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BewerbungFlexible Mitarbeiter sind gesucht: So demonstrieren Kandidaten ihre Anpassungsfähigkeit

Beweisen Sie Ihrem nächsten Chef schon im Bewerbungsprozess, wie flexibel Sie sind. Zwei Experten geben Tipps – vom Lebenslauf bis zum Vorstellungsgespräch.Claudia Obmann 16.06.2021 - 11:56 Uhr Artikel anhören

Es gibt viele Möglichkeiten für Bewerber, den künftigen Chef von der persönlichen Flexibilität zu überzeugen.

Foto: picture alliance/dpa

Düsseldorf. Gerade in Krisenzeiten ist die Fähigkeit, sich leicht an neue Gegebenheiten anzupassen, eine besonders gefragte Eigenschaft bei der Suche nach neuen Mitarbeitern. Aber auch Unternehmen im Transformationsprozess suchen flexible Verstärkung.

Fach- und Führungskräfte mit einer hohen Anpassungsfähigkeit stehen daher zurzeit ganz oben auf der Wunschliste vieler Arbeitgeber. „Personalchefs prüfen Kandidaten immer häufiger auf diese Eigenschaft“, beobachtet Emine Yilmaz. Sie ist Vice President Permanent Services bei der Personalvermittlung Robert Half. Ihr Unternehmen vermittelt Finanz- und IT-Spezialisten an andere Arbeitgeber.

Doch wie genau können potenzielle Mitarbeiter bereits im Bewerbungsprozess ein hohes Maß an Flexibilität demonstrieren? Emine Yilmaz und der Karrierecoach Gerhard Winkler, seit mehr als 20 Jahren Bewerbungshelfer, geben sechs Tipps – vom Anschreiben über den Lebenslauf bis hin zum persönlichen Vorstellungsgespräch.

1. Im Anschreiben die Erfolge Ihrer Anpassungsfähigkeit für Sie sprechen lassen

Die erste Chance zu betonen, wie gut Sie sich anpassen können, bieten das Motivationsschreiben und der Lebenslauf. Doch „Vorsicht vor ‚Ich bin‘-Aussagen“ im Anschreiben an den potenziellen neuen Chef, so Bewerbungscoach Winkler. Statt sich selbst zu beweihräuchern, lassen Sie lieber elegant Ihre Erfolge für sich sprechen: Schildern Sie Ihre wichtigsten persönlichen Leistungen und Erfahrungen, die nebenbei auch Ihre Flexibilität dokumentieren. Beginnen Sie Ihre Sätze mit „Ich habe“.

Sie haben ein Sonderprojekt geleitet? Oder eine relevante Zusatzausbildung absolviert und so Ihre Einsatzmöglichkeiten erweitert? Sie sind bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber mit einem zeitweise erhöhten Arbeitspensum zurechtgekommen, weil Sie einen Kollegen vertreten haben, in dessen Aufgabengebiet sie sich selbst einarbeiten mussten? Dann erwähnen Sie das.

Benennen Sie bedeutende Entscheider Ihres bisherigen Werdegangs als Referenz.

Foto: obs

Auch wer schon mal fern der Heimat, zum Beispiel als Expat im Ausland, gearbeitet hat, sollte darauf unbedingt in der Bewerbungsmappe eingehen. „Sich in einer fremden Sprache, in einem ungewohnten Kultur- und Arbeitsumfeld bewährt zu haben, ist ein überzeugender Beweis für persönliche Flexibilität“, sagt Winkler.

2. Benennen Sie Kronzeugen

Bringen Sie Referenzen ins Spiel. Der Bewerbungshelfer rät: „Nachdem es in den ersten beiden Dritteln des Anschreibens um Ihre Leistung und Erfolge gegangen ist, kann dieser Teil geschickt beendet werden, indem auf Kronzeugen verwiesen wird.“

Haben Sie mit zwei, drei bedeutenden Entscheidern Ihres bisherigen Werdegangs zuvor abgesprochen, dass Sie sie als Referenz benennen dürfen, verweisen Sie auf den hochkarätigsten Kontakt an dieser Stelle – etwa so: „Meine Stärken, speziell in Sachen Flexibilität und Agilität, bestätigt Ihnen gern Frau x, Geschäftsführerin von Firma y.“

3. Listen Sie die erreichten Ziele und Lösungen präzise im Lebenslauf auf

Der Lebenslauf sollte so aufgebaut sein, dass er für den Leser das Leistungs- und Persönlichkeitsprofil eines Bewerbers zusammenfasst. Auch in diesem Dokument ist es also wichtig zu belegen, wie flexibel Sie sind. „Je höher die Problemlösungskompetenz des Bewerbers, desto interessierter ist der Arbeitgeber am potenziellen Mitarbeiter“, sagt Coach Winkler.

Daher sei es sinnvoll, in der chronologischen Übersicht beispielhaft Herausforderungen aus der Vergangenheit zu schildern, für die der Bewerber eine Lösung gefunden habe. Das bereits im Anschreiben inhaltlich angerissene Sonderprojekt wird also im Lebenslauf noch mal aufgegriffen. Winkler meint: „Dokumentieren Sie präzise, was Sie innerhalb welchen Zeitraums mit wie vielen Mitarbeitern geleistet haben oder welches Ziel Sie erreichen konnten.“

Grundsätzlich gilt: Listen Sie Ihren beruflichen Erfolg so konkret wie möglich auf, zum Beispiel so: „Als Qualitätsmanager des Produktionsbetriebs x habe ich Schulungen der 300 Mitarbeiter veranlasst und so innerhalb eines Jahres die Fehlerquote von 38 Prozent auf zwölf Prozent gesenkt.“ Oder: „Als erfahrener Werksleiter von Unternehmen y wurde ich von 2016 bis 2019 von meinem Arbeitgeber nach China entsandt, um dort im Rahmen eines Joint Ventures den Aufbau einer Produktionsstätte mit zuletzt 500 Mitarbeitern zu organisieren.“

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Im Lebenslauf ist auch der richtige Platz für eine Übersicht zu wichtigen Weiterbildungen. Sie haben nebenberuflich die Zusatzqualifikation agiles Management absolviert und darüber ein Zertifikat erhalten? Dann unbedingt eine Kopie anfertigen und beifügen. Sie hatten eine Schulung zu neuen IT-Technologien, Apps oder Tools? Auch dieses relevante Know-how erwähnen – jeweils unter der Überschrift „Zusatzkenntnisse“.

4. Rechnen Sie mit Fragen zu Ihren Erfahrungen mit Experimentierfreude, Scheitern und einem Plan B

Bewerber sollten damit rechnen, im Vorstellungsgespräch vom neuen Chef auf ihre Anpassungsfähigkeit getestet zu werden. Wer auf die klassische Aufforderung „Stellen Sie sich doch bitte kurz vor“ die Chance nutzt, mit konkreten Beispielen aus seinem beruflichen Werdegang zu belegen, dass er unter Druck leistungsfähig sowie örtlich, zeitlich und inhaltlich flexibel ist, punktet.

„Erzählen Sie uns von einem von Ihnen gelösten Problem, zu dem Sie wenig oder gar keine Informationen hatten“, aber auch die Frage: „Wann haben Sie versagt, und was haben Sie daraus gelernt?“, könnten Steilvorlagen sein, um zu demonstrieren, dass man experimentierfreudig ist und schnell einen Plan B erarbeiten kann beziehungsweise dass einen Niederlagen nicht aus der Bahn werfen.

Wer sich bereits im Vorfeld Gedanken gemacht und für Anschreiben und Lebenslauf Beispiele und Argumente zurechtgelegt hat, kann sofort antworten und „überzeugt nun mit Selbstsicherheit und Souveränität“, betont Emine Yilmaz von Robert Half.

5. Geben Sie spontane Kostproben Ihrer Kreativität

Beliebt sind darüber hinaus aber auch gezielte Testfragen, mit denen Arbeitgeber die Flexibilität von Bewerbern spontan herausfordern. Typischerweise werden Kandidaten gebeten, Lösungswege für ein abwegiges Problem aufzuzeigen.

Von Tesla-Chef Elon Musk zum Beispiel ist bekannt, dass er Bewerbern für Ingenieurstellen im neuen Elektrofahrzeugwerk in Grünheide Fragen zum naturwissenschaftlichen Know-how stellt: „Wenn Sie mit einem Fahrrad unterwegs sind, was bewegt sich schneller: die Fahrradkette oder der Boden unter dem Fahrrad?“ Während hier die richtige Antwort „der Boden“ lautet, sind bei manchen Denkaufgaben eher Kreativität und Improvisationstalent eines Kandidaten gefragt. Bei diesen Knobelfragen gibt es kein „wahr“ oder „falsch“ – denn wer kann schon wissen, wie viele Tischtennisbälle in die Titanic passen oder wie schwer Manhattan ist?

Der Tesla-Chef stellt im Bewerbungsgespräch auch ungewöhnliche Fragen.

Foto: AFP

Vielmehr geht es den Arbeitgebern darum, den Bewerber damit unter Druck zu setzen, um zu sehen, ob er aus der Fassung gerät oder einen Lösungsvorschlag bieten kann. Wer sich hier Zeit nimmt, ruhig und sachlich antwortet, besteht den Test. Yilmaz sagt: „Überlegen Sie sich Annahmen und belegen Sie alle Aussagen mit schlüssigen Argumenten oder Beispielen, um zu demonstrieren, dass Sie auch in Stresssituationen zielorientiert denken und arbeiten können.“

6. Vermeiden Sie Standardantworten

Auch bei „Was wäre, wenn?“-Fragen gibt es häufig keine richtigen oder falschen Antworten. Erfolgsrezept: Standardantworten vermeiden, Kreativität beweisen. Vor allem aber dem neuen Arbeitgeber zeigen, dass Sie in hektischen Situationen immer einen kühlen Kopf bewahren.

Expertin Yilmaz rät aus der Sicht der Arbeitgeberin Kandidaten abschließend: „Greifen Sie auf Ihren Erfahrungsschatz zurück, und rufen Sie sich ähnliche Situationen aus der Vergangenheit in Erinnerung, um zu schauen, ob sich eventuell bekannte Lösungswege adaptieren lassen.“

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Coach Winklers finaler Tipp für Bewerber im Vorstellungsgespräch lautet dagegen: „Unbedingt selbstkritisch bleiben, nicht übertreiben. Denn spätestens in der Probezeit fällt es auf, wenn es mit der Flexibilität doch nicht so weit her ist.“

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