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CoronakriseZehntausende Erntehelfer sollen nach Deutschland einfliegen

Die Bundesregierung lockert die Einreisebeschränkungen für Saisonarbeiter – unter strengen Auflagen. Doch das wird nicht reichen. Auch aus dem Inland sind 10.000 Erntehelfer nötig.Silke Kersting, Frank Specht 04.04.2020 - 11:52 Uhr aktualisiert

Bis Ende Mai benötigt die Landwirtschaft etwa 100.000 Saisonkräfte – bis zu 40.000 dürfen aus dem Ausland einreisen.

Foto: imago images/Jörg Halisch

Berlin. Ohne die sonst üblichen Saisonarbeiter sei zwar nicht die Lebensmittelversorgung in Deutschland gefährdet, wohl aber könne es zu Lücken und Ausfällen bei Obst und Gemüse kommen, hatte Bauernpräsident Joachim Rukwied jüngst im Handelsblatt gewarnt.

Nun reagiert die Bundesregierung auf die Sorgen der Landwirte und lockert die strengen Einreisebestimmungen für Saisonkräfte, die seit dem 25. März gelten. Im April und im Mai werde jeweils bis zu 40.000 Saisonarbeitern die Einreise ermöglicht, teilten Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag mit.

Um lange Busreisen quer durch Europa zu vermeiden, sollen die Helfer allerdings ausschließlich per Flugzeug anreisen. Die Bundespolizei legt in Abstimmung mit den Bauerverbänden die entsprechenden Flughäfen fest, von denen die Arbeitnehmer dann durch den jeweiligen landwirtschaftlichen Betrieb abgeholt werden.

Für neu eingereiste Saisonkräfte veranlasst der Arbeitgeber einen Gesundheitscheck. Zudem müssen sie in den ersten 14 Tagen getrennt von den übrigen Beschäftigten leben und arbeiten. Die Erntehelfer sollen in kleinen, möglichst gleichbleibenden Gruppen von maximal 20 Personen arbeiten, in Unterkünften darf maximal die Hälfte der Plätze belegt werden.

„Heute ist es uns gelungen, einen Weg zu finden, den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und die Sicherung der Ernten miteinander in Einklang zu bringen“, sagte Seehofer. Klöckner sprach von einer wichtigen und guten Nachricht für die Bauern: „Denn die Ernte wartet nicht, auch Aussaaten kann man nicht verschieben.“ Das Robert Koch-Institut habe Regeln für Einsatz und Unterbringung der Saisonarbeiter festgelegt, die vor Ort streng kontrolliert werden müssten.

Wie praktikabel die Regelungen am Ende sind, muss sich noch zeigen. So ist beispielsweise der Flugverkehr weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Anreise von Erntehelfern muss unter Umständen mit Charterflügen organisiert werden.

Laut der beiden Ministerien waren bis zum aktuellen Einreisestopp vor gut einer Woche rund 20.000 Arbeitskräfte nach Deutschland eingereist. Mit dem Sozialschutz-Paket haben Bundesregierung und Parlament bereits die maximale Beschäftigungsdauer von 70 auf 115 Tage angehoben.

Bis Ende Mai würden aber insgesamt etwa 100.000 Saisonarbeiter in der Landwirtschaft benötigt, teilten Seehofer und Klöckner mit. Deshalb strebt die Bundesregierung an, neben den ausländischen Saisonkräften für April und Mai jeweils zusätzlich rund 10.000 Personen aus inländischem Potenzial zu gewinnen.

Dabei geht es etwa um Arbeitslose, Studierende, Asylbewerber oder auch Kurzarbeiter, die ihr Kurzarbeitergeld bis zur Höhe des früheren Nettoverdienstes mit einer Tätigkeit in der Landwirtschaft aufstocken können.

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Die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Gitta Connemann (CDU), lobte die Entscheidung der Bundesregierung als „starkes Signal an unsere Saisonbetriebe. Ihre zum Teil existenziellen Nöte wurden gesehen.“

Zwar habe die Regierungskoalition schon viel gegen Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft getan, etwa mit den gelockerten Hinzuverdienstgrenzen bei der Kurzarbeit. „Aber die ersten Erfahrungen waren ernüchternd. Denn die Fachlichkeit und Härte der Arbeit auf dem Feld und im Forst wurden zum Teil unterschätzt“, sagte Connemann.

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