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Morning BriefingSubventionswettlauf um Zukunftsbranchen: Deutschland legt nach

Teresa Stiens 08.08.2023 - 06:00 Uhr
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Foto: Handelsblatt
Morning Briefing vom 08.08.2023

Angelockt: Staat holt Chipkonzern nach Dresden / Abgeschreckt: Greentech-Start-ups wandern aus

08.08.2023
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es drängt sich der Eindruck auf, dass in diesen Monaten eine große Schicksalsfrage entschieden wird: Welche Zukunftsbranchen kann Deutschland halten?

Das hat auch die Bundesregierung erkannt – und gibt enorme Summen dafür aus, die Hersteller der wichtigen Halbleiter nach Ostdeutschland zu holen. Nach Handelsblatt-Informationen ist die Ansiedlung des taiwanesischen Chipkonzerns TSMC mit einem Werk in Dresden weitgehend beschlossene Sache. Heute tritt der Vorstand des Unternehmens in der Causa zusammen.

Der Bund wird den Fabrikbau laut Regierungskreisen mit fünf Milliarden Euro unterstützen – finanziert aus dem Klima- und Transformationsfonds des Bundes. Im Gegenzug hat TSMC nach Handelsblatt-Informationen zugesagt, circa zehn Milliarden Euro in Dresden zu investieren.

Das Ziel, ein eigenes Halbleiter-Ökosystem in Deutschland aufzubauen, lässt sich die Politik einiges kosten. Intel kassierte für seine Investitionen in Magdeburg 9,9 Milliarden Euro vom Staat, Wolfspeed bekommt eine halbe Milliarde Euro für ein kleineres Werk im Saarland.

Gigantische Summen der öffentlichen Hand also für einen einzigen Industriezweig. Die massive Förderung hängt wohl vor allem mit der Hoffnung zusammen, die Produktion der Schlüsseltechnologie so nah wie möglich bei sich zu haben. Für den Fall, dass die Lieferketten mal wieder durch einen Krieg, eine Pandemie oder eine ähnliche Katastrophe unterbrochen werden.

TSMC: Der weltgrößte Auftragsfertiger der Chipindustrie kommt nun auch nach Dresden.

Foto: Future Publishing/Getty Images

Aus Sicht von Branchenvertretern müsste allerdings noch deutlich mehr Geld fließen, um die Halbleiterindustrie wirklich zu überzeugen. Dass die EU 43 Milliarden Euro ausgeben will, um die heimische Mikrochip-Produktion zu fördern, hält der CEO des Chipzulieferers AT&S, Andreas Gerstenmayer, für viel zu wenig. Seine Forderung: „Wir müssen noch eine Null hinten dranhängen, damit wir mit dem Rest der Welt mithalten können.“

Doch nicht nur bei der Halbleiterproduktion stellt sich momentan die große Standortfrage. Die USA werben mit ihrem Subventionsprogramm Inflation Reduction Act um sogenannte „Greentech-Start-ups“ – Jungunternehmen, die mit ihrer Technologie einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten wollen.

Das deutsche Start-up Marvel Fusion verspricht, mithilfe von Kernfusion Energie zu produzieren, die klimafreundlich ist und mit sehr wenig Atommüll auskommt. Jetzt haben sich die Münchener dazu entschieden, eine Demonstrationsanlage im US-Bundesstaat Colorado aufzubauen. Lesen Sie dazu hier das Interview mit COO Heike Freund.

Man gehe den Schritt nach Nordamerika, weil es aus Europa kaum Interesse gegeben habe, heißt es bei Marvel. Damit ist das Kernfusions-Start-up nicht allein. Immer mehr europäische Greentech-Unternehmen investieren in den USA.

BASF, SAP, Bayer und zuletzt Siemens Energy – mehrere Dax-Unternehmen haben in den vergangenen Wochen unterschiedlich drastische Gewinnwarnungen veröffentlicht. Eigentlich bedeuten sinkende Umsatz- und Gewinnerwartungen auch sinkende Aktienkurse. Doch selbst wenn Unternehmen Schreckensnachrichten verbreiten, können sich für Anleger ungeahnte Chancen bieten.

Welche Unternehmenskennzahlen Sie bei der Anlage im Blick behalten müssen, was das Management mit dem Kurspotenzial zu tun hat und welche Konzerne trotz Gewinnwarnung Rendite versprechen, hat Handelsblatt-Börsenexperte Ulf Sommer analysiert.

Lange gab es für Immobilienpreise in Deutschland nur eine Richtung: Nach oben. Erst Ende vergangenen Jahres zeigte sich eine Trendumkehr und der Hauspreisindex in Deutschland begann nach langer Zeit wieder zu sinken. Doch handelte es sich bei den hohen Preisen wirklich um marktgerechte Bewertungen? Oder bildete sich eine Blase, die irgendwann zu platzen droht? Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch warnt im Interview mit dem Handelsblatt: „Die Preise in Deutschland haben etwas nachgelassen, aber viele Immobilien sind immer noch überbewertet.“

Natürlich werden bei diesen Worten Erinnerungen wach an die Immobilienkrise in den USA 2008, die schlussendlich die Weltfinanzkrise zur Folge hatte. Doch Buch beruhigt angesichts eines solchen Szenarios vorerst: „Positiv ist, dass die Lage am Arbeitsmarkt stabil ist. Die meisten Haushalte sind somit weiter kreditwürdig und können ihre Immobiliendarlehen bedienen.“

Angespannter sei die Lage hingegen auf dem US-Markt für Gewerbeimmobilien. Es bestehe das Risiko, dass auch auf dem deutschen und europäischen Markt der Druck steigen könne.

Es könnte sein, dass sich neben der Abkürzung KI für künstliche Intelligenz bald auch die Abkürzung KD etabliert – für künstliche Demenz. Die jedenfalls scheint das Sprachmodell ChatGPT an den Tag zu legen, wie eine wissenschaftliche Studie der Eliteuniversitäten Stanford und Berkeley nahelegt.

Das Ergebnis der Untersuchungen: ChatGPT gibt weniger kluge Antworten als noch im Frühjahr. Mathematische Probleme zu lösen, sensible Fragen zu beantworten, Programmcodes zu schreiben und visuelle Denkaufgaben zu bearbeiten, schien der Software im Juni wesentlich schwerer zu fallen als im März. Woran das liegt und wieso der Befund der Tech-Welt Sorgen bereitet, haben meine Kollegen in den USA zusammengefasst.

Mark Zuckerberg und Elon Musk: Die beiden Tech-Milliardäre wollen öffentlich kämpfen.

Foto: AP

Zum Abschluss noch einen Blick auf die Welt jenseits der seriösen Nachrichten. Die Tech-Milliardäre Elon Musk und Mark Zuckerberg kündigen seit Wochen an, sich öffentlich in der Kampfdisziplin Mixed Martial Arts duellieren zu wollen. Zuckerberg gab jetzt bekannt, er habe für den Kampf den 26. August vorgeschlagen. Ob es dazu kommt, ist allerdings noch unklar.

Für mich zeigt dieses Gehabe der beiden Milliardäre, was passiert, wenn Infantilität auf zu viel Reichtum trifft. Früher nannte man solche handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen zwei Lausbuben übrigens „Rangeln“. Als Belohnung für den Gewinner lockte die Macht über das Fernsehprogramm und ein Glas Limonade.

Vielleicht sollte man Musk und Zuckerberg auch einfach für eine Stunde auf dem Sofa alleine lassen, wo sie um die Fernbedienung rangeln. Danach können sie sich dann wieder den wichtigen Dingen widmen: milliardenschwere Unternehmen mit tausenden Mitarbeitern zu führen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag, an dem Sie die richtigen Prioritäten setzen.

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Herzliche Grüße
Ihre

Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

PS: Die Ampelkoalition will mithilfe einer Aktienrente der Finanzierungslücke bei der gesetzlichen Rentenversicherung entgegenwirken. Nun will der Bund ab dem kommenden Jahr zwölf statt der ursprünglich geplanten zehn Milliarden Euro in das sogenannte Generationenkapital einzahlen. Das Geld soll dann am Kapitalmarkt angelegt werden. Uns interessiert: Was halten Sie grundsätzlich von der Reform? Ist das Generationenkapital erfolgsversprechend oder eine riskante Wette auf dem Finanzmarkt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an forum@handelsblatt.com. Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.

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