Erste Runde zur Kür des CDU-Chefs: Merz, Laschet und Röttgen treffen erstmals bei Rederunde aufeinander – Rennen dürfte knapp werden
Zwischen Merz, Röttgen und Laschet (v. l.) zeichnet sich kein Kandidat ab, der den anderen in den Umfragen davonziehen kann.
Foto: dpaBerlin. Die CDU wählt einen neuen Parteivorsitzenden – und kaum einen interessiert es. Was in normalen Zeiten Titelseiten und Talkshows gefüllt hätte, kommt als Programm derzeit im Sender für Politikfeinschmecker Phoenix.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen saßen sich am Montagabend an einem großen Tisch unter dem Hashtag „#CDUVorsitz: Die Kandidatenrunde“ gegenüber. Heraus kam eine den unruhigen Corona-Zeiten angemessene und vornehme Rangelei. Drei Herren im konservativen Kammerton.
Jeweils 90 Sekunden Zeit räumte ihnen die Moderatorin ein, um sich vorzustellen und zu erklären, warum ausgerechnet sie künftig die CDU führen sollten. Merz sagte, er wolle die Führung der CDU voller Motivation und Energie übernehmen – und forderte eine ökologische Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft und einen neuen Generationenvertrag ein.
Röttgen betonte, er bringe „eine ordentliche Ausbildung, Erfahrung in Sieg und Niederlage“ mit – seine Niederlage bei der NRW-Landtagswahl 2012 ließ er unerwähnt. Laschet verwies auf sein christliches Menschenbild und die Notwendigkeit einer werteorientierten Politik. Die CDU habe mit ihm Nordrhein-Westfalen 2017 „in einer großen Gemeinschaftsleistung“ von der SPD zurückgewonnen. Er sei Europäer und Teamplayer.
Anders als in den Vorwahlkämpfen in den USA, in denen dicke Geschütze aufgefahren werden, war an diesem Punkt der Sendung schon klar: Heute Abend würde keiner der drei Kandidaten Gräben aufreißen. Im Gegenteil: Fast schon kollegial wurde darüber gewitzelt, wer denn schon wie viele Enkelkinder habe.
Dass einige kürzlich in Friedrich Merz einen Wiedergänger Donald Trumps im Sauerland entdeckt haben wollten, war ohnehin abwegig. Merz verhielt sich für seine Verhältnisse zahm – und auch die beiden anderen CDU-Männer hatten sich offenbar kurz vor Weihnachten vorgenommen, die Basis nicht mehr zu verschrecken.
Eine versöhnliche Geste gab es schon vorher. Alle drei Kandidaten hatten sich in die Hand versprochen, das Ergebnis des digitalen Wahlparteitags am 15. und 16. Januar anzuerkennen. Zwar wollte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther den Termin noch mal verschieben. Doch Günther gilt in Teilen der Partei inzwischen als wandelnde Mindermeinung. Präsidium und Vorstand war es in ihren Sitzungen am Montag keine wirkliche Debatte wert.
Vakuum nach Angela Merkel
So versuchen die Christdemokraten, zumindest personell das Vakuum in der Partei zu füllen, das Angela Merkel hinterlassen hat. Die noch amtierende CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer war in ihrem Amt nie ganz angekommen. Die Kanzlerin erlebt in der Coronakrise dagegen einen unerwarteten Wiederaufstieg. Die Debatte über eine fünfte Amtszeit Merkels will nicht gänzlich verstummen.
Zwischen Merz, Laschet und Röttgen zeichnet sich kein Kandidat ab, der den anderen in den Umfragen davonziehen könnte. Zwar kann der frühere Umweltminister Röttgen schon jetzt einen Achtungserfolg für sich verbuchen: Je länger das Kandidatenrennen läuft, desto mehr gewinnt er an Statur. Aber ein Sieg bei den 1001 Delegierten gilt aus ausgeschlossen.
Die Debatte über eine fünfte Amtszeit Merkels will nicht gänzlich verstummen.
Foto: AFPParteistrategen gehen davon aus, dass das Rennen zwischen Laschet und Merz ähnlich knapp ausgeht wie in Hamburg zwischen Merz und Kramp-Karrenbauer. Das ist auch gleichzeitig die Befürchtung in der Partei. Die Angst vor einer Spaltung im wichtigen Wahljahr treibt die Parteivorderen und Wahlkämpfer um.
Ein weißer Elefant steht zudem immer im Raum: Markus Söder. Grünen-Chef Robert Habeck fand zwar kürzlich eine andere zoologische Zuordnung und bezeichnete ihn scherzhaft als „Kamel“. Der Grüne und der Franke loteten in einem Doppelinterview aber auch schon mal eine schwarz-grüne Koalition aus – auch wenn es für Koalitionsverhandlungen viel zu früh ist.
Bei der Frauenquote schert Merz aus
Es zeigt, wie selbstbewusst – bis hin zur Selbstüberschätzung – der CSU-Chef agiert. Bei den CDU-Kandidaten setzte sofort eine Absetzbewegung ein. Armin Laschet warnte am Montagabend davor, bei der nächsten Bundestagswahl nur auf die Grünen als möglichen Koalitionspartner zu schauen.
Er würde sich eine „breitere Koalition“ wünschen, sagte er und wies darauf hin, dass er in NRW zusammen mit der FDP regiere. „Das ist eigentlich ein Partner, der uns besonders nahesteht.“ Ähnlich wie Laschet verlangte auch Röttgen einen eigenständigen Wahlkampf der CDU. Merz betonte, die CDU müsse ihr eigenes Profil haben. „Und wir müssen dafür sorgen, dass sich in allen politischen Themen die anderen politischen Parteien an uns messen und wir uns nicht an denen“, sagte er.
Merz findet es besser, wenn die CDU mehr Frauen als Mitglieder bekäme anstatt eine Frauenquote.
Foto: dpaImmerhin: Bei der Frauenquote scherte Merz aus der Dreieinigkeit etwas aus. Angesprochen auf den niedrigen Frauenanteil in der CDU erklärte Laschet, die nächste Bundesregierung müsse paritätisch aus Männern und Frauen besetzt sein. Aus Röttgens Sicht braucht die Partei eine Kultur und Kulturveränderung, „in der Frauen gern in der CDU mitmachen“. Merz nannte dagegen eine Frauenquote die „zweitbeste Lösung“. Besser wäre es, wenn die CDU mehr Frauen als Mitglieder bekäme.
Aus Sicht von Markus Söder wurde an diesem Abend aber auch klar: Weder Laschet noch Merz werden ihm den Vorsitz bei der Kanzlerkandidatur überlassen. Das wäre nur denkbar, wenn Röttgen siegen würde oder Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sein Bündnis mit Laschet aufkündigen und selbst antreten würde. Damit rechnet jedoch in der Partei niemand mehr.