Elektromobilität: Batteriehersteller Northvolt sammelt 2,75 Milliarden Dollar ein und erweitert Gigafabrik in Schweden
Northvolt baut in Schweden seine erste Gigafabrik.
Foto: via REUTERSDüsseldorf. Weil die weltweite Batterienachfrage so groß ist, will der Batteriehersteller Northvolt seine in Schweden geplante Gigafabrik noch einmal erweitern. Statt wie bislang geplant auf 40 Gigawattstunden (GWh) Kapazität pro Jahr soll die Produktionsstätte im Heimatland des europäischen Start-ups auf 60 GWh ausgebaut werden.
Dafür hat das Unternehmen nun noch einmal 2,75 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt. Auch der Wolfsburger Automobilkonzern Volkswagen ist wieder mit an Bord. „Wir haben eine solide Basis von Weltklasseinvestoren und -kunden, die unsere Vision von der grünsten Batterie der Welt teilen“, sagte Northvolt-CEO Peter Carlsson am Mittwoch.
Northvolt ist der erste europäische Batteriehersteller, der eine Gigafabrik für die Produktion von Elektroautobatterien in Europa aufbaut. In den nächsten fünf Jahren sollen an zwei verschiedenen Standorten Zellen für Tausende Stromer vom Band laufen.
Die erste europäische Batteriefertigung errichtet Northvolt im schwedischen Skelleftea. Noch in diesem Jahr soll hier die Produktion starten. Bis 2030 soll die Kapazität auf 60 GWh pro Jahr steigen. Die zweite Fabrik sollte eigentlich am Volkswagen-Standort Salzgitter entstehen und 2025 in Betrieb gehen. Das vorgesehene Werk betreibt VW allerdings nun alleine, dort soll kostengünstig eine Batterie-„Einheitszelle“ für die VW-Massenmodelle gefertigt werden. Einen offiziellen Grund für das plötzliche Ende der Zusammenarbeit an dem Projekt gaben weder Volkswagen noch Northvolt an.
Die Wolfsburger sind schon länger bei den Schweden investiert. Im Juni 2019 hatte sich Volkswagen mit rund 900 Millionen Euro an Northvolt beteiligt und im Gegenzug rund 20 Prozent der Anteile sowie einen Sitz im Aufsichtsrat erhalten. In der aktuellen Finanzierungsrunde steckte der Autoriese nun noch einmal 500 Millionen Euro in das Batterie-Start-up.
Europa wird zum Batteriezentrum
Insgesamt hat Northvolt für seine Gigafabriken damit mittlerweile 6,5 Milliarden US-Dollar von seinen Investoren eingesammelt, zu denen neben Volkswagen auch Goldman Sachs zählt.
In den vergangenen zwei Jahren ist die Nachfrage nach Batteriezellen für Elektroautos regelrecht explodiert. Allein Northvolt hat Verträge mit Kunden wie VW, BMW, Scania und anderen im Wert von 27 Milliarden Dollar abgeschlossen. Der größte Auftrag kam mit 14 Milliarden Dollar von Anteilseigner Volkswagen.
Der Bau der Gigafabrik ist der erste Versuch eines europäischen Unternehmens, die Marktmacht der bislang vorwiegend asiatischen Zellhersteller zu brechen. Firmen wie CATL und BYD aus China, LG Chem aus Südkorea oder Panasonic aus Japan produzieren bislang die große Mehrheit der weltweit verkauften Batteriezellen für Elektroautos.
Mit dem bevorstehenden Boom der alternativen Antriebstechnologie steigt ihr Einfluss auf die Automobilkonzerne und dementsprechend Europas Abhängigkeit von Asien in einem der wirtschaftlich wichtigsten Sektoren.
Batterieforscher und andere Experten mahnen seit Jahren, dass Deutschland eigene Zellfertigungen brauche, um die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern zu verringern. Eine Zellfertigung in Deutschland oder Europa galt jedoch lange als zu teuer und der Vorsprung der asiatischen Hersteller als schwer aufholbar.
Produktion in Europa ist heute viel günstiger
Aber die Produktionskosten für Batteriezellen sind in den vergangenen Jahren radikal gesunken, und die Bereitschaft der Europäer, auch in eine eigene Fertigung zu investieren, steigt mit der Anzahl der verkauften Elektroautos spürbar. Immer mehr Unternehmen tun sich mit Hoffnung auf Milliardenförderungen aus Brüssel und Berlin für den Aufbau einer Zellfertigung in Europa zusammen.
Deutschland wird dabei zum Zentrum der europäischen Batteriefertigung. Insgesamt sind hierzulande sechs Gigawerke in Planung. Neben Marktführer CATL in Erfurt hat auch der ebenfalls aus China stammende Batteriehersteller SVolt eine Produktionsstätte in Deutschland angekündigt. Aber auch Tesla will in seiner Gigafabrik in Grünheide künftig Batteriezellen produzieren, und in Salzgitter bauen Northvolt und Volkswagen an ihrer eigenen Zellfabrik.
Anders als in den Vorjahren gewinnt die Elektromobilität seit 2020 deutlich an Fahrt. Zum einen brauchen die Autohersteller Stromautos, um die Klimaanforderungen der EU zu erfüllen und Strafzahlungen zu vermeiden. Zum anderen können sich Käufer von Elektroautos in Deutschland über Förderungen von bis zu 9000 Euro freuen.
Während heute 120 GWh Leistung in Form der strombetriebenen Akkus produziert werden, sollen es 2025 nach Berechnungen der französischen Energieagentur Avicenne Energy schon 520 GWh sein. Fast 80 Prozent davon gehen an die Automobilindustrie.