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Morning BriefingCommerzbank gegen Unicredit – Das Banken-Monopoly kehrt zurück

Christian Rickens 12.09.2024 - 06:08 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Finanz-Monopoly: Commerzbank wehrt sich gegen Unicredit

12.09.2024
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Liebe Leserinnen und Leser,

manchmal könnte man in diesen Tagen meinen, wir seien alle ins Deutschland der Nullerjahre teleportiert worden. Die Wirtschaft stagniert, ein SPD-Kanzler kämpft ums politische Überleben, und jetzt kehrt sogar die Ära der Bankenübernahmen zurück.

Zur Erinnerung an die große Zeit, als zwischen Mailand, München und  Frankfurt eifrig Finanz-Monopoly gespielt wurde: Die Hypo-Vereinsbank landete 2005 in den Armen von Unicredit, und die Commerzbank kaufte 2008 die Dresdner Bank von der Allianz. Dann kam die Finanzkrise, und Banken galten fortan als ein ähnlich attraktives Geschäftsmodell wie die Produktion von Herrenhüten.

Nun pirscht sich Unicredit an die Commerzbank heran. Kurz nach dem angekündigten Rückzug von Commerzbank-Vorstandschef Manfred Knof haben die Mailänder insgesamt neun Prozent der Commerzbank-Anteile erworben, teilweise aus der Beteiligung des Bundes. Sie wollen mit dem Wettbewerber nun über einen möglichen Zusammenschluss reden.

Die Unicredit-Offerte treibt den Kurs der Commerzbank-Aktie. Foto: Thomas Berger/Hendrik Wünsche/Imago

Viele Beschäftigte der Commerzbank und auch die Gewerkschaft Verdi lehnen einen solchen Schritt ab. Klaus Nieding, der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), fände eine Übernahme durch Unicredit hingegen gut, denn: „Die Commerzbank hat aus meiner Sicht nicht die notwendige kritische Größe, um sich auf Dauer eigenständig am Markt zu behaupten.“

Die Commerzbank-Führung will sich Insiderangaben zufolge gegen eine mögliche Übernahme wehren. Das berichtete am Abend die Nachrichtenagentur Reuters. Zudem verlautete aus Unternehmenskreisen, dass die US-Bank Goldman Sachs als Beraterin beauftragt worden sei, um verschiedene Abwehroptionen auszuloten. Alles fast wie früher halt.

Auch innerhalb der Handelsblatt-Redaktion sind die Meinungen geteilt, ob die Commerzbank nach Italien verkauft werden sollte. Stellvertretend streiten sich für Sie hier unser Finanz-Ressortleiter und unser Meinungschef.

Miguel López: Der Vorstandschef von Thyssen-Krupp verlor in einer Aufsichtsratssitzung der Stahltochter die Nerven. Foto: Imago, Getty (2), Reuters

Führungskrise bei Thyssen-Krupp: Diese Schlagzeile klingt ähnlich vertraut wie die vom Frankfurter Banken-Monopoly, aber ungleich trauriger. Stahl-Reporterin Isabelle Wermke hat zusammen mit dem Handelsblatt-Investigativressort rekonstruiert, wie es zum jüngsten Streit im Thyssen-Krupp-Management kam, der im Exodus nahezu der gesamten Führungsspitze der Stahlsparte gipfelte. Kleiner atmosphärischer Vorgeschmack: Bei der entscheidenden Aufsichtsratssitzung der Sparte soll über Thyssen-Krupp-Vorstandschef Miguel López die Frage gestellt worden sein:

Was ist das denn für ein Asi?

Das Rennen um den Kauf der Bahn-Spedition Schenker ist Insidern zufolge entschieden. Der internationale Logistiker solle für rund 14 Milliarden Euro an die dänische Spedition DSV gehen, haben die Agenturen Reuters und Bloomberg erfahren. Die dänische DSV würde sich damit gegen den anderen verbliebenen Bieter, den Finanzinvestor CVC durchsetzen. Der hatte Verhandlungskreisen zufolge etwas weniger geboten. Verdi hat sich gegen einen Verkauf an DSV ausgesprochen, da bei einer Fusion mit dem Wettbewerber mehr Stellen wegfallen würden.

Ölförderung in Russland: Der Export von Rohöl ist die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Foto: IMAGO/ITAR-TASS

Rund zweieinhalb Jahre nach dem Überfall auf die Ukraine füllt Moskau seine Kriegskasse weiter mit hohen Rohstoffexporten. Seit diesem Frühjahr sind Russlands Exporte von Öl, Gas und Kohle sogar deutlich gestiegen: In den vergangenen vier Monaten lagen sie bei 66 Milliarden Euro. Das sind rund 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie Berechnungen des Handelsblatts auf Basis von Daten der unabhängigen Forschungsorganisation CREA ergaben. Zu Russlands Stammkunden gehören demnach nicht nur China und Indien. Auch die EU importiert weiterhin Öl, Gas, Kohle, Chemie sowie Metalle aus Russland.

Zwar hat Europa die Rohstoff-Einfuhr aus Russland immer weiter beschränkt. Doch die Sanktionen bei Rohöl greifen nicht wie gewünscht. Andere Produkte wie Gas und Dünger kann Russland weiterhin ohne Beschränkung auch in die EU exportieren. Bei Stickstoffdünger gewinnt Moskau sogar stetig Marktanteile in der EU hinzu.

Händlerin an der Börse New York: Profis haben neue Favoriten am Aktienmarkt. Foto: REUTERS

Die Analysten von Goldman Sachs werten regelmäßig mehr als 95 Portfolios von Hedgefonds aus und geben damit einen Einblick in deren Tradingstrategien. Demnach orientieren sich die Profianleger aktuell um. Beim Chiphersteller Nvidia oder dem Rechenzentrumsausrüster Vertiv kürzten sie ihre Positionen im Monatsvergleich und stockten dafür bei anderen Aktien auf. In den Top 20 der Hedgefonds-Lieblinge sind gleich sechs Firmen neu dabei.

Die neue Nummer eins in den Depots ist die Aktie von Workday. Für die Aktionäre des Anbieters von Personalsoftware war das Börsenjahr bislang kompliziert. Nach einem guten Jahresstart stürzte der Kurs Ende Mai ab. Das US-Unternehmen hatte zuvor seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. Mittlerweile hat sich der Kurs stabilisiert und einen Teil der Verluste wettgemacht. Die Hedgefonds-Manager setzen offensichtlich darauf, dass dieser Trend anhält.

Mehr über die fünf übrigen Aktien, auf die Hedgefonds neuerdings besonders häufig wetten, erfahren Sie hier.

Der Bürgermeister der westukrainischen Stadt Iwano-Frankiwsk hat Sprachpatrouillen angekündigt, um die Verwendung des Russischen einzudämmen. „Das ist eine Bürgerinitiative, und jeder kann Sprachinspekteur werden“, sagte Ruslan Marzinkiw dem Fernsehsender NTA:

Leider verspüren wir jetzt einen Anstieg der russischen Sprache in der Stadt und wollen, dass unsere Stadt höchstmöglich ukrainischsprachig ist.

Vor allem viele Menschen aus der Ostukraine haben Russisch als Muttersprache. Aufgrund des Krieges sind Millionen von ihnen in den relativ sicheren ukrainischsprachigen Westen geflohen. Seit der Revolution 2014 wird in der Ukraine das seit Sowjetzeiten dominierende Russisch systematisch aus dem öffentlichen Raum, aus Musik, Radio, Fernsehen und Presse verdrängt.

Ein US-Amerikaner und zwei Russen sind mit einem Sojus-Raumschiff  auf der Internationalen Raumstation ISS eingetroffen. Ungeachtet aller politischen Spannungen arbeiten Russland und die USA in der Raumfahrt weiter zusammen. US-Astronauten nutzen immer wieder russische Raumschiffe, um zur ISS zu gelangen.

Der Chef der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, Juri Borissow sprach sich gestern für eine Verlängerung der bis 2025 geltenden Vereinbarung zu den gemeinsamen Raumflügen aus. Zugleich bot er der US-Raumfahrtbehörde Nasa Hilfe an, weil deren Astronauten derzeit nicht wie geplant mit dem „Starliner“ zur Erde zurückkehren können.

Hintergrund: An Bord der ISS sind weiter die Astronauten Suni Williams und Barry Wilmore. Einen Rückflug der beiden mit dem Pannen-Raumschiff „Starliner“ sah die Nasa als zu unsicher an. Nun sollen die beiden Astronauten acht Monate im All verbringen – statt wie ursprünglich geplant acht Tage.

Insgesamt sind derzeit fünf Russen und sieben Amerikaner an Bord der ISS, deutlich mehr als die Sollstärke. In der Bahn-App stünde neben der Raumstation vermutlich der Hinweis: „Sehr hohe Auslastung“.

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Wenn Sie das nächste Mal in einem überfüllten ICE sitzen, dessen Weiterfahrt sich auf unbestimmte Zeit verzögert: Richten Sie einen Blick  nach oben Richtung ISS und freuen Sie sich darüber, dass Ihre Verspätung wahrscheinlich weniger als acht Monate betragen wird.

Ich wünsche Ihnen einen himmlischen Donnerstag.

Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens

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