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US-ZölleSüdostasien sucht nach Alternativen zum US-Geschäft

Die Asean-Staaten gehören zu den wichtigsten Lieferanten der US-Wirtschaft. Doch wegen der Zölle von Präsident Trump orientieren sie sich um – nach China. Auch die EU will mitmischen.Mathias Peer 26.05.2025 - 15:43 Uhr Artikel anhören
Anwar Ibrahim und Ferdinand Marcos Jr.: Der Premierminister Malaysias und der philippinische Präsident beim Treffen in Kuala Lumpur. Foto: AP

Bangkok. Die asiatischen Handelspartner der USA reagieren auf die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und richten ihre internationalen Beziehungen neu aus. Die Länder der südostasiatischen Staatengruppe Asean wollen dabei vor allem die Beziehungen zu China und den Golfstaaten intensivieren. Doch auch die Europäische Union (EU) sieht Chancen in der Wachstumsregion.

Hochrangige Vertreter der Asean-Staaten halten aktuell ein zweitägiges Spitzentreffen in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur ab. Zu dem Staatenbund gehören unter anderem Malaysia, Indonesien, Thailand, Vietnam, Singapur, Kambodscha und die Philippinen.

Malaysias Regierungschef Anwar Ibrahim ist aktuell Vorsitzender des Staatenbunds. Er betonte zum Auftakt des Treffens die Brisanz der Lage. „Derzeit vollzieht sich ein Wandel in der geopolitischen Ordnung, und das globale Handelssystem gerät durch die jüngste Einführung einseitiger US-Zölle noch stärker unter Druck“, sagte Anwar laut Redetext am Montag. Dass die Asean-Staaten im Rahmen der Veranstaltung erstmals ein gemeinsames Treffen mit China und dem Golfkooperationsrat ausrichteten, demonstriere den Willen der Region, „ihre Partnerschaften auszuweiten und mit strategischer Klarheit zu handeln“, fügte Anwar hinzu.

Die Asean-Länder fürchten massive wirtschaftliche Schäden durch Trumps Zölle. Vietnam, das im vergangenen Jahr Waren im Wert von mehr als 130 Milliarden Dollar in die Vereinigten Staaten geliefert hat, droht ab Juli ein Zoll von 46 Prozent. Den kleineren Asean-Staaten Laos und Kambodscha drohte der US-Präsident mit 48 und 49 Prozent sogar mit noch höheren Aufschlägen.

Asean will sich besser gegen externe Schocks schützen

Die Länder sehen Trumps Ankündigungen als Weckruf, sich nicht mehr so sehr auf die USA zu verlassen wie bisher. „Die Asean-Staaten gehören zu den Ländern, die am stärksten von den US-Zöllen betroffen sind“, sagte Malaysias Außenminister Mohamad Hasan. „Wir müssen die Gelegenheit nutzen, die regionale Wirtschaftsintegration zu vertiefen, um unsere Region besser vor externen Schocks zu schützen.“

Im vergangenen Jahr exportierten die Asean-Staaten Waren im Wert von mehr als 350 Milliarden Dollar in die USA. Die Staatengruppe gehört damit hinter der EU, Mexiko, China und Kanada zu den wichtigsten Lieferanten der US-Wirtschaft. Mehrere Asean-Länder sprechen derzeit bilateral mit den USA über Handelsabkommen, um geringere Zollsätze auszuhandeln. Malaysias Regierungschef Anwar teilte mit, er habe Trump auch um die Organisation eines USA-Asean-Gipfels gebeten – bisher habe die US-Regierung aber nicht geantwortet.

China

Xi Jinping sucht in den südlichen Nachbarländern nach Verbündeten im Handelskrieg mit den USA

China hingegen nutzt die Verunsicherung seiner Nachbarländer über die künftigen Handelsbeziehungen mit den USA und zeigt mehr Präsenz. Staatspräsident Xi Jinping reiste im April nach Vietnam, Malaysia und Kambodscha. Zum Treffen mit den Asean-Staaten am Dienstag schickt er nun Regierungschef Li Qiang.

Bei der Veranstaltung, zu der auch die Golfstaaten Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate eingeladen sind, will sich China als verlässliche Alternative zu den USA in Szene setzen. Die Regierung in Peking teilte mit, sie freue sich auf die Zusammenarbeit mit den Ländern, „um das multilaterale Handelssystem aufrechtzuerhalten und die gemeinsamen Interessen des globalen Südens zu schützen“.

Bereits in der vergangenen Woche hatten China und die Asean-Staaten  ihre Verhandlungen über eine Ausweitung ihrer Freihandelszone abgeschlossen. Die neue Fassung des Abkommens soll laut dem chinesischen Handelsministerium nun auch die digitale Wirtschaft und grüne Technologien einbeziehen und „mehr Sicherheit in den regionalen und globalen Handel bringen“. Der Pakt werde zudem „die tiefe Integration der Produktions- und Lieferketten beider Seiten fördern“.

Macron wirbt für engere Partnerschaft mit Europa

Unterdessen versucht auch die EU, engere Beziehungen zu den südostasiatischen Staaten aufzubauen. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic versprach bei einem Besuch in Singapur Anfang des Monats, die seit Jahren stockenden Freihandelsgespräche mit der Region angesichts der volatilen US-Handelspolitik zu intensivieren. „Ich möchte betonen, dass wir im heutigen geopolitischen Kontext darauf achten, dass die EU nicht alles auf eine Karte setzt“, sagte er. „Auf bilateraler Ebene beschleunigen wir die Verhandlungen mit Indonesien, den Philippinen, Thailand und Malaysia.“

Freihandel

Nach dem Zollschock von Trump erwägt EU den Technologietransfer aus China

Für eine engere Partnerschaft der Region mit Europa will diese Woche auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werben. Er startete seinen Südostasienbesuch am Montag in Vietnam, von wo er weiter nach Indonesien und Singapur reisen wird. „Mit Frankreich haben Sie einen vertrauten, sicheren und zuverlässigen Freund – und in der Zeit, in der wir leben, ist dies allein schon von großem Wert“, sagte Macron bei einem Treffen mit To Lam, dem Chef der Kommunistischen Partei Vietnams.

Vietnam und Frankreich wollen unter anderem beim Thema Atomenergie zusammenarbeiten. Die Regierung in Hanoi will den steigenden Energiebedarf des Landes mit Kernkraftwerken decken. Außerdem kündigte die lokale Fluglinie Vietjet anlässlich von Macrons Besuch an, 20 Maschinen des Typs Airbus A330-900 zu bestellen.

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Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam ist seit fast fünf Jahren in Kraft. Frankreich und Vietnam werteten ihre Beziehungen im vergangenen Jahr zur „umfassenden strategischen Partnerschaft“ auf. In Hanoi zeigte sich Macron zuversichtlich, dass es bei der diplomatischen Neueinstufung nicht bleiben wird. Es gebe nun den Wunsch, „ein noch ehrgeizigeres Kapitel zu schreiben in den Beziehungen zwischen Vietnam und Frankreich und zwischen den Asean-Staaten und der Europäischen Union“.

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