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Autozulieferer IG Metall wehrt sich mit Aktionswoche gegen Sparpläne von Continental

Conti-Mitarbeiter wollen eine Woche lang gegen die verschärften Stellenabbau-Pläne protestieren. Betroffen sind die Standorte in Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz.
07.09.2020 Update: 07.09.2020 - 14:43 Uhr Kommentieren
Continental: IG Metall protestiert mit Aktionswoche gegen Stellenabbau Quelle: dpa
IG-Metall ruft zur Demonstration

Bis zum 11. September will die Gewerkschaft mit Aktionen an verschiedenen Conti-Standorten gegen den Stellenabbau protestieren.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Monatelang mussten die Mitarbeiter von Continental auf die von Konzernchef Elmar Degenhart angekündigte Verschärfung des Sparplans warten. Die Reaktion darauf folgt prompt.

Nachdem am Dienstag bekannt wurde, dass in Deutschland statt 7.000 nun 13.000 Arbeitsplätze bei Conti auf der Kippe stehen, hat die IG Metall Mitte eine Aktionswoche ausgerufen. Von Montag an werden bis zum 11. September an Conti-Standorten in Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz betriebliche Aktionen stattfinden. Im hessischen Babenhausen zum Beispiel, wo bis 2025 über 2.200 der 3.600 Stellen abgebaut werden, soll am Donnerstag ein Autokorso durch die Stadt stattfinden.

„Continental will im Schatten der Krise seine Wettbewerbsfähigkeit auf Kosten der Beschäftigten ausbauen“, sagt Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte, in dem sich 16 Continental-Standorte befinden. „Die simple Logik lautet: Standorte auspressen, Personalkosten drücken und Arbeitsumfänge verlagern. Das ist keine Strategie, das ist eine Kampfansage an die Beschäftigten,“ so Köhlinger.

Der Ton wird rauer – und daran ist nach Ansicht der Gewerkschaft das Conti-Management verantwortlich. Denn statt innovativer Lösungen, um Beschäftigung zu sichern, droht nun vielen Mitarbeitern in Deutschland die Arbeitslosigkeit.

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Standort erkennen

    Einige Conti-Beschäftigte in Deutschland könnte es sogar bereits im kommenden Jahr treffen. Im Werk im hessischen Karben drohen bereits 2021 die ersten Entlassungen der 1.100 Mitarbeiter.

    Problematisch ist aber nicht nur das Tempo, sondern auch die Auswahl der Standorte, an denen die Produktion eingestellt oder stark zurückgefahren wird. In Werken wie Babenhausen oder im bayrischen Roding zum Beispiel produzieren die Mitarbeiter vor allem analoge Fahrzeugarmaturen und Teile für Verbrennungsmotoren – Bauteile also, die künftig immer weniger nachgefragt sein werden. Für das Werk in Karben gilt das nicht. Hier werden Elektronikkomponenten hergestellt – und die werden in Zeiten der Elektromobilität und der Digitalisierung der Autoindustrie immer wichtiger. Die Gewerkschaften vermuten daher eine Arbeitsplatzverlagerung in Billiglohnländer.

    In Karben werden die Beschäftigten auch am Donnerstag auf die Straße gehen. Geplant ist eine Menschenkette vom Werk bis zum Rathaus. Michael Erhardt, bei der IG Metall unter anderem für den Unternehmensstandort in Karben zuständig, kritisiert das Vorgehen des Conti-Vorstands. Demnach hätte dieser bereits im Februar die Pläne für die Schließung von Karben erarbeitet. Doch mit den Betriebsräten im Werk sei nicht verhandelt worden. Die Beschäftigten wurden nun vor vollendenten Tatsachen gestellt.

    IG Metall sieht Politik in der Pflicht

    In den Wochen zuvor hatte Personalvorständin Ariane Reinhart noch erklärt, dass man gemeinsam mit den Betriebsräten nach Lösungen suche, um so viel Beschäftigung wie möglich zu sichern. Aus Gewerkschaftskreisen heißt es, dass es entgegen der Aussagen des Conti-Managements bislang noch keine wirklichen Verhandlungen mit dem Unternehmen gegeben habe.

    Erschwert werden die Gespräche auch durch die Entwicklungen bei der Konkurrenz. Bosch und ZF Friedrichshafen haben immerhin für die kommenden zwei Jahre betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Es hätte die Chance bestanden, die Vertreter der Arbeitnehmerseite einzuladen, Lösungen und Wege gemeinsam zu diskutieren, zu identifizieren und zu beschließen“, erklärt Erhardt. Andere Konzerne mit sehr ähnlichen Problemen gingen einen solchen Weg. Das Vorgehen von Continental zeige nun, dass ihnen die eigenen Leute egal seien, so Erhardt.

    Auch die IG BCE zeigt sich vom Ausmaß des erweiterten Sparprogramms erschüttert und solidarisiert sich mit der Schwestergewerkschaft. Bei Conti kümmert sich die IG BCE sich um die Belange der Mitarbeiter aus der Reifen- und Industriesparte, die nicht so stark von Corona betroffen ist. Die IG Metall spricht für die Belegschaft der Automotive-Bereiche.

    „Wir möchten den Betroffenen unsere uneingeschränkter Solidarität aussprechen“, erklären Peter Widera, Betriebsratsvorsitzender von ContiTech Techno-Chemie (TCH), und Tobias Hanson von der dort zuständigen IG BCE in Rhein-Main. „Da, wo Unterstützung gebraucht wird, helfen wir“, erklärt Widera.

    Hilfe kommt auch von Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE und zugleich des Continental-Aufsichtsrats: „Einen schlichten Kahlschlag wird es mit uns nicht geben“, bekräftigt Grioli. „Unser Ziel ist und bleibt der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.“

    Die IG Metall Mitte sieht auch die Politik in der Pflicht. Die Standorte in Hessen seien von den angekündigten Abbauplänen besonders betroffen. „Insofern ist auch die schwarz-grüne Landesregierung gefragt, zugunsten der Beschäftigten und des Industriestandortes Hessen aktiv zu werden“, betont Köhlinger. Ähnliches gelte auch für die Landesregierung in Rheinland-Pfalz, die ihren Einfluss zugunsten der Beschäftigten in Rheinböllen nutzen solle.

    Der Protest der Conti-Mitarbeiter könnte auch in Berlin Thema werden. Am Dienstag findet dort der Autogipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vertretern der Autoindustrie statt. Bereits im Vorfeld des Gipfels hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für eine neue Förderstrategie stark gemacht. „Wir können beim Auto nicht auf Zeit spielen. Es handelt sich um den zentralen Lebensnerv unserer Wirtschaft“, sagte der CSU-Chef der Deutschen Presse-Agentur in München. Gerade Zulieferer würden bereits in größerem Umfang Arbeitsplätze abbauen.

    Mehr: Continental verdoppelt wegen den Folgen der Corona-Pandemie seine Sparziele. In Deutschland stehen nun rund 13.000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

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