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Morning Briefing Fernsehen leicht gemacht mit Söder

07.04.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in Workshops wird zukunftsträchtigen Managern gelehrt, wie man Fragen bissiger Journalisten entkommt. Als Anschauungsmaterial können die Kursleiter künftig ein Video mit Markus Söder vorführen: Der CSU-Chef spielte gestern Abend mit dem sich gerne als „Hard Talker“ inszenierenden Markus Lanz wie mit einem Kuscheltier. Zwei Musterdialoge: Ob sein Platz noch in Bayern sei oder bald in Berlin? „Ich bin an beiden Orten präsent.“ Was er vom „Brücken-Lockdown“ Armin Laschets halte? „Ich habe die Linie immer vertreten, die Kanzlerin auch. Ich freue mich über jeden, der mitmacht.“

Das wirkte alles in allem so generös, als schwebe der bayerische Ministerpräsident geradezu über dem Kampfplatz für die Kanzlerkandidatur. Und wenn es allzu tolldreist wurde mit der Fragerei, lobte Söder einfach den Moderator, was immer hilft. Dagegen machte Kontrahent Laschet, immerhin CDU-Chef und erfolgreicher NRW-Ministerpräsident, eine Woche zuvor bei „Lanz“ eher den Eindruck eines Mannes auf Glatteis ohne Spikes. Auch dieses Video könnte im Workshop eingesetzt werden.

Quelle: Reuters
Sieben CDU-Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg haben erklärt, dass sie sich nicht Armin Laschet als Kanzlerkandidaten der Union wünschen.

Laschet muss erleben, dass sich die Absetzbewegungen häufen. So vermitteln nun gleich sieben CDU-Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg in einer gemeinsamen Erklärung, dass sie sich Söder als Kanzlerkandidaten der Union wünschen. Persönliche Ambitionen für die Kandidatur seien zurückzustellen, „wenn ersichtlich ist, dass jemand anderes eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung hat“, heißt es da.

Dass der Landesvorsitzende Thomas Strobl erst wenige Tage zuvor für Laschet plädiert hat, interessiert die munteren Sieben nicht weiter. Möglich ist in dieser Causa noch vieles. Nebenbei erwähnte Söder bei „Lanz“ im ZDF, dass ein weiterer Kandidat aufgetaucht sei, womit er womöglich Ralph Brinkhaus meinte. Keiner redet derzeit so überzeugend von der nötigen Modernisierung des Staates wie der Unions-Fraktionschef.

Alles auf Elektro: 27 Batteriezellfabriken entstehen derzeit in Skandinavien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Polen. Der erwartete Boom der Stromautos macht’s möglich. EU-Kommissionsvizechef Maros Sefcovic schwärmt: „Wir schaffen eine neue Industrie in Europa.“

Tatsächlich könnten 2030 knapp ein Drittel aller weltweit produzierten Batteriezellen aus EU-Staaten kommen, das würde Platz zwei hinter China bedeuten. Schon rechnen Autoindustrie, Zulieferer und die Chemiebranche mit einem Multimilliarden-Geschäft, wie unsere Titelgeschichte beschreibt. Europa berauscht sich an dieser Idee, frei nach John F. Kennedy: „Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo die anderen erst einmal reden.“

Quelle: Bloomberg
Volvo-Chef Hakan Samuelsson richtet den schwedischen Autobauer ganz auf Elektromobilität aus.
(Foto: Bloomberg)

Zu den größten „Anpackern“ und Hoffenden gehört dabei Volvo-Chef Hakan Samuelsson. Er denkt bereits darüber nach, mit Partnern selbst Batteriezellen zu fertigen. Schon von 2025 an werde die Profitabilität eines E-Autos „zunehmend besser sein als die eines Benziners“, erläutert er – und: „Verbrenner sind Technik von gestern.“ Im Einzelnen sagt der Schwede im Handelsblatt-Interview über…

  • den Autoverkauf der Zukunft: „Die Autoindustrie ist wirklich die letzte Branche, in der es beim Verkauf keine erkenntlichen, einheitlichen Preise für die Produkte gibt. Wir müssen diese schädlichen Rabattschlachten beenden. Im Internet können wir einheitliche Preise darstellen.“
  • die Digitalisierung: „Die Bedeutung von Software und Computing im Fahrzeug steigt, das ist der größte Wandel für die Branche. Wir werden unsere Software-Anwendungen künftig in Zentralcomputern bündeln und so viel mehr Kontrolle über die Anwendungen erhalten.“
  • die Nutzung von Wasserstoff: „Vielleicht wird die Brennstoffzelle einmal von Bedeutung für Nutzfahrzeuge sein, bei Pkws wird Wasserstoff dagegen keine Rolle spielen. Der Wirkungsgrad von batterieelektrischen Antrieben ist einfach deutlich besser.“

Volvos chinesische Eigentümer von Geely können im eigenen Land studieren, wie rasant sich Elektromobilität ausbreitet.

Die Beziehung zwischen den US-Konzernen Google und Oracle kann man sich in etwa so vorstellen wie das Verhältnis zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland. Erst am Montag endete vor dem Obersten Gerichtshof der USA ein mehr als zehn Jahre währender Rechtsstreit wegen angeblicher Copyright-Verletzungen durch Googles Smartphone-System Android – den CEO Larry Ellison mit Oracle verlor.

Nun kassiert der Milliardär den nächsten Schlag: Die Google-Muttergesellschaft Alphabet führt in den nächsten Wochen für die interne Finanzverwaltung eine Lösung des deutschen Anbieters SAP ein – und wechselt Oracle aus. Es ist ausgerechnet Thomas Kurian, Cloud-Chef von Google, der den Wechsel vollzieht. Dabei hatte er zuvor als Manager bei Oracle die Finanzsoftware selbst entwickelt. Auch von SAP sind einige Top-Manager zu Google gewechselt.

Mein Eindruck: Offenbar entwickelt sich hier eine „Atlantik-Brücke“ ganz eigener Art.

Quelle: Reuters
Nach heftigen Milliardenverlusten durch die Greensill Bank und dem US-Hedgefonds Archegos Capital müssen bei der Credit Suisse zwei Vorstände gehen.

Der Schweizer Jurist Urs Rohner, einst Landeschampion im Hürdensprint, hatte von 2000 bis 2004 in Deutschland ein paar sportliche Jahre. In seiner Eigenschaft als Vorstandschef des Fernsehkonzerns ProSiebenSat1 Media rutschte er sogar bei der eigenen „Wok-WM“ in einer asiatischen Reispfanne die Piste herunter. Nach dem Ende in München ging der Manager zurück in die Heimat zur Großbank Credit Suisse – wo er zum Monatsende wenig ruhmreich als Verwaltungsratschef abtritt.

Nach heftigen Milliardenverlusten durch die Detonationen bei der Greensill Bank und dem US-Hedgefonds Archegos Capital müssen erst einmal zwei Vorstände gehen, Boni sind gestrichen. Oberaufseher Rohner selbst verzichtet auf 1,5 Millionen Franken Gehalt. Angesichts von drei Millionen „Basishonorar“ und 219.000 Franken für „Vorsorge und sonstige Leistungen“ relativiert sich die Einbuße allerdings erheblich. Anders gesagt: Rohner strauchelt an der letzten Hürde, kommt aber ins Ziel.

Und dann ist da noch Fußball-Traditionalist Schalke 04, dessen Trikots so blau sind wie die Zahlen rot – und das angesichts des bevorstehenden Abstiegs in die Zweite Bundesliga. Ihren ersten öffentlichen Auftritt als Finanzvorständin musste Christina Rühl-Hamers mit lauter Negativ-News durchstehen: Umsatz von 275 Millionen auf 175 Millionen Euro geschmolzen, Schulden von 198 Millionen auf 217 Millionen gestiegen.

Jahrelang war der Klub der Hasardeur der Branche, nun hat man irgendwo neben dem Rasen das Prinzip des ehrlichen Kaufmanns beziehungsweise der Kauffrau entdeckt. „Wir geben nur das Geld aus, das wir haben, und nicht das Geld, das wir hoffentlich in Zukunft einnehmen“, sagt Rühl-Hamers. Mit solchen Worten werden Sanierungen eingeleitet. Auch im Fußball gilt ein Wort des Verlegers Bertie Charles Forbes: „Wenn du dein Unternehmen nicht antreibst, wird der Markt dich und dein Unternehmen austreiben.“

Ich wünsche Ihnen einen gelungenen, vermögenserhaltenden Tag.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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