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Shell Jugendstudie„Generation rechts“ – mehr Mythos als Wirklichkeit

Stimmt die Diagnose von einem „Rechtsruck“ unter Jungwählern? Eine repräsentative Langzeitstudie kommt jetzt zu einem anderen Ergebnis und zeigt was junge Menschen wirklich beschäftigt.Jan Lutz 15.10.2024 - 18:34 Uhr Artikel anhören
Präsentation der Shell-Jugendstudie am Dienstag in Berlin: Mathias Albert (links), Hauptautor der Studie, und Familienministerin Lisa Paus. Foto: IMAGO/Christian Marquardt

Berlin. Junge Menschen ordnen sich überwiegend im linken Parteienspektrum und in der politischen Mitte ein. Das geht aus der neuen Shell- Jugendstudie hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Für die repräsentative Erhebung wurden im Zeitraum von Januar bis März 2024 insgesamt 2509 Jugendliche im Alter von zwölf bis 25 Jahren in Deutschland befragt.

Mit 32 Prozentpunkten ordnete sich der Großteil der Befragten als „eher links“ ein, zur Mitte zählten sich 26 Prozent. Lediglich vier Prozent bezeichnen sich als „rechts“, 14 Prozent als „eher rechts“. Den Autoren zufolge ist der Anteil der jungen Männer in dieser Gruppe in den letzten Jahren gestiegen, bei Frauen ist er hingegen konstant geblieben.

Die Ergebnisse deuten außerdem auf ein gestiegenes Interesse für Politik generell hin (55 Prozent). Bei Frauen habe der Anteil derjenigen, die sich für Politik interessieren, in den letzten Jahren stark zugenommen. „Politik ist nicht mehr vorwiegend Männersache“, schreiben die Autoren.

Darüber hinaus deuten die Zahlen auf ein Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und staatlichen Institutionen hin: Drei von vier befragten Jugendlichen in Westdeutschland geben an, mit der Demokratie eher oder sogar sehr zufrieden zu sein. In Ostdeutschland fällt die Zustimmung geringer aus.

Hauptautor moniert „unsägliche Generationenlabels“

Die Ergebnisse der Studie stehen im Widerspruch zu Analysen und Studien der vergangenen Monate, in denen häufig die Rede von einem „Rechtsruck“ der Jugend war. Auch das Handelsblatt hatte darüber berichtet.

Beispiel Europawahl: Laut einer Umfrage von Infratest Dimap war die Alternative für Deutschland (AfD) bei Menschen zwischen 16 und 24 Jahren dort mit 16 Prozent die zweitstärkste Partei, nur die Union erhielt mehr Stimmen (17 Prozent). Und auch bei den Wahlen in Ostdeutschland gewann die AfD bei der jungen Generation an Zustimmung.

Der Hauptautor der Studie, Mathias Albert, sagte Zeit Online: „Im Vergleich zu vor fünf Jahren geben deutlich mehr Jugendliche an, rechts oder eher rechts zu sein.“ Stelle man die Ergebnisse allerdings den Erhebungszeiträumen 2015, 2010 und 2006 gegenüber, sei „fast gar kein Anstieg“ zu beobachten. Das sei der Vorteil der „langfristig angelegten Trendstudie“ im Gegensatz zu einer „Momentaufnahme“.

Die Alternative für Deutschland (AfD) bekommt inzwischen von vielen jungen Menschen Zustimmung. Foto: dpa

Die Wahlergebnisse bereiteten ihm Sorgen, sagte Albert. Gleichzeitig sei das Bild von der Jugend in Deutschland stark verzerrt. Die heutige Jugend sei „pragmatisch, weltoffen“ und habe ein „sehr positives Zukunftsbild“.

Der Studienautor moniert unter anderem seiner Ansicht nach „unsägliche Generationenlabels“, die sich auf ein akademisches Milieu bezögen, die meisten Jugendlichen aber außer Acht ließen. Das zeige sich etwa am relativ großen Anteil an jungen Frauen und Männern, denen Reizthemen wie Gendern – im Gegensatz zur landläufigen Meinung – „vollkommen egal“ seien.

Auch die weitverbreitete Behauptung, dass junge Menschen keine Überstunden mehr machen wollten, sei ein „Klischee“, das sich in den Daten nicht widerspiegele.

Angst vor Ausländerfeindlichkeit größer als Angst vor Zuwanderung

Ein Anzeichen dafür, dass das Etikett „Generation rechts“ eher Mythos als Wirklichkeit ist: Die Angst vor Zuwanderung nahm der Studie zufolge verglichen mit der letzten Befragung kaum zu. 2019 gaben 33 Prozent der Jugendlichen an, sich vor Zuwanderung zu fürchten, 2024 waren es 34 Prozent. Weitaus verbreiteter ist Angst vor Ausländerfeindlichkeit, mehr als die Hälfte (58 Prozent) äußerten sich entsprechend.

Allerdings ermittelten die Studienautoren, dass sich autoritäre Denkmuster bei Jugendlichen häufen. 44 Prozent können der Aussage „Eine starke Hand müsste mal wieder Ordnung in unseren Staat bringen“ etwas abgewinnen. Das ist mit plus elf Prozentpunkten ein deutlicher Anstieg gegenüber 2019, nur 2006 lag der Anteil noch etwas höher. Männer, Ostdeutsche, Jugendliche mit geringer Bildung sowie junge Menschen ohne deutschen Pass teilten diese Auffassung besonders häufig.

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Nahezu bei allen Befragten löste die Lage in der Ukraine und die Sorge vor einem Krieg in Europa Ängste aus. „Die Angst vor einem Krieg in Europa (81 Prozent) sowie die Sorge um die wirtschaftliche Lage und möglicherweise steigende Armut (67 Prozent) sind im Jahr 2024 bei den Jugendlichen an die Spitze der 14 abgefragten Ängste gerückt“, heißt es in der Studie.

Nach wie vor wichtig sind auch die Themen Klimawandel und Umweltverschmutzung. Hier sei allerdings der Anteil der Personen, denen diese globalen Krisen Angst machten, verglichen mit 2019 spürbar zurückgegangen.

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