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Kommentar Kooperationen mit Techkonzernen sind für Autobauer ein Pakt mit dem Teufel

Stellantis' Software-Kooperation mit Foxconn ist eine Abkürzung. Der Autobauer überholt damit die deutschen Autobauer – zahlt dafür aber einen hohen Preis.
20.05.2021 - 18:48 Uhr 1 Kommentar
Die Software der Autohersteller ist noch nicht auf Smartphone-Niveau. Quelle: AP
Audi-Cockpit

Die Software der Autohersteller ist noch nicht auf Smartphone-Niveau.

(Foto: AP)

Es fühlt sich immer ein bisschen wie eine Zeitreise an, wenn man in heutige Autos einsteigt und deren Infotainment-System bedient. Egal ob Volkswagen, BMW oder Daimler – die Bedienung des Navigationssystems ist etwas zäh, alles ruckelt ein bisschen, der Sprachassistent ist begriffsstutzig. Das technische Niveau erinnert einen an die Anfangszeit der Smartphones – vor etwa 15 Jahren.
Herbert Diess sieht darin ein gravierendes Problem. Der VW-Chef hat jüngst die Software von Tesla und Googles Android Automotive Services in einem Polestar unter die Lupe genommen. Offenbar hat der Vergleich der Softwaresysteme einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass Diess die Entwicklung nun priorisieren will.

Er hat richtig erkannt: Selbst eine leicht stockende Bedienung oder ruckelnde grafische Darstellung akzeptieren Kunden nicht mehr. Sie haben sich an die flüssige Bedienung der Betriebssysteme ihrer Smartphones gewöhnt. Und in Zukunft wird weniger die PS-Zahl entscheidend für den Autokauf sein, sondern es werden Software und Bedienerlebnis des Infotainments sein.
Es gibt also großen Aufholbedarf für VW und Co. Und nun erwächst den Deutschen auch noch ein neuer Konkurrent in Europa. Der Autobauer Stellantis, der aus einer Fusion des französischen Herstellers PSA und dem italienischen Fiat-Chrysler-Konzern hervorgegangen ist, war hier bislang klar im Rückstand. Eine Kooperation mit Foxconn, Auftragsfertiger des iPhone-Herstellers Apple, könnte das ändern.

Stellantis hat mit Foxconn das Joint Venture „Mobile Drive“ gegründet. KI- und 5G-basierte Funktionen – essenziell für das autonome Fahren –, die digitale Cockpitanzeige, das Infotainmentsystem sowie fortlaufende Softwareaktualisierungen, die per Over-the-air-Update über eine Internetverbindung heruntergeladen werden können, bestellt Stellantis beim taiwanischen Techkonzern. Und der hat Fähigkeiten im Softwarebereich, die die deutschen Autobauer nicht besitzen.

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Die deutschen Hersteller arbeiten derzeit unter Hochdruck an der Software. Eigene Betriebssysteme sollen her, vernetzt, updatefähig und flüssig in der Bedienung. Doch die kommen frühestens 2024 auf den Markt. Derzeit sind die deutschen Autobauer damit beschäftigt, Ordnung in ihre neu gegründeten Softwareeinheiten zu bringen. Tausende von Softwareentwickler, die zum Teil jahrelang mit unterschiedlichen Programmiersprachen gearbeitet haben, müssen auf Linie gebracht werden. Außerdem müssen neue Programmierer – so ziemlich die rarste Spezies auf dem Arbeitsmarkt – angelockt werden. Kurz: Die Autobauer positionieren sich gerade in Sachen Software. Vom Durchstarten kann noch nicht die Rede sein.

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    Es dauert so lange, weil die deutschen Hersteller ihre Software größtenteils in Eigenregie entwickeln. Sie wollen auf diese Weise die Kontrolle über die Software im Auto und den Kundendaten behalten. Ein deutscher Sonderweg, der sich als Sackgasse erweisen könnte.

    Qualitätsgefälle in der Autosoftware

    Denn ausländische Autobauer könnten mit engen Techkooperationen die deutschen Hersteller überholen. Stellantis ist nicht der einzige Autobauer, der die Nähe zur IT-Welt sucht. General Motors holt Google ins Boot und wird erste Fahrzeuge bereits in diesem Jahr mit dem sehr weit fortgeschrittenen und vernetzten Infotainmentsystem Android Automotive ausstatten. Volvos Elektroautomarke Polestar nutzt dieses System bereits im Polestar 2. Und für VW besonders schmerzlich: Ford, VWs Kooperationspartner bei der Elektromobilität, vertraut bei der IT lieber auf Googles Android Automotive und Amazons Sprachassistenten Alexa.

    Diese Kooperationen könnten schon bald zu aberwitzigen Situationen führen. Kleinwagenfahrer von Ford, Peugeot oder Opel werden mit deutlich besseren Sprachassistenten in ihren Fahrzeugen kommunizieren, als Mercedes- oder BMW-Fahrer in ihren Hundertausende Euro teuren Oberklassenlimousinen. Und je stärker die Software über den Kauf eines Fahrzeugs entscheidet, desto nervöser dürfte das Gefälle in der Qualität der Autosoftware die Manager in Stuttgart, München und Wolfsburg machen.

    Allerdings sind enge Kooperationen mit den Techkonzernen für die Autobauer ein Pakt mit dem Teufel. Stellantis und Co. werden ihren Kunden zwar früher eine performante Autosoftware anbieten können. Dafür aber lassen sie die Techkonzerne gefährlich nahe an sich heran. Sie verlieren die alleinige Kontrolle über die Software und müssen die Schnittstelle zum Kunden, sprich die Kundendaten, mit den Techkonzernen teilen.

    Es ist eine realistische und zugleich schmerzliche Entscheidung. Sehenden Auges gehen Stellantis, GM und Ford das Risiko ein, reine Autobauer zu bleiben. Sie verpassen die Chance, Geld mit der Autosoftware zu verdienen – das Zukunftsgeschäft der Autoindustrie.

    Mehr: Im Rennen um die beste Autosoftware starten VW, Daimler und BMW die Aufholjagd. Wie sich die deutschen Autobauer gegen Google und Tesla behaupten wollen.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Kooperationen mit Techkonzernen sind für Autobauer ein Pakt mit dem Teufel"

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    • Ich befürworte den Weg der deutschen Autobauer, alles eigenhändig zu machen und die Expertise inhouse zu sammeln.

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