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Die Autorin

Melissa Di Donato ist Vorstandsvorsitzende des Softwareanbieters Suse. Sie gehört laut Handelsblatt-Ranking zu den Top-100-Frauen, die Deutschland voranbringen.

(Foto: Suse)

Gastkommentar Open Source ist wie Crowdfunding

Neben Schwarmintelligenz fördert vor allem der offene Zugang zu Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten den technologischen Fortschritt, meint Melissa Di Donato.
05.07.2021 - 20:55 Uhr Kommentieren

Weltoffen, technologieoffen, ergebnisoffen – Offenheit prägt viele Bereiche unseres Lebens. Per Definition steht Offenheit für etwas frei Verfügbares, ohne Zugangsbeschränkungen. Offen für jeden Mann und für jede Frau, offen für alle. Besonders wichtig ist, dass alle Zugang zu Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten und zur beruflichen Weiterbildung haben, damit sie ihre Karriere in der Tech-Branche vorantreiben können.

Speziell an Frauen wendet sich unser Netzwerk „Women in Tech“. Es hilft, Grenzen zu überwinden, denn Offenheit und Grenzen, das verträgt sich nicht. Nicht auf Landkarten, nicht in unseren Köpfen. Darin liegt der Reiz von Offenheit – und ihre Herausforderung: Offenheit braucht Vertrauen. Das ist ihr Fundament. Als Vorstandsvorsitzende des Softwareanbieters Suse erlebe ich jeden Tag, wie sehr ein offener und vertrauensvoller Umgang die Arbeit bereichert.

Arbeit neu zu denken, das ist nur umsetzbar geworden, weil wir offen sind für neue, effizientere Wege. Flexible Regelungen für den Ort und den Zeitrahmen von Arbeit, das waren und sind nicht nur wichtige Voraussetzungen für die Wirtschaft während der Pandemie. Es hat gleichsam nebenbei auch viele Unternehmen zu attraktiveren Arbeitgebern gemacht.

Jetzt eröffnen sich Chancen, die viele von uns bei ihrer Entscheidung für mehr Heimarbeit noch gar nicht absehen konnten. Die Corona-Pandemie hat hier als Verstärker gewirkt – wir sollten offen sein für die Vorteile, die sich daraus ergeben. Wir brauchen als Gesellschaft einen offenen Blick auf die digitale Transformation, die wir jetzt gestalten. Offenheit sollte unsere Denkweise bestimmen.

Mit Innovationen Zukunft gestalten

Trotzdem dürfen wir uns nichts vormachen: Für diese Veränderungen braucht es auch technische Voraussetzungen. Ohne die Erfindung und Inbetriebnahme der ersten Computer vor mittlerweile 80 Jahren würden wir heute nicht digital arbeiten und hätten auch nicht nahezu jederzeit und überall die Möglichkeit, gemeinsam weitere Innovationen entstehen zu lassen. Innovationen sind in positiver Weise ansteckend, eine Innovation lässt die nächste wachsen. So gestaltet man Zukunft.

Damit Innovationen ihre volle Kraft entfalten können, darf der Zugang zu ihnen nicht begrenzt werden. Deshalb bin ich mit Begeisterung Vorstandsvorsitzende eines Unternehmens, das allen Menschen seine Open-Source-Software gratis zur Verfügung stellt. Ich bin überzeugt, dass wir die Chancen in unserem Einflussbereich so nutzen sollten, dass davon positive Effekte für das Leben möglichst vieler Menschen ausgehen.

Das Technologie-Ökosystem wandelt sich rasant und wird immer komplexer durch Netzwerkeffekte, Plattformökonomie und neue Wege, wie wir aus Daten sinnvolle Informationen gewinnen. Dieses Tempo der Veränderung braucht ein Innovationsmodell, das nicht nur mithalten, sondern vor allem für alle transparent mitgestalten kann. Open-Source-Software ist genau dieses Innovationsmodell.

Unsere Open-Source-Software wird von einer großen Gemeinschaft von Mitwirkenden erstellt und weiterentwickelt. Weil Open-Source-Software kostenlos ist, wird keine Nutzergruppe ausgeschlossen, dadurch hat sie eine viel größere Reichweite als viele kommerzielle Produkte. Aber es ist nicht nur die Reichweite, es geht auch um Qualität. So wie die Open-Source-Gemeinschaft weiterwächst, nehmen auch ihre Vielfalt und damit ihre Qualität weiter zu.

Die Stärke von Vielfalt im Alltag

Vielfalt ist die wahre Stärke von Open Source. Wir alle kennen zumindest theoretisch die Vorteile von vielfältigen, diversen Teams. Inklusion führt zu mehr Kreativität und Innovation, besseren Problemlösungen und Entscheidungen.

In unserer millionenstarken Open-Source-Community können Sie die Stärke von Vielfalt jeden Tag erleben: Durchschnittlich arbeiten über 30.000 Mitwirkende gemeinsam daran, die jeweiligen Software-Lösungen stetig zu verbessern. Man nennt das Schwarmintelligenz.

Durch die Zusammenarbeit von so vielen Entwickler:innen werden Fehler schnell entdeckt und behoben – die in Entwicklungsprozessen oft aufwendige Fehlersuche entfällt. Selbst ein großes Tech-Unternehmen mit Zehntausenden Entwicklern kann nicht mit den Millionen Mitwirkenden konkurrieren, die bei Open-Source-Projekten wie Github, einer Verwaltung für Software-Entwicklungsprojekte, jeden Tag zusammenarbeiten.

Die Zahl der Entwickler:innen auf Github hat sich mit 56 Millionen von 2017 bis 2020 nochmals mehr als verdoppelt. Open Source beschleunigt das Innovationstempo also erheblich, da Unternehmen grundlegende Technologien nicht mehr von Grund auf neu entwickeln müssen. Diese Vorteile sind erkannt und werden genutzt: 99 Prozent der Fortune-500-Unternehmen nutzen Open Source – also nahezu jedes der umsatzstärksten Unternehmen der Welt.

Zusätzlich bauen alle Internetunternehmen und Cloud-Anbieter auf Open-Source-Software auf. Damit bildet Open Source die Grundlage des Internets und der Cloud. Anders formuliert: Open Source ist fast überall. Der Entwicklungsprozess einer Open-Source-Software funktioniert sozusagen wie Crowdfunding, nur dass die Community aus Millionen von Mitwirkenden statt Geld ihre Entwicklungsfähigkeiten einbringt.

Unterstützung bei Impfstoffen

Sie hinterfragen den Status quo und leisten Pionierarbeit. So wie der 17-jährige Schüler Julian Ambrosy aus der Nähe von Stuttgart, der eine Impftermin-Suchmaschine programmiert hat, damit sein Großvater möglichst schnell einen Impftermin bekommen kann. Julian, melde Dich gerne für ein Praktikum, wenn Du das hier liest!

Für Unternehmen muss frei verfügbare Software natürlich geprüft und zertifiziert werden, bevor sie eingesetzt werden kann. Das bieten wir als international tätiges Open-Source-Softwareunternehmen an.

Suse arbeitet mit Unternehmen jeder Größenordnung – vom deutschen Mittelstand bis zu Dax-30-Konzernen – und Unternehmen vieler Branchen wie Luftfahrt, Automobil, Pharma und Handel zusammen. Die Softwarelösungen werden aber auch an Universitäten und von virtuellen Lern-Plattformen genutzt und unterstützen beispielsweise die Markteinführung von Impfstoffen.

Aus meiner Sicht war es zwingend geboten, dass wir zu Beginn der Covid-19-Pandemie Herstellern medizinischer Geräte kostenlose Betriebssysteme und Container-Management-Technologien zur Verfügung gestellt haben – so konnten die Hersteller die Markteinführung ihrer Produkte beschleunigen. Im Kampf gegen Corona kam so wertvolles Know-how zum Einsatz, in Deutschland entwickelt und global zur Bekämpfung der Pandemie eingesetzt.

Open-Source-Software leistet einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft. Der entscheidende Punkt dabei ist Offenheit. Das gilt auch für mich ganz persönlich. Ohne Offenheit wäre ich nicht da, wo ich heute bin – als Vorstandsvorsitzende und Förderin von weiblichen Führungskräften.

Die Autorin: Melissa Di Donato ist Vorstandsvorsitzende des Softwareanbieters Suse. Sie gehört laut Handelsblatt-Ranking zu den Top-100-Frauen, die Deutschland voranbringen.

Mehr: Wir müssen die digitale Spaltung in unserem Land verhindern

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