Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konsumgüterbranche Neuer Henkel-Chef hat einen schweren Start – nicht nur wegen Corona

Carsten Knobel muss nicht nur die Probleme seines Vorgängers lösen, sondern auch die Corona-Pandemie meistern. Eine Revolution ist nicht zu erwarten.
10.05.2020 - 16:45 Uhr Kommentieren
Der Vorstandsvorsitzende ist bei Henkel als Tempomacher bekannt. Quelle: Stefan Finger/laif
Carsten Knobel

Der Vorstandsvorsitzende ist bei Henkel als Tempomacher bekannt.

(Foto: Stefan Finger/laif)

Düsseldorf So hat sich Carsten Knobel seine ersten vier Monate als neuer Henkel-Chef sicher nicht vorgestellt. Statt seine Strategie in einem vornehmen Londoner Hotel vor internationalem Publikum zu präsentieren, musste er sich im März mit einer virtuellen Pressekonferenz in der Düsseldorfer Konzernzentrale begnügen. Auch wenn er am Montag zum ersten Mal als Vorstandschef die Quartalszahlen kommentiert, spielt die Corona-Pandemie eine zentrale Rolle.

Henkel konnte zwar seine weltweiten Werke in den letzten Monaten weitgehend durchlaufen lassen. Doch im Konsumentengeschäft mit Klebstoffen, Waschmittel und Haarshampoo dürfte die Pandemie ihre Spuren hinterlassen haben.

Dabei muss Knobel ohnehin noch Probleme lösen, die ihm sein Vorgänger Hans Van Bylen hinterlassen hat: Die Beautysparte liefert wegen des Massengeschäfts mit Marken wie Schauma seit Langem schwache Margen. Und selbst die viele Jahre erfolgreiche Klebstoffsparte schwächelt, weil Kunden aus der Autoindustrie weniger bei Henkel bestellen.

Nach dem eher zögerlichen Vorstandschef Van Bylen erwarten die Aktionäre, allen voran die Familie Henkel als Mehrheitseigner, und die über 50.000 Mitarbeiter des Konzerns deshalb nun einen Mann mit mehr Mut zu Entscheidungen. Eine Revolution ist von Knobel im Düsseldorfer Traditionskonzern zwar nicht zu erwarten: So will er bislang nicht, wie von einigen Analysten gefordert, die kleinste Sparte Beauty komplett verkaufen. Doch ein Weiter-so wird es mit ihm auch nicht geben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Knobel kündigte bereits an, dass er „ein aktives Portfoliomanagement“ betreiben will. Was sich aus dem Mund des langjährigen Henkel-Finanzvorstands zunächst mal sehr trocken anhört, hat aber konkrete Konsequenzen: Knobel will sich von Marken und ganzen Produktkategorien im Konsumentengeschäft trennen.

    Er sieht einen Gesamtumsatz von mehr als einer Milliarde Euro als problematisch an und will etwa die Hälfte dieses Geschäfts bis 2021 verkaufen oder einstampfen. Das dürfte vor allem das Beautygeschäft betreffen, das schon länger mit Rendite- und Wachstumsproblemen kämpft.

    Als Tempomacher bekannt

    Knobel ist niemand, der solche Entscheidungen auf die lange Bank schiebt. Der 51-jährige gebürtige Marburger, der seit 1995 bei Henkel arbeitet, ist im Düsseldorfer Konzern als Tempomacher bekannt. So lautet auch das Motto des sportlichen Mannes: „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es auch richtig“ – und das vor allem schnell.

    Schon in seiner bisherigen Karriere hat dieses Leitmotiv gut funktioniert. Knobel hat das Studium als Wirtschaftsingenieur in der Rekordzeit von achteinhalb Semestern durchgezogen, hat bei Henkel alle zwei, drei Jahre seinen Job gewechselt und ist schon mit 42 Jahren zum Finanzvorstand aufgestiegen – damals einer der jüngsten aller Dax-Konzerne.

    „Es ist selten, dass ein brillanter Analytiker auch so stark darin ist, das Richtige konsequent und schnell umzusetzen“, findet Ulrich Lehner, Ex-Henkel-Chef und heute Mitglied des Gesellschafterausschusses des Düsseldorfer Konzerns.

    Es ist aber nicht nur Entschlussfähigkeit von Knobel gefordert. Er muss auch die Kommunikation im Konzern weiter verbessern. Denn da lief es in der Zeit Van Bylens nicht so gut, wie zu hören ist. Knobel selbst bemühte sich zumindest in Vor-Corona-Zeiten um Nähe zu den Mitarbeitern. So besuchte er mittags, so oft es ging, die Kantinen auf dem Werksgelände in Düsseldorf, auch die der Arbeiter.

    Solche Auftritte fallen dem Fußball-Begeisterten nicht schwer, der viele Sportarten mit Ball selbst betrieben hat und noch im vergangenen Jahr als Vizechef den Aufsichtsrat von Bundesligist Fortuna Düsseldorf leitete.

    Knobel muss es vor allem aber schaffen, den Aktienkurs von Henkel wieder zu steigern. Denn der ist in den letzten zwei Jahren um mehr als ein Drittel auf zuletzt nur noch 79,60 Euro gefallen. Das würde auch Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah und den Rest der Familie Henkel freuen, die mit 61 Prozent den Konzern kontrolliert.

    Das wird Knobel aber nur gelingen, wenn er die Klebstoffsparte, die knapp die Hälfte zum Umsatz von rund 20 Milliarden Euro beisteuert, endlich wieder auf Wachstumskurs bringt.

    Mehr: Die Hängepartie der Düsseldorfer muss ein Ende haben - Warum der neue Vorstandschef nun handeln sollte, um den Konzern wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

    Startseite
    Mehr zu: Konsumgüterbranche - Neuer Henkel-Chef hat einen schweren Start – nicht nur wegen Corona
    0 Kommentare zu "Konsumgüterbranche: Neuer Henkel-Chef hat einen schweren Start – nicht nur wegen Corona"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%