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Kommentar Das boomende Geschäft mit Börsenmänteln droht sich selbst zu zerstören

Spacs sind eine sinnvolle Erweiterung des Werkzeugkastens bei der Kapitalbeschaffung. Aber Gier und Opportunismus könnten dieses Instrument schnell nutzlos machen.
11.02.2021 - 16:40 Uhr Kommentieren
Gut ein Jahr nach dem gescheiterten Börsengang soll der Bürovermieter Wework mittels eines Börsenmantels doch noch an den Aktienmarkt kommen. Quelle: Reuters
Das Logo von Wework

Gut ein Jahr nach dem gescheiterten Börsengang soll der Bürovermieter Wework mittels eines Börsenmantels doch noch an den Aktienmarkt kommen.

(Foto: Reuters)

Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer will es, Ex-Commerzbank-Chef Martin Blessing angeblich auch, und der ehemalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat seinen Deal bereits in trockene Tücher gebracht: Alle drei sind Teil des boomenden Geschäfts mit leeren Börsenmänteln, die im Fachjargon Special Purpose Acquisition Companies heißen oder kurz Spacs.

Das Prinzip ist simpel, wenn auch etwas ungewohnt. Ein mehr oder minder prominenter Initiator sammelt über einen Börsengang einige Hundert Millionen Dollar ein. Bis dahin ist die Gesellschaft nichts als eine leere Hülle. Nach der Platzierung macht sich der Initiator auf die Suche nach einem attraktiven Übernahmeziel, meist ein junges Technologieunternehmen. Auf dieser Art und Weise ermöglichen Spacs Börsengänge quasi durch die Hintertür.

2020 erlebte das Geschäft mit den Börsenmänteln in den USA einen regelrechten Boom, der in diesem Jahr auch nach Europa schwappt. Bleibt die Frage, ob die Spacs mehr sind als ein Spielzeug für unterforderte (Ex-)Manager, die ausnutzen, dass die Investoren angesichts von Minizinsen und Liquiditätsschwemme gerade alles kaufen, was ein kleines bisschen mehr Rendite verspricht.

Tatsächlich erinnert vieles am Spacs-Boom an die überbordende Euphorie kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase Ende der 1990er-Jahre. Ohne die wilde Rekordjagd an den Börsen gäbe es den Run auf die Börsenmäntel nicht.

Der Umkehrschluss wäre allerdings falsch: Die Spacs sind kein Phänomen, das sich auf die Überhitzung der Märkte reduzieren lässt. Die Börsenmäntel haben ihren praktischen Nutzen. Sie können gerade in Europa helfen, mehr junge, innovative Unternehmen an die Börse zu bringen. Außerdem bieten die Spacs in unruhigen Zeiten für die Zielunternehmen, aber auch für die Investoren mehr Planungssicherheit als ein traditioneller Börsengang, der sich über Wochen und Monate hinzieht.

Ihren Sinn und Zweck können die Deals aber nur erfüllen, wenn alle Beteiligten davon profitieren. In den USA hat sich ein Modell etabliert, das dafür sorgt, dass die Initiatoren quasi immer gewinnen. Dank 20 Prozent Gratisaktien machen die Spacs-Gründer auch dann noch einen Schnitt, wenn sich die Übernahme für den Rest der Investoren nicht mehr rechnet.

Zwei, drei zwielichtige Deals in Europa würden reichen, um das neue Instrument dauerhaft in Misskredit zu bringen. Es wäre schade, wenn Gier und Opportunismus den Spacs den Garaus machen würden. Die Gefahr ist groß – denn Weitblick, Zurückhaltung und Geduld sind Eigenschaften, die in Phasen des Börsenrauschs nicht unbedingt zur emotionalen Grundausstattung der Investoren gehören.

Mehr: Das boomende Geschäft mit Börsenmänteln kommt nach Deutschland.

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