Prüfers Kolumne: Excel-Tabellen ausfüllen bis zur Besinnungslosigkeit
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.
Foto: HandelsblattZehn Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind arbeitssüchtig. Das zeigen Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung der Technischen Universität Braunschweig. Dabei soll Arbeitssucht nicht mit exzessiver Arbeit verwechselt werden. Der Anteil der Exzess-Arbeiterinnen und Exzess-Arbeiter liegt sogar bei 33 Prozent.
Ein großer Teil der Menschen, die in Deutschland arbeiten, scheint also kein normales Verhältnis zur Arbeit zu haben. Wie soll man sich nur exzessives, gar suchthaftes Arbeiten vorstellen? Man hat ein Bild davon, wie exzessiver Drogenkonsum, exzessives Essen oder exzessiver Sex aussehen. Aber exzessives Arbeiten?
Exzesse gibt es ja meist bei Dingen, die – in Maßen genossen – ganz schön sind. Dann aber übertreiben es manche, feiern die Nacht durch und sind am nächsten Morgen nicht ansprechbar. Sie sitzen da mit glasigen Augen und fürchten, die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben.
Angeblich geht es also mehr als 40 Prozent der Beschäftigten beim Arbeiten so. Ich frage mich, was in deutschen Büros bei den Arbeitsorgien – teilweise nach offiziellem Feierabend – so alles passiert. Vermutlich werden dann bis zur Besinnungslosigkeit Excel-Tabellen ausgefüllt und Lagerbestände inventarisiert. Oder ein Mitarbeiter der IT-Abteilung jagt ein System-Update nach dem anderen über den Server, bis die Leiterplatte glüht.