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Morning BriefingFensterrede auf Europa: Scholz fehlt der visionäre Mut

Hans-Jürgen Jakobs 30.08.2022 - 06:00 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Staats- und Regierungsführer, die große Linien für Europa aufzeigen wollen, wählen dafür gern historische Säle anerkannter Universitäten aus. So war es vor fast fünf Jahren bei Frankreichs Emmanuel Macron, der an der Sorbonne in Paris ein einheitliches EU-Budget forderte und den Satz hinterließ: „Ich habe keine roten Linien, ich habe nur Horizonte.“

Für seine Grundsatzrede – eine Antwort auf Macron, die sich Angela Merkel sparte – suchte sich Olaf Scholz die Karls-Universität in Prag aus. Er redete über die Zeitenwende in Europa, über Erweiterung (von 27 auf 36 Länder), über Mehrheitsentscheidungen in der EU und über ein gemeinsames Luftabwehrsystem. Doch der visionäre Mut Macrons ist beim Bundeskanzler eher Akribie im Ablesen von Spiegelstrichen. Konkretes fehlte genauso wie europäischer Esprit. Der Satz: „Europa ist unsere Zukunft“ reicht als solcher nicht, man muss Zukunft auch machen. Fazit: Leider wird von dieser Rede in fünf Jahren keine Rede mehr sein.

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