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Soziales NetzwerkWie sich Twitter unter Musk verändern könnte

Twitter könnte durch die Zinsen für die fremdfinanzierte Übernahme das Geld für Investitionen fehlen. Das könnte Musks Reformstrategie gefährden.Thomas Jahn 26.04.2022 - 19:07 Uhr Artikel anhören

Der reichste Mensch der Welt will den Kurznachrichtendienst neu ausrichten.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Elon Musks Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter für 44 Milliarden Dollar ist die drittgrößte Tech-Übernahme aller Zeiten, nie zuvor gab es überhaupt eine größere fremdkapitalfinanzierte Übernahme.

Musk hat bereits Kreditzusagen über 25,5 Milliarden Dollar von einem Bankenkonsortium um Morgan Stanley eingeholt. Und auch für einen guten Teil der Restsumme wird Musk wohl Tesla-Aktien beleihen müssen.

Das Problem: Ein solcher „Leveraged Buy-out“ zieht hohe Folgekosten nach sich, die Musks Handlungsspielraum bei der Umsetzung der offenbar geplanten großen Änderungen bei Twitter stark einengen.

Der Bloomberg-Experte und frühere Investmentbanker Matt Levine zeigt das in einer Überschlagsrechnung: Twitter wird nach seiner Analyse jährlich eine Milliarde Dollar an Zinsen zahlen müssen. Damit bliebe weniger als ein Drittel des für das laufende Jahr prognostizierten Cashflows von 1,43 Milliarden Dollar für Investitionen übrig.

Twitter muss also weiterhin viel Geld verdienen, allein um die Schulden zu tragen.

Mehr Meinungsfreiheit, andere Werbung

„Freie Meinungsäußerung ist der Grundstein für eine funktionierende Demokratie“, sagte Musk in der Pressemitteilung zum Twitter-Kauf. Er ließ auch verlauten, dass er beispielsweise den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump nicht von der Plattform ausgeschlossen hätte.

Der Kurs scheint klar: Es werden in Zukunft weniger Nutzer gesperrt, Twitter wird auch radikaleren und wahrheitswidrigen Botschaften wieder eine größere Plattform bieten. Auch die von Musk versprochene größere Transparenz bei den Algorithmen zielt in eine ähnliche Richtung: Anstatt zu moderieren, legt Twitter einfach alles offen.

Das ist aus Sicht der reinen Zahlen erst mal eine gute Sache: Twitter hätte mehr Nutzer, die dort mehr Zeit verbringen und noch hitzigere Kontroversen ausfechten. Derzeit gibt es weltweit 217 Millionen Nutzer, die täglich aktiv sind.

Allerdings wird das auch Werbekunden vertreiben. Chanel, Hugo Boss oder Mercedes schalten ihre Anzeigen für Parfüm, Anzüge und Luxusautos nicht gern neben Falschaussagen zur Coronapandemie und rechtsradikaler Hetze.

Twitter hat im Jahr 2021 rund 4,5 Milliarden Dollar mit Werbung erlöst – 85 Prozent davon kommen aus der Markenwerbung. „Marken werden sich des Reputationsrisikos durch riskante Inhalte oder Falschinformationen immer bewusster und schichten Marketingausgaben in sichere Kanäle um“, sagt Kelsey Chickering, Analystin von Forrester.

Mehr Direktwerbung und Abo-Modelle

Ein Ausweg für Musks Twitter könnte es dann sein, an den hinzugewonnenen Nutzern über Direktwerbung zu verdienen. Hier zahlen Werbekunden nicht für die Zahl der Nutzer, denen eine Werbung angezeigt wird, sondern für die Nutzer, die den Werbelink tatsächlich anklicken. Für diese Werbung zahlen die Kunden deutlich mehr Geld, das Geschäftsfeld könnte bei mehr radikaleren Nutzern und an diesen interessierten Werbekunden wachsen.

Mehr zur Übernahme von Twitter:

Aktuell erlöst Twitter darüber jedoch nur 15 Prozent des Werbebudgets, denn Direktwerbung verträgt sich kaum mit dem Kurznachrichtenmedium. Auf Twitter stehen Diskussionen und inhaltliche Interaktionen mit oft fremden Menschen im Vordergrund. Ein deutlich schlechteres Werbeumfeld für Coupon-Aktionen und Shoplinks als beispielsweise das Bildermedium Instagram, wo unmittelbar darunter und darüber Models und Influencer die Produkte in vermeintlich natürlicher Umgebung präsentieren.

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Musk könnte als weiteren Ausweg die Bezahlmodelle ausbauen, wie beispielsweise das vor knapp einem Jahr eingeführte Twitter Blue. Nutzer erhalten für drei Dollar im Monat Zusatzfunktionen, um beispielsweise Tweets besser selbst ordnen zu können.

Doch auch das rechnet sich bislang nicht. Die US-Bank Wells Fargo schätzt, dass die monatliche Gebühr bei fast sechs Dollar liegen müsste, damit sich Twitter über Nutzerbeiträge finanzieren könnte – viel zu viel Geld für einen Kurznachrichtendienst. Die Nutzerbasis würde zudem bei einem Pflichtbeitrag stark schrumpfen.

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