Dax aktuell: Dax holt Tagesverluste auf – und schließt sogar leicht im Plus
Wie sind die Perspektiven für den deutschen Leitindex?
Foto: Bloomberg Creative/Getty Images [M]München. Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag seine teilweise deutlichen Tagesverluste aufholen können. Zum Handelsschluss notierte der Dax 0,2 Prozent im Plus bei 14.413 Punkten. Für erhöhte Anspannung hatte in den ersten Handelsstunden der sogenannte Hexensabbat, auch großer Verfallstag genannt, gesorgt. Dabei verfallen Optionen und Futures auf Indizes und Einzelwerte.
Zwischenzeitlich notierte das deutsche Marktbarometer rund 1,7 Prozent im Minus. Vor allem Großinvestoren reagierten nervös, ehe sie sich mit dem Ablauf des Verfalls gegen Mittag wieder anderen Themen zuwandten. Besonders die Auswirkungen des Ukrainekriegs bestimmten ab da erneut den Handel. Aber auch da war die Zurückhaltung allgegenwärtig.
Weil sich weiterhin keine Lösung im Ukrainekrieg abzeichnet, wollten viele Anleger vor dem Wochenende dann kein hohes Risiko mehr eingehen. Zumal der Dax in dieser Woche bereits rund fünf Prozent an Wert gewonnen hat – das ist der höchste Wochengewinn seit anderthalb Jahren.
Sofern sich zwischen den Kriegsparteien keine unerwarteten Wendungen ergeben, dürfte der Dax vorerst nicht höher als in Richtung 14.568 Punkte steigen, erwarten Experten. Das war der bisherige Höchststand seit der russischen Invasion in die Ukraine.
Für Erleichterung sorgt indes, dass der Index der deutschen Top 40 inzwischen den Tiefststand von 12.439 Punkten vom 7. März weit hinter sich gelassen hat und gut die Hälfte zum vorherigen Rekordhoch von 16.290 Punkten aufgeholt hat. „Für weitere Kursgewinne müssten sich die Anzeichen eines Friedensabkommens deutlich verdichten“, erwartet Thomas Altmann von QC Partners.
Nach seiner Ansicht nehmen nun Gewinnmitnahmen und Vorsicht wieder eine ganz entscheidende Stelle ein. Hinzu kommen die besonders wagemutigen Anleger, die zu den bisherigen Tiefstständen gekauft haben und jetzt schon wieder teils stattliche Gewinne mitnehmen.
Japan bleibt bei lockerer Geldpolitik
Ein weiteres wichtiges Thema bleibt die Zinspolitik der Notenbanken. In der Nacht zum Freitag entschied die Bank of Japan, den Leitzins bei minus 0,1 Prozent zu belassen. In Taiwan legte sich die Notenbank dagegen zu einem Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten fest. Beide Entscheidungen kamen für Jeffrey Halley, Asien-Analyst beim Broker Oanda, überraschend, weil beide Notenbanken derzeit völlig entgegengesetzt agieren.
In Japan blieb sogar die Lockerungspolitik unverändert, in Taiwan erhöhte man die Zinsen sogar doppelt so stark wie normal. Üblich sind dort Schritte von 0,125 Prozentpunkten.
Die russische Notenbank (CBR) hat am Mittag auf die heftigen Sanktionen des Westens nicht mit einer weiteren Leitzinserhöhung reagiert. Der Leitzins bleibe bei 20,0 Prozent, hieß es von Seiten der Zentralbank. Ende Februar hatte sie den Zins drastisch um 10,5 Prozent auf das aktuelle Niveau angehoben.
>> Lesen Sie dazu: Japans Zentralbank hält an lockerer Geldpolitik fest
Zuvor waren Experten bis zu einer Erhöhung auf 35 Prozent ausgegangen. Die Notenband begründete ihr Vorgehen damit, dass die russische Wirtschaft in eine Phase einer „weitreichenden strukturellen Transformation“ eingetreten sei. Diese werde durch eine Periode mit einer zeitweise hohen Inflation begleitet. Zudem dürfte die Wirtschaftsleistung in den nächsten Quartalen schrumpfen.
Noch immer stehen die Entscheidungen vieler Notenbanken unter dem Einfluss der US-Notenbank. Die Fed hatte am Mittwoch das erste Mal seit Dezember 2018 eine Zinserhöhung bekannt gegeben.
Die Notenbanker erhöhen den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent. Im weiteren Jahresverlauf könnten bis zu sechs weitere Zinserhöhungen folgen. Damit würde sich der Leitzins zum Jahresende in einer Spanne von 1,75 bis zwei Prozent bewegen.
>> Lesen Sie dazu: Erste Erhöhung seit 2018 – US-Notenbank leitet die Zinswende ein
Zudem wollen die Währungshüter auf einer der nächsten Sitzungen damit beginnen, ihre auf über neun Billionen Dollar angeschwollene Bilanz abzubauen. Einen konkreten Zeitplan nannten sie nicht. So würden sie dem Markt Liquidität entziehen. Für Anleger muss das nicht unbedingt eine negative Nachricht sein, beschwichtigt Carsten Klude, Chefvolkswirt beim Bankhaus M.M. Warburg.
Mit seinen Kollegen hat er historische Daten für den amerikanischen Aktienmarkt untersucht, die vielmals das Gegenteil belegen. Zwischen 1973 und 2021 hatten die USA neun Mal die Leitzinsen erhöht, die jüngsten Zinserhöhungen waren vor der Finanzkrise 2007 und 2008 sowie in den Jahren 2015 bis 2018. Die Länge der Zinserhöhungszyklen variierte dabei zwischen sieben und 36 Monaten.
Hätten Anleger nun im ersten Monat der Zinserhöhung gekauft und im letzten Monat verkauft, hätten sie bei lediglich zwei Ausnahmen eine Rendite zwischen 2,6 Prozent (Phase vier) und 12,8 Prozent (Phase sieben) erzielt. Unterschiede zeigten sich aber bei den einzelnen Branchen. Während Konsumgüter, Versorger oder Telekommunikationsunternehmen teilweise sogar Verluste brachten, sah es am anderen Ende der Skala bei zyklischen und energiesensitiven Branchen wie Energie oder Rohstoffen sehr viel besser aus.
Keine weitere Erholung beim Euro
Der Euro hat sich am Freitag nach der jüngsten Erholung bei 1,1066 Dollar bewegt, in den Tagen davor waren es über 1,11 US-Dollar. Weiter nach oben ging es nach dem rapiden Anstieg in der Nacht mit dem Ölpreis. Die Nordsee-Sorte Brent kostete am Freitagabend 107,24 Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI stieg auf 104,17 Dollar je Barrel. „Asien tat das, was es schon die ganze Woche getan hat: Es kaufte von Anfang an Öl und ließ sowohl Brent als auch WTI weiter steigen“, kommentierte Oanda-Experte Halley die Entwicklung.
Weniger deutlich war die Entwicklung beim Goldpreis. Nachdem die Nachfrage mit Ausbruch des Ukrainekrieges rapide gestiegen war, kam es in den vergangenen Tagen bereits zu Gewinnmitnahmen unter Investoren. Am Freitag verlor der Kurs des Edelmetalls über ein halbes Prozent auf etwa 1928 Dollar.
Einzelwerte im Fokus:
Vonovia: Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia will nach Zuwächsen bei Umsatz und operativem Ergebnis 2021 auch im laufenden Jahr deutlich zulegen. Dazu beitragen soll neben höheren Mieteinnahmen vor allem die Übernahme des Branchenrivalen Deutsche Wohnen.
Bei Umsatz und operativem Ergebnis werde ein Wachstum von mehr als 20 Prozent erwartet, sagte Unternehmenschef Rolf Buch bei Vorlage der Jahreszahlen 2021 am Freitag in Bochum. Die Dividende soll 1,66 Euro je Aktie betragen. Das Papier des Immobilienkonzerns verlor 3,3 Prozent.
Bechtle: Der IT-Dienstleister verzeichnete im vergangenen Jahr trotz weltweiter Lieferengpässe einen Anstieg des Geschäftsvolumens um 7,3 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis (EBT) legte überproportional um 18,4 Prozent auf 320,5 Millionen Euro zu. Die EBT-Marge verbesserte sich von 5,4 Prozent auf 6,0 Prozent. Papiere von Bechtle legten 2,8 Prozent zu.
Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.