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Morning Briefing Bundesbank-Chef für geldpolitische Wende

18.06.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in der Geldpolitik haben auch leise Töne laute Folgen. Es waren nur Andeutungen der US-Notenbank Fed, dass es 2023 wohl zu Zinserhöhungen und damit zur geldpolitischen Wende komme – doch die amerikanische Währung ist daraufhin deutlich erstarkt. Der Dollar-Index, der den Kurs zu Top-Währungen widerspiegelt, stieg um bis zu 0,7 Prozent auf 91,7450 Punkte – der höchste Stand seit zwei Monaten.

Der Euro-Kurs wiederum gab von 1,21 auf 1,19 Dollar nach, der Goldpreis sackte um 2,5 Prozent auf nur noch 1804 Dollar. Die Börsen dagegen zeigten sich robust – bis auf die Aktie des Impfstoffherstellers Curevac, die nach frustrierenden Studienergebnissen über die Wirksamkeit seines Präparats jäh abrutschte.

Quelle: imago images/Hannelore Förster
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: „Geldanlagen sollten keine Mutproben sein.“
(Foto: imago images/Hannelore Förster)

Das Erwartungsmanagement der Fed in Washington schlägt auch bei den Notenbankern der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt durch. Am Wochenende beraten sie in einem Hotel nahe der Mainmetropole über den künftigen geldpolitischen Kurs. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann positioniert sich im Handelsblatt für das EZB-Geheimtreffen und plädiert für einen baldigen Stopp des Sonderprogramms PEPP: „Wenn der Notfall vorüber ist, für den das PEPP geschaffen wurde, muss es beendet werden.“ Noch ist es der EZB möglich, hierüber besonders flexibel Anleihen von Staaten und Unternehmen zu kaufen. Für 2022 rechnet Weidmann im Übrigen mit einer gefestigten ökonomischen Erholung und einem Auslaufen der gröbsten Anti-Corona-Aktionen – dann könne sich die Geldpolitik normalisieren. Aber auch für die EZB gilt Helmut Schmidts Diktum: „Das Schneckentempo ist das normale Tempo jeder Demokratie.“

In der Wochenend-Titelgeschichte sind wir dem neuen heiligen Gral der Wirtschaft auf der Spur: dem „Innovationscode“. Mein Kollege Christian Rickens ergründet, wie Wissenschaftler entschlüsseln, was bahnbrechenden Ideen zum Erfolg verhilft.

Im Editorial thematisiert Chefredakteur Sebastian Matthes, dass 16 Jahre lang zwar mit Angela Merkel eine promovierte Naturwissenschaftlerin an der Spitze des Landes stand, die Bundesrepublik aber dennoch beständig an Innovationskraft verlor. Matthes räumt bei dieser Gelegenheit mit einigen Irrtümern auf und liefert Klarstellungen. So gäbe es kaum einen großen Technologiesprung, an dem der Staat nicht beteiligt war. Innovationen dürfe er aber nicht wie eine Behörde organisieren. Vielmehr müsse die Politik Netzwerke zwischen Wissenschaftlern, Investoren, CEOs und Forschern aufbauen und pflegen.

In einigen Fallbeispielen zeigen wir, wie Innovationspolitik in anderen Staaten erfolgreich betrieben wird.

  • Großbritannien: Erneuerungsmissionen auf vier Kerngebieten – Energie, Künstliche Intelligenz, Demografie, Mobilität – werden durch die nationale Agentur UK Research and Innovation (Ukri) vorangetrieben und aus dem politischen Alltagsgeschäft herausgehalten.
  • Schweden: Regierungschef Stefan Löfvén ließ den Nationalen Innovationsrat NIC gründen und übernahm selbst den Vorsitz. Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und Wissenschaft treffen sich in diesem Gremium viermal im Jahr zu langen Meetings.
  • Israel: Die Matching-Plattform Start-up Nation Central bringt Gründer und Großunternehmen zusammen. Man sieht sich als „One-Stop-Tor zu Israels innovativem Ökosystem“ und aktualisiert täglich eine umfassende Online-Datenbank.
  • USA: Zentral ist die Forschungsbehörde Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa). Sie arbeitet mit hohen Budgets und Risiken. Hier wurde das Internet genauso entwickelt wie das Maschinengewehr M-16.

Eine wichtige Definition zum Thema kommt vom Ökonomen Theodore Levitt: „Kreativität denkt sich Neues aus. Innovation tut Neues.“

Moral können sich nur starke Entscheider leisten, und das macht die Sache beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) derzeit so schwierig. Das Führungsgremium ist nach Rücktritten genauso dezimiert wie die eigene Ethikkommission. Fast alle Mitglieder sind entschwunden. Zuletzt hatten die Ethiker ausgerechnet gegen Interimspräsident Rainer Koch ermittelt, und zwar wegen seiner Rezeption der Initiative „Fußball kann mehr“ von mehreren Frauen aus der Fußballbranche.

„Das Ding ist brutal und nicht nachvollziehbar“, sagt der Jurist Bernd Knobloch, der seinen interimsmäßig wahrgenommenen Chefposten der Kommission verlor. Auch der Theologe Nikolaus Schneider wurde vom DFB ausmanövriert und beklagt nun ein „unterirdisches“ Verhalten. Er hätte auch ausrufen können: Um Himmels Willen!

Quelle: imago images / Jochen Tack
Vor allem Autos gelten als großer Luftverpester. Die EU will nun drastisch eingreifen.
(Foto: imago images / Jochen Tack)

Ein Gerücht geht um in Europa, und der Verband der Automobilindustrie (VDA) ist alarmiert. Er warnt vor einem großen Jobabbau. Grund sind Informationen, wonach die EU-Kommission schon 2035 die Fahrzeug-Grenzwerte für den Ausstoß von CO2 auf Null senken will. Damit war zu rechnen, schließlich plant Brüssel bereits die Verschärfung der zu senkenden CO2-Emissionen von 55 auf 60 Prozent bis 2030.

Die VW-Tochter Audi scheint mit den neuen Klimazielen, anders als der VDA, überhaupt kein Problem zu haben. Von 2026 an wollen die Ingolstädter keine neuen Modelle mit Verbrennungsmotoren produzieren, auch keine Hybridautos. Es sollen nur noch reine Batterievehikel vom Band rollen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Die bekannten Modelle A3 und A4 haben somit keinen direkten Nachfolger. Gestern informierte Audi-Chef Markus Duesmann intern über den radikalen Schnitt.

Mein Kulturtipp zum Wochenende: „Vom Aufstehen“ von Helga Schubert, ein Lebensroman in 29 Erzählungen, an mehreren Stellen auch eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der eigenen Mutter. Die 81-jährige Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin lässt ihre Erinnerungen vorbeiziehen wie die Geschichte von Wilhelm dem Eroberer auf dem Wandteppich von Bayeux.

Die ersten Jahre im Zweiten Weltkrieg, Alltag in der DDR, ihre Schriftstellerei und die allgegenwärtige Stasi. Die Wende, mit ihr als Pressesprecherin des Runden Tischs in Ost-Berlin. Hier meldet sich eine Autorin, die zu Unrecht jahrzehntelang vergessen war. Und die träumt, „alle Kälte“ zu überleben, wie damals in Großmutters Hängematte.

Und dann ist da noch Kekshersteller Bahlsen aus Hannover, der sich zu hundert Prozent politisch korrekt verhalten will. Und so ging man in sich und verpasste den eigenen Schokolade-Waffelblättern nach 60 Jahren einen anderen Namen: Statt „Afrika“ heißen sie „Perpetum“. Die postkoloniale Umtaufung lässt garantiert jeden Rassismus-Vorwurf ins Leere laufen. Und man will ja auch wirklich keine Assoziation zum Rohstoff Kakao mehr, obwohl 70 Prozent der Weltkakao-Ernte – unabhängig von Sprachregulierungen – aus Westafrika stammen.

Der neue Name signalisiert dagegen, dass Bahlsen-Kunden das Große Latinum haben und unbedingt Nachhaltigkeit wollen, schließlich lässt sich „perpetus“ mit „beständig“ übersetzen. Und so schmunzeln wir am Ende dieses Weckdienstes mit Erich Kästner: „Was immer auch geschieht / nie sollt ihr so tief sinken / von dem Kakao, durch den man euch zieht / auch noch zu trinken!“

Ich wünsche Ihnen ein vergnügliches Wochenende.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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