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Morning Briefing Aktivisten blamieren Big Oil

27.05.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die stärkste Kraft im Kampf für Klimaschutz ist nicht der Marsch auf der Straße wie bei „Fridays for Future“, sondern der Marsch durch die Institutionen. Das hat sich jetzt an einem Tag bei zwei quasi-revolutionären Vorkommnissen gezeigt:

  • Der umweltbewegte Hedgefonds „Engine No.1“, entfaltete auf der Hauptversammlung von Exxon mit Kritik an Finanzergebnissen und der Ökobilanz so viel Lästigkeits-Power, dass zwei eigene Leute in den Aufsichtsrat des amerikanischen Öl-Riesen einziehen. „Investoren stehen nicht mehr an der Seitenlinie, das ist ein Tag der Abrechnung“, sagt Investmentstrategin Anne Simpson vom mächtigen kalifornischen Pensionsfonds CalPERS, der „Engine No.1“ unterstützt.
  • Recht bekamen Umweltschützer auch vor dem Gericht in Den Haag, wo der Exxon-Rivale Shell seinen Hauptsitz hat. Die Richter verfügten, der Ölkonzern müsse seinen CO2-Ausstoß bis 2030 deutlich reduzieren – um 45 Prozent im Vergleich zu 2019. Shell müsse „seinen Beitrag leisten im Kampf gegen den gefährlichen Klimawandel“, lautete die pädagogische Lektion. Sieben Umweltschutzorganisationen hatten geklagt, unterstützt von 17.000 Menschen. Shell kündigte sofort Berufung an.

Die Vokabel von der „historischen Stunde“ wird in beiden Fällen noch häufiger zu hören sein.

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    Quelle: dpa
    Nach sieben Jahren beendet die Schweiz die Verhandlungen über ein von Brüssel gewünschtes Rahmenabkommen zu den bilateralen Beziehungen.

    Die historisch nachhaltigste Wirkung hatte die kleine, schöne Schweiz mit Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch. Für die größten Fehlleistungen sorgte das Finanzwesen, das erst von Schwarzgeld entwöhnt werden musste. Insgesamt ein liebenswertes, manchmal störrisches, immer aber merkantiles Völkchen, das gut von der Europäischen Union lebt – immerhin macht der Handel hier 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

    Nur: All zu viel wollen die Eidgenossen mit der EU nicht zu tun haben, weshalb nun ein seit sieben Jahren verhandelter Rahmenvertrag geplatzt ist. Automatische Aktualisierungen bestehender bilateraler Abmachungen oder Normen zur Streitschlichtung sind mit diesem „Schwexit“ hinfällig. Das Bedauern über diesen Flop kleiden wir, wie könnte es anders sein, in ein Bonmot Dürrenmatts: „Die Politik ist nicht besser als die Menschen, die sie betreiben.“

    Zwischen dem sozial erwünschten Streben nach Eigennutz und der gefährlichen Gier liegt die rote Linie des Gesetzes. Diese Linie haben die Betreiber der Seilbahn am Monte Mottarone im italienischen Stresa offenbar auf eklatante Weise ignoriert: Sie sollen vorsätzlich die Notbremsanlage manipuliert haben, damit ihre Gondeln weiterlaufen konnten, und hätten so den Tod von 14 Passagieren billigend in Kauf genommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Bürger sind geschockt und verbittert. Man wird hier auf ein hartes Urteil warten. Der weise Leonardo da Vinci wusste: „Wer das Böse nicht bestraft, befiehlt, dass es getan wird.“

    Quelle: AFP
    Bundeskanzlerin Angela Merkel berät heute mit den Länderchefs über Impfungen für Kinder und Jugendliche.
    (Foto: AFP)

    Beim heutigen Impfgipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Spitzen der Bundesländer wird viel über Kinder und Jugendliche diskutiert werden – leider mit dem falschen Fokus. Auf der Agenda steht die jüngste Öffentlichkeitsaktion des Gesundheitsministers Jens Spahn, der bis Ende August allen über Zwölfjährigen ein Impfangebot machen will. Dabei deutet die Ständige Impfkommission (Stiko) an, zunächst von einer generellen Impfempfehlung für Kinder abzusehen.

    Viel wichtiger wäre es, ein klares Zeichen zu setzen und rasch zum Präsenzunterricht an Schulen zurückzukehren. Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht macht jetzt einen Vorstoß in diese Richtung. Hamburg, Brandenburg und Thüringen beispielsweise kehren aktuell zum Präsenzunterricht zurück. Berlin aber will beim Wechselunterricht bleiben. Unterm Strich: „Das Versprechen, die Schulen als letzte zu schließen und als erste zu öffnen, haben Bundesregierung und Länder gebrochen“, resümiert n-tv.

    Fast 130.000 Menschen sind im Vereinigten Königreich mit oder an Corona gestorben, im internationalen Vergleich ein Spitzenwert des Grauens. Im Parlament ließ der einstige Regierungsberater Dominic Cummings nun keine Gelegenheit aus, Premier Boris Johnson zu belasten – ein einziges „J’accuse...!“

    Die Botschaft: „Als die Öffentlichkeit die Regierung am meisten brauchte, versagte diese“, so Cummings. Sein Ex-Chef Johnson habe die Einschätzungen von Wissenschaftlern als Angstmacherei abgetan. Für den Premier sei Covid „doch nur wie eine neue Schweinegrippe“ gewesen – er habe sich im Fernsehen live infizieren lassen wollen, als Beweis dafür, wie ungefährlich Corona sei. Der Attackierte hält auf gute politische PR-Art mit seiner erfolgreichen Impfkampagne gegen den Mann, der für ihn einmal den „Brexit“ ersonnen hat.

    Die Technik gibt es schon lange, die Begeisterung dafür ist neu: Wasserstoffwirtschaft. Die deutsche Industrie mahnt jetzt eindringlich, die Republik könnte angesichts verstärkter Initiativen in den USA und China ins Hintertreffen geraten. „Es ist fünf vor Zwölf, ohne Tempo werden die politischen Träume platzen“, sagte BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller beim Handelsblatt Wasserstoff-Gipfel. Und BDI-Präsident Siegfried Russwurm fordert in einem lesenswerten Gastbeitrag: „Schluss mit dem Klein-Klein, jetzt müssen wir gerade im Wasserstoffbereich mutiger, größer und vor allem globaler denken.“

    Nötig sei jetzt, so die Wirtschaftsvertreter, ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien und der Wasserstoff-Infrastruktur. Vor allem Stahl- und Chemieproduzenten hoffen, mit Hilfe des klimaneutralen Wasserstoffs weniger klimaschädliches CO2 auszustoßen. Vielleicht bewegt die neue Bundesregierung ja bei dem Thema mehr als die alte.

    Grafik

    Den sportlichen Kampf erst einmal verloren, den finanzwirtschaftlichen noch nicht gewonnen: So ist die Lage beim Traditionsklub SV Werder Bremen, der am vorigen Samstag aus der 1. Fußball-Bundesliga abstieg. Mitten in diese Tristesse hinein fällt die Platzierung einer Mittelstandsanleihe für einen Zins zwischen 6 und 7,5 Prozent. So könnte sich statt den einst erhofften 30 Millionen Euro nur die Hälfte einspielen, ergab unsere Recherche über Fußball-Anleihen als Geldanlage. Werder-CEO Klaus Filbry räumt ein: „Unser sportlicher Misserfolg hat natürlich auch direkte Auswirkungen. Es wäre falsch, diesen Einfluss zu verneinen.“

    Im Überlebenskampf und beim angestrebten Wiederaufstieg hilft dem Klub eine enge Bindung zur Landesregierung. Anleger registrieren aufmerksam, dass sich börsennotierte Anleihen des Hamburger SV weitaus besser schlugen als die Papiere von Hertha BSC und Schalke 04. Ausgesprochene „Fan-Anleihen“ nahmen wir nicht in die Wertung auf: Damit kann man sich die Wand tapezieren.

    Und dann ist da noch Petra Gerster, seit 32 Jahren beim ZDF, seit fast 23 Jahren das Gesicht der Nachrichtensendung „heute“. Im Mainzer Sender hatte die Journalistin aus Worms ihre Karriere bei „Mona Lisa“ begonnen, einer Sendung, die den „Diversity“-Debatten um Jahre voraus war. Bei „heute“ moderierte sich Gerster mit unaufgeregter Grandezza über alle Altersgrenzen hinweg und wurde gestern von der Redaktion auffällig liebevoll in die Rente verabschiedet.

    Die 66-Jährige, die mit Ehemann Christian Nürnberger Bücher schreibt, zitierte am Schluss den einstigen Frankfurter Fußball-Coach Dragoslav Stepanovic: „Lebbe geht weider“ (für Nicht-Hessen: Das Leben geht weiter). Das ist ja mal eine Nachricht, mit der man auf jeden Fall gut in den Morgen kommt.

    Ich wünsche Ihnen einen unbekümmerten Tag.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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