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Morning BriefingBörse 2025 – willkommen im rheinmetallischen Kapitalismus

Christian Rickens 25.09.2025 - 06:01 Uhr
Morning Briefing

Rheinmetall: Wie ein Konzern den Dax treibt

25.09.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Der rheinische Kapitalismus bezeichnete einst die Wirtschaftsordnung der alten Bundesrepublik mit ihrer starken Stellung von Gewerkschaften und Banken.

Im Jahr 2025 sollte man vielleicht eher vom rheinmetallischen Kapitalismus sprechen.

Der Aktienkurs des Düsseldorfer Rüstungskonzerns Rheinmetall hat sich in diesem Jahr erneut mehr als verdreifacht – angetrieben vor allem durch die steigenden Ausgaben des Bundes für Verteidigung. Damit wird die Aktie immer maßgeblicher für die Entwicklung des deutschen Leitindex.

Der extreme Kurssprung hat dazu geführt, dass von den mehr als 15 Prozent, um die der Dax ohne Dividenden in diesem Jahr gestiegen ist, etwa ein Drittel auf die Rheinmetall-Aktie entfällt. Insgesamt hat Rheinmetall seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 um 1900 Prozent zugelegt.

Unsere Grafik zeigt: Rheinmetall und vier weitere Konzerne haben in diesem Jahr sogar für rund 80 Prozent der Dax-Kursgewinne gesorgt. Auf die 35 übrigen Unternehmen im Index entfiel dementsprechend nur etwa ein Fünftel des Anstiegs.

Uwe Streich, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sagte unserer Finanz-Reporterin Andrea Cünnen:

Wir sehen eine enorme Spreizung im Dax.

Er hält diese Konzentration für eine „ungesunde Entwicklung“. Das Bild relativiert sich allerdings beim Blick auf 2024. Damals war der Kurs der Dax-Konzerne ebenfalls um 15 Prozent gestiegen, und der Anteil der erfolgreichsten Aktie an diesem Kursplus lag mit 40 Prozent sogar noch höher: Der Softwarekonzern SAP war es, der im vergangenen Jahr den gesamten Index in die Höhe zog.

Golf-Produktion bei VW in Wolfsburg: Einige Verbrennermodelle könnten länger auf dem Markt bleiben. Foto: dpa

Volkswagen plant Einheits-Software

Der Autobauer Volkswagen baut seine Softwarestrategie um – und erwägt erstmals, in Europa und den USA ein einheitliches Betriebssystem für Elektroautos und Verbrennerfahrzeuge zu entwickeln. In China verfolgt der Konzern diesen Kurs bereits. Ein Konzernsprecher teilte mit, „längerfristig“ sollten alle Elektrik-Elektronik-Architekturen des Konzerns in der westlichen Welt „konvergieren“.

Als Elektrik-Elektronik-Architektur bezeichnen Autohersteller die grundlegenden Rechner- und Softwarestrukturen in ihren Fahrzeugen – ähnlich einem Betriebssystem auf Computern.

Der angekündigte Kurswechsel in der Software trifft auf eine neue Marktrealität. So hat die VW-Sportwagentochter Porsche angekündigt, Benziner, Diesel und Hybride länger als bisher geplant zu produzieren. Auch andere Konzernmarken erwägen, bestimmte Verbrennermodelle in Europa länger im Programm zu halten.

Zurzeit arbeiten Industrie und Teile der Politik daran, das für 2035 vorgesehene Neuzulassungsverbot für Verbrenner in der EU aufzuweichen. Man wolle bereit sein, wenn sich die Regulatorik ändere, erfuhr Autoreporter Lazar Backovic aus Wolfsburger Konzernkreisen.

Forschungsministerin Dorothee Bär: Viele Zuständigkeiten, wenig Mittel. Foto: IMAGO/Ardan Fuessmann

Gerangel um Raumfahrt-Kompetenzen

Deutschland hat erstmals eine Ministerin, die ihre All-Zuständigkeit sogar im Namen führt: Dorothee Bär ist Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die CSU-Politikerin sorgte Anfang August für Euphorie in der Raumfahrt-Community, als sie verkünden ließ: Eine halbe Milliarde Euro und damit doppelt so viel wie bisher seien im Haushalt 2026 für das deutsche Raumfahrtprogramm reserviert und rund 1,1 Milliarden Euro für die Europäische Weltraumorganisation (Esa).

Die Enttäuschung folgte prompt. Denn im Haushaltsentwurf 2026 finden sich lediglich 282 Millionen Euro für das nationale Programm und weniger als eine Milliarde Euro für die Esa. In der Branche ist von einem „fatalen Signal“ die Rede.

Warum bleibt die Bundesregierung hinter den eigenen Ansprüchen zurück? Ein Grund ist Kompetenzgerangel. Zwar steht seit Mai fest, dass die Raumfahrt in Zukunft nicht mehr im Wirtschafts-, sondern im Forschungsministerium angesiedelt sein wird. Die Mitarbeiter der drei Raumfahrt-Referate arbeiten aber bislang weiter im Wirtschaftsministerium. Raumfahrtministerin Bär hat dementsprechend noch keine arbeitsfähige Raumfahrt-Abteilung aufbauen können, die aus den drei Referaten sowie weiteren Zuständigkeiten aus dem Verkehrsministerium bestehen soll.

Fest steht zumindest: Staatssekretär Marcus Pleyer wird unter Bär für die Raumfahrt zuständig sein. Er soll die Branche bereits um Hilfe gebeten haben, wie es hieß: Man möge doch bitte bei den Haushaltspolitikern dafür werben, dass sie den Etatentwurf der Regierung noch einmal ändern und mehr Geld für die Raumfahrt bereitstellen.

Friedrich Merz (CDU): Der Bundeskanzler hat eine klare Ansage zum Thema Bürgergeld. Foto: Annette Riedl/dpa

Merz macht Bürgergeld zur Chefsache

Wir bleiben beim Kompetenzgerangel in der Bundesregierung: Die Reform des Bürgergelds wird laut Friedrich Merz von den Spitzen der schwarz-roten Koalition vorbereitet. „Ich überlasse das nicht dem Arbeitsministerium oder anderen Stellen in der Regierung“, sagte der CDU-Vorsitzende gestern beim Verband der Chemischen Industrie.

Das sei vielleicht ungewöhnlich für einen Gesetzgebungsvorgang. Aber man wolle sich erst politisch über die Formulierungen „bis hart an die Gesetzessprache heran“ einigen, bevor man die Ministerialbürokratie einschalte. Die Diskussionen mit der SPD seien schwierig, was er auch verstehe, so Merz. Ein Grund dafür: „das Trauma“, das die SPD mit der früheren Hartz-IV-Reform habe.

Hier wirkt offenbar nach, was Bärbel Bas vor einigen Wochen über das Kanzler-Statement sagte, wonach Deutschland beim Sozialstaat über seine Verhältnisse lebe. „Bullshit“, nannte das damals die SPD-Vorsitzende.

Autos werden in Bremerhaven auf Schiffe verladen: Der niedrigere Zollsatz für Autoexporte in die USA soll rückwirkend ab dem 1. August gelten. Foto: dpa

EU-Handelsabkommen mit den USA in Kraft

Und hier noch eine Nachricht, die man unter den gegebenen Umständen wohl als gut sehen muss: Das Handelsabkommen zwischen den USA und der Europäischen Union ist unter Dach und Fach. Das US-Handelsministerium und der US-Handelsbeauftragte hätten festgestellt, dass die EU die notwendigen Gesetzesentwürfe für eine Umsetzung der Vereinbarung vorgelegt habe, heißt es in dem Dokument der beiden Regierungsbehörden.

Nun soll die vereinbarte Senkung der Zölle für EU-Autoexporte in die USA auf 15 Prozent in Kraft treten, und zwar rückwirkend zum 1. August. Die USA hatten den Schritt daran geknüpft, dass die EU Gesetze zu den versprochenen Zollsenkungen für US-Waren vorlegt.

Vorsicht, bissiges Eichhörnchen!

Wegen eines aggressiven Eichhörnchens haben zwei Frauen in Kalifornien einem Fernsehbericht zufolge die Notaufnahme aufsuchen müssen. Die eine Frau sagte dem Fernsehsender KGO-TV, dass sie in der Stadt San Rafael zu Fuß unterwegs gewesen sei, als das Eichhörnchen plötzlich ihr Bein angegriffen und sie gebissen habe. Die andere Frau berichtete von einem Angriff in der gleichen Gegend. Bewohner im Umfeld werden jetzt mit Flyern vor dem Eichhörnchen gewarnt.

Vanessa Potter von der Wildtier-Rettungsorganisation WildCare in San Rafael sagte dem Fernsehsender, das aggressive Verhalten sei wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass das Eichhörnchen als Jungtier von Menschen gefüttert und gepflegt worden sei.

Typisch Kalifornien, wird man angesichts dieser Erklärung im konservativen Teil der USA sagen: Im Zweifel lässt sich jede kriminelle Handlung mit einer schweren Kindheit entschuldigen. Es kann sich eigentlich nur noch um Stunden handeln, bis US-Präsident Donald Trump die Nationalgarde nach San Rafael entsendet, weil der kalifornische Gouverneur das Marodierende-Eichhörnchen-Problem einfach nicht unter Kontrolle bekommt.

Ich wünsche Ihnen einen Donnerstag, an dem Sie noch genau wissen, wo Sie Ihre Nüsse versteckt haben.

Herzliche Grüße,

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Ihr

Christian Rickens

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