dax-Kandidat: Mit 145.000 Mietwohnungen ist die Düsseldorfer LEG das drittgrößte börsennotierte deutsche Wohnungsunternehmen – nach Vonovia mit 400.000 und Deutsche Wohnen aus Berlin mit 163.000 Wohnungen. Als ehemalige Wohnungsgesellschaft des Landes Nordrhein-Westfalen liegt der Schwerpunkt des Vermietungsgeschäfts auch gut zwölf Jahre nach der Privatisierung in den Regionen an Rhein und Ruhr. Über Zukäufe will der Konzern aber auch anderswo in Deutschland Fuß fassen. Erst im vergangenen Juni erwarb LEG vom Konkurrenten Deutsche Wohnen insgesamt 6.400 Wohnungen, darunter Quartiere in Ludwigshafen, Braunschweig, Koblenz und Hannover.

Seit dem Börsengang im Jahr 2013 geht es für den Aktienkurs stetig bergauf: von 44 Euro zum Start vor sieben Jahren auf aktuell gut 114 Euro. Und sogar im Corona-Jahr 2020 gewinnen LEG-Papiere zehn Prozent an Wert. Zum Vergleich: Der Dax liegt trotz einer beeindruckenden Aufholjagd noch immer knapp ein Prozent unter seinem Stand von Anfang Januar.

Grund für die guten Geschäften ist der nun schon seit Jahren anhaltende Anstieg der Mieten – nicht nur in den Großstädten, sondern inzwischen auch in zahlreichen mittelgroßen Städten. Obwohl die LEG im Corona-Lockdown zwischen März und Juni auf Mieterhöhungen verzichtet hatte, konnten die Mieten in den ersten neun Monaten des Jahres um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf durchschnittlich 5,93 Euro pro Quadratmeter gesteigert werden. Auf das Gesamtjahr 2020 gerechnet soll die Steigerung ähnlich hoch ausfallen.

Entsprechend optimistisch zeigte sich der Vorstand um LEG-Chef Lars von Lackum bei der Präsentation der Quartalszahlen Anfang November: Nach einer deutlichen Steigerung der Gewinne aus dem operativen Geschäft um 14,5 Prozent auf 296,7 Millionen Euro rechnet der Konzern auch für das Gesamtjahr mit einem etwas besseren Ergebnis als erwartet. Die sogenannten Funds from Operations (FFO I), die wesentliche Kennzahl von Immobilienunternehmen, werde 2020 bei 380 Millionen Euro liegen und damit zehn Millionen Euro über den bisherigen Prognosen. Für das kommende Jahr gab das Management ein Ziel von 410 bis 420 Millionen Euro aus.

Das müssen Anleger zur LEG-Aktie wissen

Die weit überwiegende Zahl der Analysten rät daher, die Aktie zu halten. Sie glauben, dass der Kurs weiter steigen könnte – das gewichtete Kursziel liegt bei knapp 135 Euro. Die Aussicht auf einen Aufstieg in einen erweiterten Dax hat am Dienstag die Aktionäre noch nicht überzeugt. Die Aktie verlor bis zum Nachmittag 1,7 Prozent.

Porsche Holding SE

Die Familienholding darf nicht dem Sportwagenbauer Porsche AG verwechselt werden, der nach der Übernahmeschlacht in den VW-Konzern integriert wurde. Die Porsche Holding mit Sitz in Salzburg ist ein Automobilhandelsunternehmen.

Foto: Photo: Porsche AG / Marco Prosch

Das ist der Dax-Kandidat: Bei der Porsche Holding SE werden nur die breit gestreuten stimmrechtlosen Vorzugsaktien gehandelt. Die Stammaktien liegen bei den Familien Porsche und Piech. Der Gewinn der Dachgesellschaft, über den die Familien Porsche und Piech die Mehrheit an Volkswagen halten, speist sich zum größten Teil aus dem Geschäft des Wolfsburger Autobauers. Dank der Erholung von Volkswagen ist die Porsche SE nach den ersten neun Monaten in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Von Januar bis September wies die Familienholding einen Nettogewinn von 437 Millionen Euro aus. Zur Jahresmitte hatte noch ein Minus von 329 Millionen zu Buche gestanden. 

Die Nettoliquidität fiel per Ende September auf 492 (Vorjahreszeitraum 553) Millionen Euro. Wie der VW-Konzern traut sich auch die Stuttgarter Dachgesellschaft wegen der Corona-Pandemie derzeit keine exakte Prognose zu, rechnet für das Gesamtjahr aber mit schwarzen Zahlen. Bei der Netto-Liquidität peilt die Porsche SE einen Wert zwischen 400 und 900 Millionen Euro an.

Die Porsche Holding SE ist in keinem Index und hat sich bislang weder um die Aufnahme in den Dax noch in den MDax aktiv bemüht. Die Familienholding darf nicht mit dem Sportwagenbauer Porsche AG verwechselt werden, der nach der Übernahmeschlacht vor einer Dekade in den Volkswagen-Konzern integriert wurde.

Porsche ist nur im Börsensegment General Standard notiert. Nach den neuen Regeln dürfen auch Unternehmen aus diesem Index mit geringeren Transparenzvorschriften in einen Index einziehen, wenn sie – wie die Holding es macht – nicht nur Jahres-, sondern auch regelmäßig Quartalsberichte veröffentlichen. Damit qualifiziert sich Porsche für den Dax-Aufstieg – und würde aus heutiger Sicht den Spezialchemiekonzern Covestro ersetzen, dessen Marktkapitalisierung derzeit geringer ist. Bis zum nächsten September kann sich hier indes noch viel tun.

Das müssen Anleger zur Porsche-Holding-Aktie wissen

Das Unternehmen schüttet in der Regel hohe Dividenden aus, auch weil viele Familienmitglieder auf die Ausschüttung angewiesen sind. Im Oktober beschloss die Hauptversammlung eine Dividende in der Vorjahreshöhe von 2,210 Euro je Vorzugsaktie und von 2,204 Euro je Stammaktie für das Geschäftsjahr 2019 auszuschütten. Dies entspricht einer Ausschüttungssumme von rund 676 Millionen Euro. Die Hälfte davon ging an die Stammaktionäre und damit an die Familien. Ursprüngliche Pläne für eine deutlich höhere Ausschüttung wurden im Sommer – vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie – verworfen. Seit dem Tiefstand von 30 Euro im März hat sich die Aktie wieder auf knapp 58 Euro erholt.

Biotechkonzern Qiagen

Für 2021 zeichnet sich bei dem Biotechnikkonzern ein kräftiges Umsatzwachstum und eine deutlich zweistellige Gewinnsteigerung ab.

Foto: Qiagen

Das ist der Dax-Kandidat: Noch Mitte des Jahres sah es ganz danach aus, dass Qiagen Teil des amerikanischen Labortechnik-Konzerns Thermo Fisher Scientific werden würde. Doch die Übernahme-Offerte des US-Konzerns wurde von Investoren abgeblockt, nachdem die Corona-Pandemie für einen riesigen Nachfrageschub nach den Reagenzien und Diagnostika des Hildener Biotechunternehmens sorgte. Seit Mitte August ist daher klar, dass Qiagen seinen Wachstumskurs in eigener Regie fortsetzen wird.

Die Corona-Pandemie gibt dafür weiter kräftigen Rückenwind. Denn als Spezialist für die Aufreinigung und Bearbeitung von Genmaterial ist Qiagen  einer der wichtigen Vorlieferanten von Reagenzien für Covid-PCR-Tests und zudem mit seiner Diagnostika-Sparte auch selbst in diesem Geschäft vertreten, sowohl mit eigenen PCR- als auch mit Antigentests zum Nachweis von Sars-CoV2-Infektionen.

Das müssen Anleger zur Qiagen-Aktie wissen

Umfeld und Perspektiven für den deutschen Biotech-Pionier, der traditionell in Dollar bilanziert, haben sich damit innerhalb eines Jahres drastisch gewandelt. Während das Umsatz- und Ertragswachstum in den vorangegangenen Jahren eher enttäuschte, steuert Qiagen 2020 auf eine deutlich bessere Performance zu. In den ersten neun Monaten 2020 steigerte der Konzern seinen Umsatz um 17 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis verbesserte auf 230 Millionen Dollar, gegenüber einem Verlust von 106 Millionen Dollar im Vorjahr.

Für das Gesamtjahr stellt Qiagen ein Umsatzwachstum von 20 Prozent und eine Steigerung des bereinigten Gewinns je Aktie auf 2,07 bis 2,09 Dollar in Aussicht. Das entspricht einem Plus von etwa 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch für das kommende zeichnet sich ein kräftiges Umsatzwachstum und eine deutlich zweistellige Gewinnsteigerung ab.

Labortechniker Sartorius

Der Göttinger Sartorius-Konzern beliefert Pharmaunternehmen mit Geräten und Materialien zur Herstellung biopharmazeutischer Medikamente und rüstet Labore aus. 

Foto: Sartorius AG

Das ist der Dax-Kandidat: Der Göttinger Sartorius-Konzern beliefert Pharmaunternehmen mit Geräten und Materialien zur Herstellung biopharmazeutischer Medikamente und rüstet zudem Labore aus. 

Insbesondere das weltweite Wachstum von Biotech-Medikamenten und der damit verbundene Bedarf an entsprechender Produktionsausrüstung beschert dem Unternehmen seit Jahren zweistellige Zuwachsraten. Von 2014 bis 2019 hat Sartorius seinen Umsatz und Gewinn mehr als verdoppelt – auf zuletzt 1,8 Milliarden Euro Umsatz und knapp 157 Millionen Euro Gewinn. Auch beim Aktienkurs geht es seit Jahren bergauf: Innerhalb von einem Jahrzehnt hat sich der Wert um mehr als das 60-fache erhöht. Binnen Jahresfrist hat sich der Kurs auf aktuell 359 Euro mehr als verdoppelt, auch wenn die Vorzugsaktien am Dienstag zeitweise um mehr als vier Prozent nachgaben.

Der in mehr als 110 Ländern aktive Pharma- und Laborzulieferer zeichnet sich durch eine hohe Kontinuität in der Unternehmensführung aus. Seit 2005 steht der Diplom-Maschinenbauer Joachim Kreuzburg an der Spitze des Unternehmens. Sartorius hat sein Produktportfolio in den vergangenen Jahren regelmäßig durch Akquisitionen um ergänzende Technologien ausgebaut. In diesem Jahr etwa schlossen die Göttinger Unternehmen den Kauf des Zellkulturmedien-Spezialisten Biological Industries und von ausgewählten Life-Science-Geschäften des US-Konzerns Danaher ab und erwarben den Aufreinigungs-Spezialisten BIA Separations.

Im Life-Science-Markt, der durch eine hohe Konsolidierung gekennzeichnet ist, agiert Sartorius neben Multimilliardenkonzernen wie Thermo Fisher, Danaher und auch der Merck KgaA aus Darmstadt. Dass Sartorius als vergleichsweise kleiner Player noch eigenständig im Markt agiert, ist der Tatsache geschuldet, dass mehr als 50 Prozent der Stammaktien in Besitz der Nachfahren von Firmengründer Horst Sartorius sind und noch bis 2028 treuhänderisch von einem Testamentsvollstrecker verwaltet werden.

Das Unternehmen mit mittlerweile mehr als 10.000 Mitarbeitern hat in diesem Jahr auch von der Corona-Pandiemie profitiert, weil einige Produkte für die Medikamenten-Produktion und die Labore verstärkt nachgefragt wurden. CEO Kreuzburg hat die Prognose erhöht und erwartet nun ein Umsatzwachstum um den oberen Wert des bisherigen Spanne von 22 bis 26 Prozent.

Das müssen Anleger zur Sartorius-Aktie wissen

Analysten erwarten in diesem Jahr einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro und 2,7 Milliarden Euro im nächsten Jahr. Das Nettoergebnis soll auf 268 Millionen Euro in diesem Jahr steigen und sich 2021 auf 340 Millionen Euro erhöhen, zeigen die von Bloomberg veröffentlichten Schätzungen bei Bloomberg. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 84,3 sind die Sartorius-Vorzugsaktien teuer, allerdings sind die Gewinnperspektiven weiterhin gut. Denn die Zahl der biopharmazeutischen Medikamente wird in den nächsten Jahren weiter stark wachsen. Von den bei Bloomberg gelisteten Analysten raten fünf von 16 zum Kauf, neun plädieren für halten und zwei für „Verkaufen“. 

Siemens Energy

Das Generatorenwerk Erfurt von Siemens Energy ist weltweites Kompetenzzentrum für luftgekühlte Generatoren von 25 bis 300 Megavoltampere.

Foto: dpa

Das ist der Dax-Kandidat: Siemens Energy betreibt zwar ein traditionsreiches Geschäft, ist aber das jüngste Unternehmen unter den DAX-Kandidaten. Die Energietechnik-Sparte wurde erst in diesem Jahr von der Siemens AG abgespalten und startete Ende März an der Börse. Mit einer Börsenbewertung von aktuell gut 18 Milliarden Euro gehört das Unternehmen aber von Beginn an zu den Schwergewichten im DAX.

Das Unternehmen ist eines der wenigen in der Branche, das die gesamte Kette anbietet: Von der Energieerzeugung mit konventionellen Kraftwerken und Erneuerbaren Energien bis hin zur Energieübertragung. Den Aktionären will Siemens Energy zum einen eine Restrukturierungsstory bieten. Die Kraftwerkssparte ist schon seit Jahren ertragsschwach, die Tochter Siemens Gamesa schrieb zuletzt rote Zahlen. Vorstandschef Christian Bruch hat weitere Einsparungen von 300 Millionen Euro in Aussicht gestellt – über die bereits kommunizierten Kostensenkungen von einer Milliarde Euro bis zum Geschäftsjahr 2023. Daneben will Siemens Energy mit Zukunftsthemen wie Windkraft und Wasserstoff auch eine Wachstumsgeschichte schreiben.

Das müssen Anleger zur Siemens-Energy-Aktie wissen

Im Geschäftsjahr 2019/20 (30. September) sank der Umsatz von Siemens Energy allerdings um fünf Prozent auf 27,5 Milliarden Euro. Das angepasste operative Ergebnis war auch vor Sondereffekten mit einem Minus von 17 Millionen Euro leicht negativ. Unter dem Strich stand auch wegen Abschreibungen ein Verlust von knapp 1,9 Milliarden Euro.

Wegen der Turnaround-Situation ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie mit 49,3 auf Basis der Analystenschätzungen für das Geschäftsjahr 2020/21 hoch. Die große Mehrzahl der Analysten rät dennoch derzeit zum Kauf der Aktie.

Siemens Healthineers

Das Unternehmen halt sei seinem Start als geeigneter Dax-Kandidat. Die Bilder sind mit dem Computertomographen Somatom go.Up von Siemens Healthineers entstanden.

Foto: via REUTERS

Das ist der Dax-Kandidat: Siemens Healthineers galt seit dem Start an der Börse im Frühjahr 2018 als DAX-Kandidat. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden Euro läge der Siemens-Ableger schon heute im Mittelfeld des DAX-30. Nur der geringe Streubesitz war bislang ein Hindernis. Im Zuge der 16-Milliarden-Dollar-Übernahme des US-Krebstherapie-Spezialisten Varian ist die Beteiligung der Konzernmutter Siemens aber unter 80 Prozent gesunken.

Das Unternehmen ist auf dem Wachstumsmarkt Gesundheitstechnik aktiv. Bei bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie und Röntgengeräten sind die Healthineers traditionell stark. Die teuer zugekaufte Diagnostiksparte schwächelte dagegen lange. Die Wende soll nun die neue Diagnostikplattform Atellica bringen, die derzeit weltweit ausgerollt wird.

Das müssen Anleger zur Siemens-Healthineers-Aktie wissen

Im Geschäftsjahr 2019/20 (30. September) stagnierte der Umsatz der Healthineers bei 14,5 Milliarden Euro. Zwar profitierte das Unternehmen in der Corona-Pandemie von der hohen Nachfrage nach PCR-Tests. Doch wurden auf der anderen Seite viele Routineuntersuchungen verschobene, was die Nachfrage nach anderen Test und Diagnosegeräten drückte. Andere Diagnostikspezialisten wie Roche spürten zuletzt eine stärkere Dynamik.

Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) der Healthineers sank 2019/20 um zehn Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Das entsprach einer Marge von 15,4 Prozent. Im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 erwarten die Healthineers eine Belebung. Der Umsatz soll vergleichbar um fünf bis acht Prozent steigen. Das bereinigte unverwässerte Ergebnis je Aktie soll zwischen 1,58 und 1,72 Euro liegen (2020: 1,59 Euro). Für das Geschäftsjahr 2020 zahlt das Unternehmen 0,80 Euro Dividende, was einer Dividendenrendite von gut zwei Prozent entspricht.

Duftstoffhersteller Symrise

Der Dufthersteller mit Sitz in Holzminden. Seit der Coronakrise setzt das Unternehmen im Bereich Lebensmittel vermehrt auf Aromen für Backwaren.

Foto: Symrise

Das ist der Dax-Kandidat: Die Symrise AG mit Sitz in Holzminden ist ein weltweit führender Hersteller von Duft- und Aromastoffen. Die Kunden des Unternehmens stammen aus der Parfum-, Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie. Das breite Portfolio sorgte dafür, dass die Coronakrise die Geschäftszahlen des Unternehmens wenig beeinflusst hat. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 um 7,6 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Gewinn (Ebitda) des Unternehmens legte um 11,9 Prozent auf 393 Millionen Euro zu. Damit verbesserte sich die Ebitda-Rendite von 20,8 Prozent auf 21,6 Prozent. Das Unternehmen ist hochprofitabel.

Der profitabelste Bereich ist gleichzeitig auch der kleinste: Nutrition, dazu gehört der dynamische Markt für Tiernahrung. Den größten Umsatz erzielt Symrise mit der Herstellung von Duft- und Aromastoffen für Kosmetik und Pflegeprodukte. Hier hat es aufgrund der Coronakrise Verschiebungen in der Nachfrage gegeben – weniger Parfüm und Sonnencreme, mehr Reinigungsmittel. Der zweitgrößte Unternehmensbereich umfasst Flavor, dazu gehören Aromen für Nahrungsmittel und Getränke. Auch hier gab es Umschichtungen – mehr Produkte für Backwaren und Cerealien, weniger für den Außer-Haus-Verzehr.

Das müssen Anleger zur Symrise-Aktie wissen

Bei der Präsentation der Q3-Zahlen Anfang November zeigte sich Symrise in Bezug auf die Prognose für das Gesamtjahr vorsichtiger als noch im Sommer:  Der Konzern will weiter schneller wachsen als der Markt, rechnet für die Branche aber nur noch mit einem Wachstum von drei Prozent – bislang waren es drei bis vier Prozent. Symrise selbst peilt nun ein bereinigtes Umsatzplus von drei bis vier Prozent an.

Aktuell notiert der Aktienkurs bei 101 Euro. In den vergangenen fünf Jahren rangierte der Kurs in einem breiten Korridor zwischen 54 und 120 Euro. Die Aktie von Symrise ist vergleichsweise hoch bewertet: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt in diesem Jahr bei 38,4, im kommenden Jahr bei geschätzt 35,5. Analysten empfehlen für die Aktie aktuell mehrheitlich. „Halten“.

Onlinehändler Zalando

Europas größter Online-Modehändler und Plattformanbieter wäre über kurz oder lang ohnehin in den Dax aufgestiegen. 2021 könnte es soweit sein.

Foto: Bloomberg

Das ist der Dax-Kandidat: Europas größter Online-Modehändler und Plattformanbieter wäre über kurz oder lang ohnehin in den Dax aufgestiegen und fühlt sich erst einmal geehrt, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Doch die Kunden stünden im Fokus und nicht  die Frage, ob Dax oder M-Dax. Seit Ende 2015 ist Zalando an der Börse, damals startete sie bei rund 30 Euro, aktuell schwankt der Kurs um die 80 Euro.

Die Analysten sehen die Aktie mehrheitlich als Kaufempfehlung. Nach anfänglicher Unsicherheit zu Beginn der Pandemie, wurde schnell klar, dass es richtig war, mit Markenherstellern und dem stationären Handel zu kooperieren und damit den Plattform-Gedanken weiter voranzutreiben. Im Jahr 2021 wolle das Unternehmen die Zahl der vernetzten Händler verdreifachen. Dadurch sei Zalando in der Transformation als Plattform einen großen Schritt weitergekommen, bestätigte auch der Analyst der Baader Bank, Volker Bosse.

Damit enteilt das Unternehmen der Konkurrenz zunehmend. Dies belegen auch die aktuellen Zahlen. Im  dritten Quartal stieg der Umsatz um 21,6 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Damit konnte Zalando von der gestiegenen Nachfrage im Onlinehandel weiter profitieren, auch wenn der lokale Modehandel im dritten Quartal geöffnet war. Der Vorsteuergewinn (bereinigtes Ebit) lag bei 118,2 Millionen Euro. Dies entspreche einer Marge von 6,4 Prozent. Der Nettogewinn lag bei 58,5 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es 13,6 Millionen Euro gewesen.

Das müssen Anleger zur Zalando-Aktie wissen

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Zalando hatte bereits am 8. Oktober nach Börsenschluss in einer Ad-hoc-Mitteilung bekanntgegeben, dass das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2020 mit einem Vorsteuergewinn (Ebit) zwischen 375 und 425 Millionen rechnet. Zuvor hatte Europas größter Modehändler mit einem Gewinn von rund 300 Millionen Euro geplant. Das ist mehr als das Doppelte des Gewinns aus dem Jahr 2019, als es 166 Millionen Euro waren.

Nach Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien steht der Modehändler mit seinen mehr als 20,15 Milliarden Euro ziemlich weit oben unter den größten börsengelisteten Firmen. Zalando hatte bereits am 8. Oktober nach Börsenschluss in einer Ad-hoc-Mitteilung bekanntgegeben, dass das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2020 mit einem Vorsteuergewinn (Ebit) zwischen 375 und 425 Millionen rechnet. Da stieg die Aktie auf ein Allzeithoch von über 90 Euro.

Analyst Bosse würde eine Dax-Aufnahme von Zalando begrüßen. Dies würde sich positiv auf die Aktie auswirken – nicht nur durch die größere Aufmerksamkeit, sondern auch dadurch, dass Fondsmanager ihre Positionen aufstocken müssten. Das Kursgewinn-Verhältnis liegt laut Bloomberg aktuell bei 90,3 für das kommende wird eines von 84,7 erwartet.

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