Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Das Vermächtnis von Ruth Bader Ginsburg

21.09.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

ein Nachruf auf Ruth Bader Ginsburg (RBG) verdient Ruhe und Nachdenklichkeit: liberale Richterin am Supreme Court, kämpferische Ikone für Gleichberechtigung, Förderin der Gesundheitsreform, Kunstliebhaberin mit riesigen Brillengläsern und noch größerem Widerspruchsgeist, am Freitag verstorben im Alter von 87 Jahren. Doch die USA werden in diesen Wahlkampftagen nicht vom Innehalten geprägt, sondern vom Keil-auf-Klotz-Kampf des Präsidenten um die Macht. Donald Trump hat jedenfalls zügigst angekündigt, schon bald eine republikanisch gesinnte Frau nachzunominieren, genannt sind die Bundesrichterinnen Amy Coney Barrett und Barbara Lagoa. Die Mehrheit der Konservativen am höchsten US-Gericht wäre dann sattelfest. Die Verstorbene hat der Mann aus dem Weißen Haus zwar kursorisch gewürdigt, den letzten Willen von RBG aber ignoriert: „Mein sehnlichster Wunsch ist, dass ich nicht ersetzt werde, bevor ein neuer Präsident antritt.“

Quelle: Reuters
Das letzte Statement von Ruth Bader Ginsburg: „Mein sehnlichster Wunsch ist, dass ich nicht ersetzt werde, bevor ein neuer Präsident antritt.“

Die RBG-Frage wird die US-Politik in dieser Woche deutlich prägen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden beschuldigt Trump des Amtsmissbrauchs und appelliert an einsichtige republikanische Mitglieder im Senat, einer raschen Neubesetzung der Richterstelle zu widerstehen. Er spreche zu denen, so Biden, „die tief im Inneren wissen, was gut für das Land und verfassungsgemäß ist“. Damit dürfte er jedoch in Trumps Welt nicht durchdringen. Vielen ist der Klebstoff peinlich, mit dem sich der Regierungschef zur baldigen Ginsburg-Nachfolgerin einließ: „Ich liebe tatsächlich Frauen viel mehr als Männer, das muss ich schon sagen.“

Eine Allianz internationaler Medien nutzte ein Datenleck des US-Finanzministeriums – und macht nun aufgrund der „FinCEN-Files“ großen Finanzinstituten wie JP Morgan, HSBC und Deutsche Bank heftige Vorwürfe. Sie seien in Geldwäsche-Aktionen zwischen 2000 und 2017 stärker als bekannt verwickelt. Es geht dabei zum Beispiel um „Mirror Trades“, bei denen nicht zuletzt „die Deutsche“ mitgemacht haben soll: Aktien wurden in Russland oder einem früheren Staat der Sowjetunion mit Rubel gekauft und am gleichen Tag in Dollar verkauft. Dabei spielte ein Investmentfonds eine Rolle, bei dem gleich etliche Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank Moskau wirbelten. Aus Unterlagen der Bank ergibt sich offenbar, dass eine Kultur des Wegsehens geherrscht habe und auch die interne Revision die Moskauer Malaise nicht aufdeckte. Einstiger Chef der Revision: der heutige CEO Christian Sewing. Sein Arbeitgeber erklärt, Sewing habe die Prüfergebnisse nie gesehen. In dieser Sache sieht sich die Bank als Opfer von Kriminellen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Großbetrugsfall Wirecard hat bekanntlich auch die vier großen Wirtschaftsprüfergesellschaften der Globalökonomie in Misskredit gebracht. Die Menschen fragen sich, warum sie wiederholt manipulierte Bilanzen nicht erkannten. Das ist ungefähr so rätselhaft wie die Tatsache, dass die Experten des Kraftfahrzeug-Bundesamts so verdammt hilflos gegen die Abgastricks der Autokonzerne waren. Inmitten des angekündigten Reformdrangs der Bundesregierung – sie will etwa Prüf- und Beratergeschäft stärker trennen – platzen einige neue Erkenntnisse, die wir in unserer Titelstory ausbreiten:

    • Das Kabinett in Berlin hat demnach in den vergangenen Jahren Aufträge von 400 Millionen Euro an die „Big Four“ vergeben.
    • Spitzenreiter ist KPMG mit knapp 135 Millionen Euro, gefolgt von PwC mit 108 Millionen, Deloitte mit 98 Millionen und EY mit 57 Millionen.
    • Zugleich wird klar, dass sich die „Großen Vier“ quasi selbst beaufsichtigten. 80 Prozent der Mitarbeiter der Bilanzpolizei DPR waren früher bei einer der dominierenden Gesellschaften beschäftigt, bei der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas sind es fast 60 Prozent.

    Das alles geht aus der Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor. Für solche Konstellationen hat sich, mit Bezug auf die griechische Mythologie, die Redewendung eingebürgert, hier müsse „ein Augiasstall ausgemistet werden“. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass Olaf Scholz oder gar Peter Altmaier das gelingt, was Herakles einst bei den griechischen Königen glückte.

    Quelle: dpa
    Der deutsche Botschafter in Peking, Clemens von Goetze, fiel aber als Pro-Wirecard-Kraft erstaunlicherweise aus. Sein Referent hatte gewarnt, dass mit Wirecard etwas faul sein könnte.

    Noch einmal Wirecard: Immer mysteriöser erscheint auch, warum sich Kanzlerin Angela Merkel im September 2019 bei ihrem Staatsbesuch in China so sehr für die opake Firma eingesetzt hatte. Nachdem Lobbyist Karl-Theodor zu Guttenberg, ihr ehemaliger Minister, antichambriert und souffliert hatte, unterstützte Merkel tatsächlich den Plan des Finanzkonzerns aus Aschheim, einen chinesischen Zahlungsdienstleister zu übernehmen. Der deutsche Botschafter in Peking, Clemens von Goetze, fiel aber als Pro-Wirecard-Kraft erstaunlicherweise aus. Sein Referent hatte gewarnt, dass mit Wirecard etwas faul sein könnte – der Mann hatte einfach intensiv Zeitung gelesen. Diesen Luxus gönnte sich in der Bundesregierung wohl niemand in ausreichendem Maße.

    Der Clan rund um Aldi-Erbin Babette Albrecht, Witwe des Mitgründersohns Berthold, sieht sich mit schweren Eingriffen des Staats konfrontiert. Es geht um die Jakobus-Stiftung, eine von drei Säulen des Handelsimperiums Aldi Nord, bei der eine noch vom früheren Eigentümer Berthold Albrecht verfügte Satzungsänderung nicht verwirklicht sei: Danach habe er gewollt, dass die zwei Familienmitglieder im Vorstand ihre Mehrheit verlieren. Die Stiftungsaufsicht, der Landkreis Rendsburg-Eckernförde, ordnet nach unseren Informationen genau diese Änderung jetzt an. Zu entscheiden ist auch eine Klage von Babettes Sohn Nicolay, der drei seiner Schwestern und den bisherigen Familienanwalt wegen Untreue angezeigt hat. Offenbar schüttete man sich ordentlich Dividende aus, ohne Nicolay gebührend zu berücksichtigen. Da der Vorstand nicht satzungsgemäß bestellt war, erscheinen diese Zahlungen als sehr fragwürdig.

    Bedingt durch Covid-19 ist 2020 bis jetzt schon ein Jahr der Arbeitsniederlegung gewesen. Die Gewerkschaft Verdi setzt noch einen drauf – und verkündet von Dienstag an Warnstreiks im öffentlichen Dienst. Schwimmbäder, Kitas oder Ämter könnten demnach in einzelnen Regionen tageweise schließen. Im Tarifstreit liegen die Kontrahenten weit auseinander. Während Verdi 4,8 Prozent mehr Geld fordert, bieten die Arbeitgeber weit weniger. Den richtigen Schwung allerdings wird die Kampagne der Gewerkschaft kaum entfachen – der Infektionsschutz gebietet, dass bei Straßendemonstrationen der gebotene Abstand strikt einzuhalten ist. Bis sich die Streithähne in einer der nächsten Runden einigen, können sie sich am Klassiker von Robert Bosch erfreuen: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle.“

    Noch ein paar Tage, bis zum 24. September, läuft die Nominierungsfrist für den „Health-i Pioneer 2000“. Gesucht werden Gesundheitspioniere, die mit innovativen Lösungen für den Gesundheitsmarkt glänzen. Es handelt sich um eine Initiative von Handelsblatt und der Techniker Krankenkasse. Wenn Sie einen Namen für die Nominierung haben, bitte unter www.health-i.de mitteilen.

    Quelle: AP
    Tadej Pogacar ist einer der jüngsten Sieger des Radsportspektakels Tour de France.
    (Foto: AP)

    Und dann ist da noch Tadej Pogacar, der heute seinen 22. Geburtstag im Bewusstsein feiert, einer der jüngsten Sieger des Radsportspektakels Tour de France zu sein. Experten und Laien, in vielen Jahren der Tour an Doping-Berichte gewöhnt, verwundert gleichermaßen, wie Pogacar am vorletzten Tag der Tour beim strapaziösen Berg-Zeitfahren seinem slowenischen Landsmann Primoz Roglic, der bis dato souverän führte, sage und schreibe fast zwei Minuten abnahm. Im Übrigen war es erst das zweite Mal, dass der Slowene an einer großen Landesfahrt teilnahm. Über den ungewöhnlichen Antritt und die Ausdauer des Siegers freuten sich am Ende auch seine Sponsoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

    Ich wünsche Ihnen einen leistungsstarken Start in die Woche, natürlich ohne chemische Hilfsmittel.
    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Das Vermächtnis von Ruth Bader Ginsburg"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%