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GewerkschaftsbundErste Frau an der Spitze: Yasmin Fahimi soll neue DGB-Vorsitzende werden

Die Ex-Generalsekretärin der SPD soll Reiner Hoffmann an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbunds beerben. Sie setzte sich gegen einen zweiten Kandidaten durch.Frank Specht 26.01.2022 - 16:02 Uhr Artikel anhören

Den acht Einzelgewerkschaften gehören zusammen knapp sechs Millionen Mitglieder an.

Foto: imago images/Andre Germar

Berlin. Das Wunschprofil stand lange fest. Eine Gewerkschafterin sollte es sein, die sich mit arbeitsmarktpolitischen Themen ebenso auskennt wie mit der Transformation der Industrie; die im Idealfall politisch gut vernetzt ist und nicht nur bei Kundgebungen zum 1. Mai kämpferisch auftreten, sondern auch in Talkshows eine gute Figur abgeben kann.

Doch über Monate tat sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schwer, eine Kandidatin zu finden, die diesem Profil entspricht. Und die den Job auch wollte, der zu vergeben war. Nun steht fest, dass die SPD-Politikerin Yasmin Fahimi an die Spitze des Dachverbands mit seinen acht Einzelgewerkschaften treten soll. Erstmals in der DGB-Geschichte würde damit eine Frau zur politischen Stimme der rund 5,9 Millionen Mitglieder.

Den Personalvorschlag für die Nachfolge von Reiner Hoffmann, der sich beim Bundeskongress im Mai in den Ruhestand verabschiedet, hat der DGB-Bundesvorstand am Mittwoch einstimmig unterbreitet. Das letzte Wort haben die Delegierten im Mai.

Mit Fahimi führt dann künftig die Lebensgefährtin eines Mannes den Gewerkschaftsbund, der selbst kurz für den Topjob im Gespräch war: Michael Vassiliadis. Doch der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) fand keine einhellige Zustimmung unter den Chefs der Einzelgewerkschaften. Aus Sicht von Verdi stand der für seine Konsenskultur bekannte und im pragmatisch-konservativeren SPD-Milieu verankerte Vassiliadis zu weit „rechts“.

Fahimis Herz schlägt dagegen links, in ihrer Jugend gehörte sie in Hannover der marxistischen Juso-Linken an. Sie dürfte damit der traditionell eher linken Verdi-Anhängerschaft leichter zu vermitteln sein.

Vassiliadis fand keine Mehrheit

Mit der Nominierung geht ein quälend langer Suchprozess zu Ende. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, dessen Gewerkschaft das Vorschlagsrecht zukam, hätte gern seine Stellvertreterin Christiane Benner auf dem DGB-Chefposten gesehen. Doch die möchte im kommenden Jahr lieber Hofmann als Chef der größten deutschen Einzelgewerkschaft beerben und lehnte dankend ab.

Weil es nicht vorwärtsging, stellte sich auf Hofmanns Vorschlag hin schließlich der mit der Nachfolgersuche betraute Vassiliadis selbst zur Verfügung – fand aber, wie gesagt, keine Mehrheit. Schließlich schlug Hofmann dann Fahimi vor, aber auch den Leiter des Bereichs Grundsatzfragen und Gesellschaftspolitik bei der IG Metall und früheren Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Thorben Albrecht. Während die Chefs von IG Metall und Verdi Albrecht favorisierten, sprachen sich die übrigen sechs für Fahimi aus.

Die 54-jährige Diplom-Chemikerin begann ihre berufliche Laufbahn bei der IG BCE, wo sie zuletzt die Grundsatzabteilung leitete – und Vassiliadis kennenlernte. Anfang 2014 wurde sie Generalsekretärin der SPD und folgte damit Andrea Nahles nach, nachdem diese Bundesarbeitsministerin geworden war. An den Job wird Fahimi nicht gern zurückdenken, das Verhältnis zum damaligen Parteichef Sigmar Gabriel war konfliktgeladen, das böse Wort von der „Fehlbesetzung“ machte die Runde.

Deshalb zögerte Fahimi auch nicht lange, das Parteiamt gegen den Posten einer beamteten Staatssekretärin im Arbeitsministerium einzutauschen, den Nahles ihr angeboten hatte. Knapp zwei Jahre lang kümmerte sie sich in ihrem großzügigen Büro in der Berliner Wilhelmstraße um gewerkschaftliche Kernanliegen wie den Mindestlohn oder die Rentenreformen – und arbeitete Seite an Seite mit Thorben Albrecht, der ihr jetzt den Vortritt lassen muss.

Bei der Bundestagswahl 2017 bewarb sich Fahimi erfolgreich um eines der zwei Direktmandate in ihrer Heimatstadt Hannover, das sie bei der Wahl im vergangenen Jahr erneut gewann. Parlamentarisch hat sie sich in der Bildungs- und Forschungspolitik ebenso engagiert wie in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

Eine breite Mehrheit ist wahrscheinlich

So war sie beispielsweise Obfrau der SPD-Fraktion in der Enquetekommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ – ein Thema, das angesichts der Transformation auch für die Gewerkschaften immer wichtiger wird. In den Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP verhandelte sie das Kapitel Arbeit mit.

Eine breite Mehrheit für die designierte DGB-Chefin auf dem Bundeskongress am 22. Mai ist wahrscheinlich. „Mit Yasmin Fahimi gewinnen wir eine ausgesprochene Arbeitsmarkt- und Ausbildungsexpertin, die über langjährige Erfahrungen in den Gewerkschaften verfügt“, teilte der Bundesvorstand angesichts der Nominierung mit.

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Aus der IG BCE hieß es, Fahimi sei „die richtige Kandidatin zur richtigen Zeit“. Man habe eine Gewerkschafterin „mit Herz, Verstand und großer Erfahrung“ gewinnen können, die bundespolitisch bestens vernetzt und eine partei- wie branchenübergreifend anerkannte Arbeitsmarktexpertin sei.

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