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StrompreisentwicklungWie teuer wird Strom in Deutschland 2024?

Die Strompreise für Neukunden sind zuletzt deutlich gesunken. Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher lohnt sich daher ein Stromanbieterwechsel. Das Wichtigste im Überblick.Klaus Stratmann 21.11.2024 - 13:15 Uhr Artikel anhören

Die Strompreisentwicklung im Großhandel beeinflusst die Strompreise für Endkunden in Deutschland.

Foto: imago images/Christian Ohde

Berlin. Die Strompreise im Großhandel bewegen sich weiter auf hohem Niveau, sind allerdings in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Die Folgen: Die Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher normalisieren sich allmählich.

Seit dem Herbst 2021 hatten die Strompreise in Deutschland eine regelrechte Rallye hingelegt. Zunächst stieg die Nachfrage sprunghaft nach dem Auslaufen der weltweiten Corona-Lockdowns. Seit Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 trieb vor allem der Mangel an Erdgas die Strompreise. Denn Strompreis und Gaspreis stehen in einem engen Verhältnis zueinander, weil ein Teils des Stroms in Kraftwerken hergestellt wird, die mit Erdgas betrieben werden. 

Die Strompreisentwicklung verunsichert viele Verbraucher. Was kostet die Kilowattstunde Strom aktuell? Wird Strom bald wieder teurer? Was bedeutet das Ende der Strompreisbremse? Lohnt sich derzeit der Wechsel des Stromanbieters? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Strompreisentwicklung 2024: Was kostet die Kilowattstunde in Deutschland?

Die Strompreise für Neukunden liegen laut dem Vergleichsportal Verivox aktuell bei rund 27 Cent pro Kilowattstunde (kWh) brutto (Stand: 18.11.2024).  Ein Musterhaushalt (4.000 kWh) zahlt demnach im Schnitt 1080 Euro jährlich für Strom, also 90 Euro im Monat. Das ist zwar mehr als noch vor einem Monat. Ein Jahr zuvor waren allerdings noch 40 Prozent mehr fällig.

Laut Statistischem Bundesamt kostete Strom Endverbraucher im ersten Halbjahr 2024 durchschnittlich 41,02 Cent pro Kilowattstunde. Das entspricht einem Rückgang von 1,7 Prozent im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2023. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2023 sanken die Strompreise sogar um drei Prozent.

Wie hoch sind die Strompreise im Großhandel?

In den vergangenen Monaten pendelten die Preise im Großhandel für eine Megawattstunde Strom zwischen 54 und 100 Euro.

Das ist im Vergleich zu den Strompreisen der Jahre 2022 und 2023 eine moderate Entwicklung. 2022 wurden an vielen Tagen historische Höchstpreise verzeichnet. 2021 belief sich der durchschnittliche Strompreis im Großhandel nach Angaben der Bundesnetzagentur auf 96,85 Euro pro Megawattstunde (MWh). Im Jahr 2020 lag er noch bei 30,47 Euro je MWh.

Besonders Ende August 2022 waren die Preisausschläge im Stromgroßhandel hoch. Seitdem hat sich die Lage tendenziell beruhigt. 

Wird Strom in Zukunft günstiger?

Von dauerhaft sinkenden Strompreisen ist nicht auszugehen. Die Stromunternehmen rechnen damit, dass Strom auf mittlere Sicht im Vergleich zu Zeiten vor der Energiekrise 2022 um den Faktor zwei teurer sein wird. „Es wird nach unserer Einschätzung absehbar auf eine Verdoppelung der Gas- und Stromtarife hinauslaufen“, sagte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU). Im VKU sind die Stadtwerke zusammengeschlossen.

Vor allem tendenziell steigende Netzentgelte machen weiter sinkende Strompreise eher unwahrscheinlich. Die Bundesregierung hatte Ende 2023 entschieden, einen für 2024 geplanten Zuschuss an die Übertragungsnetzbetreiber in Höhe von 5,5 Milliarden Euro zu streichen. Das Geld sollte den vier Netzbetreibern helfen, ihre Netzgebühren zu dämpfen. Die Unternehmen kündigten umgehend an, die Netzentgelte deutlich zu erhöhen, von 3,1 auf 6,4 Cent pro Kilowattstunde.

Viele Stromanbieter kündigten zwar an, die Preiserhöhung nicht sofort an ihre Kunden weiterzureichen, zumindest nicht komplett. Langfristig werden sich höhere Netzentgelte aber auf die Endkundenpreise auswirken. Da in den kommenden Jahren dreistellige Milliardenbeträge in das Netz investiert werden müssen, könnten die Netzentgelte zum entscheidenden Kostenbestandteil des Endkundenpreises werden. Schon heute machen die Netzentgelte, die regional schwanken, in vielen Fällen ein Drittel des Endkundenpreises aus.

Die Netzentgelte setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: Den Übertragungsnetzentgelten für die „Stromautobahnen“, die große Mengen Strom über weite Entfernungen durch Deutschland transportieren, und den Entgelten für die Verteilnetze. Die Verteilnetze transportieren den Strom bis zum Hausanschluss. Sie werden meist von den Stadtwerken betrieben.  

Strompreisentwicklung: Warum ist Strom so teuer?

In Deutschland sind die Strompreise im europäischen Vergleich sehr hoch. Das liegt an den Abgaben, Umlagen und Steuern. Erschwerend kam in den vergangenen Jahren der starke Anstieg der Gaspreise hinzu. 

Er sorgte dafür, dass sich die Stromerzeugung erheblich verteuerte. Denn mit dem Anstieg der Gaspreise steigen auch die Kosten für die Stromerzeugung. Das liegt an dem Merit-Order-Verfahren, nach dem sich die Strompreise im Stromgroßhandel bilden.

Stromanbieter wechseln: Lohnen sich Billig-Anbieter?

Ramona Pop von der Verbraucherzentrale warnte davor, sich auf Schnäppchen-Angebote zu stürzen. Das sei „nicht immer die beste Lösung“, sagte sie. „Wie schnell das vorbei sein kann, haben wir schon gesehen.“

Tatsächlich waren 2022 viele Billig-Stromanbieter in die Knie gegangen, weil sie ihre Lieferverpflichtungen nicht mehr erfüllen konnten: Sie waren ihren Kundinnen und Kunden gegenüber vertraglich verpflichtet, Strom zu niedrigen Preisen zu verkaufen, mussten aber selbst kurzfristig an der Strombörse Strom zu viel höheren Preisen einkaufen.

Sie hatten ihre Wette auf konstant niedrige Preise im kurzfristigen Stromgroßhandel verloren. Die Verbraucherinnen und Verbraucher waren die Leidtragenden: Sie wurden von ihrem Stromanbietern nicht mehr beliefert und mussten in die Grundversorgung ihres regional zuständigen Stadtwerks wechseln – und häufig kräftig draufzahlen.

Wie setzt sich der Strompreis pro Kilowattstunde zusammen?

Der Strompreis für Endkunden ist in Deutschland mit hohen Umlagen, Abgaben und Steuern belastet. Das gilt jedenfalls für private Haushalte, für Gewerbe, Handel und Dienstleistungsfirmen. Für die Industrie gelten Ausnahmen. Der Strompreis setzt sich aus drei wesentlichen Bestandteilen zusammen:

  • Beschaffungskosten und Vertriebskosten
  • Steuern, Umlagen und Abgaben
  • Entgelte für Transport und Messung

Unter dem Strich übersteigen Steuern, Abgaben und Umlagen für Strom oft die eigentlichen Beschaffungskosten. Zu den größten Posten, die Endkunden in Rechnung gestellt werden, zählen die Netzentgelte. Das sind die Gebühren, die für den Betrieb und den Ausbau der Stromnetze anfallen. Sie werden von den Netzbetreibern berechnet. Zum Jahreswechsel sind die Netzentgelte, die regional schwanken, gestiegen. Hintergrund ist die Entscheidung der Bundesregierung, einen geplanten Zuschuss zur Stabilisierung der Netzentgelte in Höhe von 5,5 Milliarden Euro für 2024 wegen der Haushaltskrise zu streichen. Die Netzbetreiber kündigten daraufhin an, die Netzentgelte zu erhöhen. 

Mehr zu Energiekosten, Strompreis & Gaspreis:

Die Folge: Netzentgelte haben ein Rekordhoch erreicht. Bei einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden werden künftig durchschnittlich 395 Euro allein für die Nutzung der Stromnetze fällig. Das entspricht einem Plus von 40 Euro. Das ergab eine Analyse des Vergleichsportals Verivox. 

„Der im Zuge der Energiewende dringend notwendige Netzausbau wird wohl auch in Zukunft einer der stärksten Strompreistreiber sein“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Außerdem zahlen Haushaltskunden die Umlage nach dem Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sowie Stromsteuer und Umsatzsteuer. Weggefallen ist seit dem 1. Juli 2022 die EEG-Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Wie kann ich beim Strompreis sparen?

Verschiedene Vergleichsportale im Internet sind zur Orientierung nützlich. Grundlegende Informationen gibt es zudem bei den Verbraucherzentralen. Oft lohnt es sich auch, die Energieberatungen der Verbraucherzentralen in Anspruch zu nehmen und einen Termin zu vereinbaren, um sich ausführlich beraten zu lassen.

Was verbraucht am meisten Strom zu Hause?

Die Heizungspumpe landet oft auf Platz eins der Stromfresser. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich um ein sehr altes Gerät handelt. Heizungspumpen dienen der Verteilung des warmen Wassers, das durch die Heizkörper im Haus fließt.

Eine alte, ineffiziente Heizungspumpe kann locker 600 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen. Bei einer modernen Pumpe sind es weniger als 50 Kilowattstunden. Es lohnt sich also, im Heizungskeller nachzuschauen und gegebenenfalls die Pumpe auszuwechseln. Die Kosten für Kauf und Einbau einer neuen Heizungspumpe haben sich angesichts der hohen Strompreise meist rasch amortisiert.

Auch Elektroherde zählen zu den Geräten im Haushalt, die am meisten Strom verbrauchen. Darum sollte man ein paar Grundregeln beachten: Der Topf sollte möglichst zur Plattengröße passen. Wasser kocht man lieber mit dem Wasserkocher statt auf dem Herd.

Auch Kühlschränke und Gefrierschrank können eine Menge Strom ziehen. Zumindest dann, wenn sie ein gewisses Alter haben und keine hohen Effizienzstandards erfüllen. Empfehlenswert ist es daher, sich beim Neukauf eines Kühlschranks oder Gefrierschranks für einen hohen Effizienzstandard zu entscheiden. Gleiches gilt für Wäschetrockner, Geschirrspüler und Waschmaschine.

Und außerdem verdienen heimliche Stromfresser heute mehr Beachtung denn je: Der Stand-by-Betrieb von Fernsehern, Computern, Druckern und anderen elektronischen Geräten summiert sich in vielen Haushalten oft zu einem erheblichen Stromverbrauch.

Wer hat die höchsten Strompreise in Europa?

Deutschland und Dänemark gehören seit Jahren zu den Spitzenreitern beim Strompreis für private Haushalte in Europa. Das belegen die regelmäßigen Strompreis-Vergleiche der europäischen Statistik-Behörde Eurostat.

Während die Strompreise im Handel an der Börse europaweit oft dicht beieinanderliegen, driften die Endverbraucherpreise weit auseinander. Das liegt an den unterschiedlich hohen Abgaben- und Steuerlasten, die wesentliche Bestandteile des Strompreises für Endkunden sind.

Was ist eine Merit-Order, und wie wirkt sie?

Den Begriff Merit-Order könnte man wörtlich etwa mit „Leistungsreihenfolge“ übersetzen. Er beschreibt das Prinzip im kurzfristigen Handel am Strommarkt, dass immer nur die Stromanbieter genutzt werden, die zu einer bestimmten Stunde des Tages am günstigsten Strom produzieren.

Der günstige Strom aus Wind und Sonne wird also praktisch immer gebraucht. Ist genug davon da, kann der Preis an der Strombörse gegen null sinken, in seltenen Fällen sinkt er sogar unter die Null-Linie: Wenn so viel Strom ins System drückt, dass er nicht mehr sinnvoll verwendet werden kann, treten mitunter „negative Strompreise“ auf.

Wer in diesen Situationen Strom abnimmt, wird also mit Geld belohnt. Das ist aber nur sehr selten der Fall. Wenn dagegen wenig Wind weht, die Sonne nicht scheint oder besonders viel Strom gebraucht wird, steigt der Preis so lange, bis es sich lohnt, Gaskraftwerke zu starten.

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Gaskraftwerke kommen erst zum Einsatz, wenn der Strom aller anderen Quellen nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken. Die Gaskraftwerke bestimmen dann den Preis für alle anderen Erzeugungsvarianten, die an der Strombörse gehandelt werden. Dieser Merit-Order-Effekt hat die Strompreise in den vergangenen zwei Jahren auf immer neue Rekordhöhen gehoben, weil auch das Gaspreisniveau extrem hoch war. Die Erzeugungsvarianten Wind, Sonne, Biomasse, Steinkohle und Braunkohle profitieren davon enorm. Hier haben sich die Erzeugungskosten kaum oder gar nicht verändert, die Stromverkaufspreise steigen dennoch deutlich.

Erstpublikation: 20.10.2022, 15:10 Uhr (zuletzt aktualisiert: 19. November 2024, 15:40 Uhr).

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