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Kfz-Vertrieb Pleitewelle droht: Autohändler stehen wegen Corona mit dem Rücken zur Wand

Der mittelständisch geprägten Branche machen die wochenlangen Schließungen schwer zu schaffen. Auch nach Ende des Shutdowns wird sich der Autohandel verändern müssen.
03.04.2020 - 14:31 Uhr 3 Kommentare
Seit zwei Wochen geht nichts mehr, die Wiedereröffnung ist nicht absehbar. Quelle: dpa
Volkswagen-Händler in Hannover

Seit zwei Wochen geht nichts mehr, die Wiedereröffnung ist nicht absehbar.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, München Die Stimmung könnte schlechter nicht sein. „Die Händler stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt der Chef eines Audi-Betriebs aus Süddeutschland. Mit dem durch die Coronakrise ausgelösten Stillstand im öffentlichen Leben stehen auch die Autohändler vor einer ungewissen Zukunft. „Uns erwartet eine lange Durststrecke, die wir durchzustehen haben“, sagt der Audi-Mann.

Seit zwei Wochen passiert bei den meisten deutschen Autohändlern nicht mehr viel. Viele Betriebe mussten wegen der Corona-Pandemie schließen. Seitdem werden kaum noch Neuwagen verkauft, und auch bei den Gebrauchtfahrzeugen passiert nicht mehr viel. Werkstätten durften zwar noch geöffnet bleiben. Doch es schauen weniger Kunden vorbei, die ihren Wagen reparieren lassen wollen. Wenn viele Leute daheim bleiben, wird auch das Auto seltener gebraucht.

Das Kfz-Gewerbe ist stark mittelständisch geprägt. Von den knapp 37.000 Betrieben in Deutschland sind viele noch in Familienhand – ohne große Rücklagen und Reserven für eine lang anhaltende Krise. Etwa 70 Prozent der Betriebe haben nach einer Umfrage des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeug-Gewerbe (ZDK) für ihre Mitarbeiter inzwischen Kurzarbeit angemeldet. Für viele Unternehmen ist das der einzig gangbare Weg, um sich von Kosten zu entlasten und Liquidität zu sichern.

Die Aussichten für die kommenden Wochen und Monate sind nicht die besten. Die Verkaufszahlen werden weiter in den Keller rutschen, vor allem im April, wenn das öffentliche Leben wahrscheinlich für einen kompletten Monat stillsteht. Bereits im März sind die Pkw-Neuzulassungen um 38 Prozent auf 215.100 Fahrzeuge gesunken, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Freitag in Berlin mit. Im ersten Quartal gingen die Neuregistrierungen um ein Fünftel auf 701.300 Pkws zurück.

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    Kapitalkosten werden zur größten Last für die Autohändler

    Auch in anderen europäischen Ländern sieht es nicht viel besser aus. In Frankreich sind die Zulassungszahlen im März um 72 Prozent eingebrochen, in Spanien sah es mit minus 69 Prozent nicht viel besser aus. In den USA ist die Krise inzwischen angekommen. Dort verbuchten die VW-Händler im März einen Rückgang von 42 Prozent.

    „Wir haben nur 30 bis 40 Tage Zeit“, sagt Dirk Weddigen von Knapp, Geschäftsführer des VW- und Audi-Partnerverbands, in dem sich etwa 1000 deutsche Händler zusammengeschlossen haben. Wenn nicht eine schnelle Lösung für die Betriebe gefunden werde, könnten bis zu 50 Prozent vom Markt verschwinden.

    Die staatlichen Hilfen müssten zügig ausgezahlt werden. Etwa dadurch, dass die staatliche Förderbank KfW eine 100-prozentige Haftung von Krediten übernehme. Das Geld würde schneller fließen, weil bei den Hausbanken dann kein Genehmigungsprozess mehr nötig sei.

    Weil im Moment keine Autos mehr verkauft werden können, werden die Kapitalkosten zur größten Last für die Autohändler. „Hohe Bestände mit Krediten vorfinanzierter Neuwagen füllen die Verkaufsräume und Lager“, sagt Jürgen Karpinski, Präsident des Dachverbands ZDK und selbst Volkswagen-Händler im Großraum Frankfurt. „Dieses tote Kapital legt sich als Schlinge um den Hals der mit hohem Fremdkapitalanteil arbeitenden Händler“, warnt der oberste Händlervertreter Deutschlands.

    Bei Opel sieht es nicht anders aus. „Wir erleben eine Vollbremsung“, konstatiert Peter Müller, Vorstandssprecher des Verbands deutscher Opel-Händler (VDOH), im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Unsere Showrooms sind seit mehr als zwei Wochen geschlossen. Der Autoverkauf ist dadurch fast auf null runtergegangen.“

    Einzig die Werkstätten in den rund 1460 Servicestützpunkten der Marke seien zum Teil noch bis zu 70 Prozent ausgelastet. „Aber auch die Aufträge für Reparaturen und Wartungen werden von Tag zu Tag weniger“, warnt Müller.

    Tausende Fahrzeuge können nicht zugelassen werden

    Aktuell sind die geschlossenen Zulassungsstellen das größte Problem für den Autohandel. Damit stockt der Verkauf auch der letzten Neuwagen, die jetzt eigentlich an private Kunden und Unternehmen weitergereicht werden könnten. Bei Autohändlern stehen derzeit Tausende neuer oder gebrauchter Fahrzeuge, die an Kunden übergeben werden müssten.

    Kunden übernehmen und bezahlen die Autos aber nur, wenn sie zugelassen werden können. Dieser unnötig höhere Fahrzeugbestand bindet wiederum Kapital, das die Händler in der aktuellen Situation zum Überleben brauchen. Die Autohersteller sehen das Problem ähnlich wie die Händler. „Auch die Zulassungsstellen müssen wieder arbeiten“, verlangt VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Nur dann werde ein Wiederanlaufen der Produktion in den Autofabriken möglich.

    Zunehmend schwierig ist auch die Übergabe eines Autos an Kunden, weil soziale Kontakte derzeit deutlich reduziert werden sollen. Deshalb bereitet die Branche Konzepte vor, mit denen neue Autos ohne persönlichen Kontakt zwischen Autoverkäufer und Kunden übergeben werden können.

    Grafik

    „Wir arbeiten an einem Weg für die Zeit nach Corona“, bestätigt Jürgen Stackmann, Vertriebsvorstand der Marke Volkswagen. Dazu gehörten kontaktlose Testfahrten, kontaktlose Verkaufsprozesse und kontaktlose Fahrzeugübergaben. Auch wenn die Beschränkungen im öffentlichen Leben wieder gelockert würden, werde es später noch Restriktionen geben, gerade auch im Autohandel.

    Das oberste Ziel der Händler bleibt aber, so viele Kunden wie möglich in ihre Showrooms zu locken. Das wird künftig aber anders aussehen. „Die Mitarbeiter werden wohl mit Handschuhen und Schutzdecken die Wagen instand halten. Nach jeder Probefahrt oder Reparatur muss das Fahrzeug zudem desinfiziert werden“, sagt Opel-Händlervertreter Müller. „Wir bereiten uns darauf vor, ausreichend Desinfektionsmittel lagernd zu haben.“

    Schon seit Jahren versuchen die Autohersteller, den Internethandel stärker auszubauen. Mithilfe des Internets können sie den Verkauf stärker an sich ziehen und den Direktvertrieb ausbauen. Das Coronavirus dürfte den Herstellern dabei wahrscheinlich helfen. „Mein Team arbeitet an einem regelrechten Schub für die digitale Welt“, sagt VW-Vorstand Stackmann.

    Auch den Händlern ist klar, dass die Coronakrise den Erneuerungsprozess im Autovertrieb beschleunigen dürfte. „Es wird eine massive Veränderung in Richtung des digitalen Verkaufs geben“, sagt VW-Audi-Händlerchef Dirk Weddigen von Knapp. Damit zeichne sich eine stärkere Zentralisierung im Fahrzeugvertrieb ab.

    In China wächst das Interesse wieder

    Weddigen macht sich allerdings keine Sorgen, dass die Entwicklung zu mehr digitalem Geschäft auf Kosten der Händler geht. Im neuen, seit dem 1. April gültigen Händlervertrag von Volkswagen sei festgeschrieben worden, dass die Vertriebspartner bei jedem Onlinegeschäft des Wolfsburger Autoherstellers beteiligt würden. Auch den Händlern sei klar, dass sie sich nicht gegen den grundsätzlichen Trend stemmen könnten.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Der Geschäftsführer des VW-Audi-Händlerverbands glaubt zudem nicht, dass die Autohersteller die Coronakrise dazu nutzen werden, die Händlernetze in Deutschland entscheidend zu verkleinern. „Nach der Krise wird jeder Standort und jedes verkaufte Auto gebraucht“, sagt Weddigen. Dazu gehörten auch die kleineren Handelsbetriebe auf dem Land, deren dauerhafter Bestand vor der Coronakrise am ehesten gefährdet scheint. Zudem helfe Volkswagen seinen Händlern mit verlängerten Zahlungszielen und einer schnelleren Überweisung der Jahresboni für 2019.

    Erste Erfahrungen aus China zeigen, dass dort das Interesse am eigenen Auto wächst. Denn obwohl sich in der Volksrepublik die Lage gebessert hat, gibt es unverändert eine Bedrohung durch das Coronavirus. Das eigene Auto bietet im Unterschied zum öffentlichen Verkehr mit Bus und Bahn mehr Schutz und Distanz. Das könnte auch in Deutschland im späteren Verlauf des Jahres für eine Wiederbelebung der Autokonjunktur sorgen.

    Bei den Preisen für Neuwagen dürfte es in den nächsten Wochen nur eine Richtung geben: nach unten. Wegen der schwachen Nachfrage werden viele Hersteller um hohe Rabatte und Nachlassprogramme nicht herumkommen. Außerdem könnte der Staat helfen.

    „Wir brauchen Stimulation und Anreize für die Leute, damit sie nach der Isolation wieder in die Autohäuser gehen und Autos kaufen“, schlägt Stefan Wolf vor, Vorstandschef des schwäbischen Autozulieferers Elring Klinger. Verschrottungsprämien würden auch dazugehören. Sie sind vielen Autofahrern noch bestens bekannt – aus der Zeit der Finanzkrise vor zehn Jahren.

    Mehr: Chefs von Daimler, BMW und VW führten Krisentelefonat mit Merkel.

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    3 Kommentare zu "Kfz-Vertrieb: Pleitewelle droht: Autohändler stehen wegen Corona mit dem Rücken zur Wand"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Genau so ist es wie unten geschrieben, die Verhältnismässigkeiten sind in keiner Weise gewahrt und man fragt sich wei das in künftigen Jahren bei einer Grippewelle laufen soll? Wollen wir jedes Jahr die Coronaviren unter die Lupe nehmen und dann die Wirtschaft 2 Monate lahm legen. Dann können wir uns einsalzen lassen! Die Leute die heute am lautesten schreien nach (...) Zwangsmaßnahmen trifft es in der Folge hoffentlich selbst am härtesten. Wer ein paar echte, nicht geschönte Fakten als Basis für seine Einschätzung braucht, der studiert das Material (...) , der natürlich wie alle die den Status Quo infrage stellen diskreditiert und als unseriös hingestellt wird. Hoffentlich wird in der Folge das was hier passiert schonungslos aufgearbeitet und dabei einmal mehr die Rolle der WHO und des RKI beleutet. Was man dort für Aussagen raushaut, ohne Rücksicht auf andere Aspekte wie die die aus der dortigen Sicht wichtig erscheinen ist unglaublich. Ein per virologische und medizinische Experten bestimmen die Geschicke der ganzen Welt, ohne dass klar wird welche Beweggründe hinter der ganzen Sache stehen. Denn nur um Menschenleben kann es nicht gehen! Wir werden als Folge der umgesetzten Maßnahmen mehr Suizidfälle in den nächsten Jahren sehen wie Menschen die AM Corona Virus gestorben sind. (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte nutzen Sie keine Videos oder Links anderer Seiten. Bitte bleiben Sie sachlich.

    • Die Händler sterben an völlig unverhältnismäßigen Massnahmen und die so vollmundig versprochenen Hilfen kommen nicht.

    • Lockdown und Liquiditätsbedarf sind konzentrische Röhren.
      Die Unternehmen sterben wegen des Lockdown, nicht an Corona.
      Eine vernünftige Risikoabwägung ist nicht erkennbar. Jedes Jahr (!) werden in Deutschland 600.000 Personen durch Krankenhauskeine infoziert und 10.-20.000 sterben daran.
      In der Grippesaison 2017/18 sind 25.100 Menschen in D Grippe gestorben. Wurde die Wirtschaft heruntergefahren?
      Man will den KArneval nicht einschränken, Skiurlaube durch Reisewarnungen nicht verbieten. Holt im Januar aus Wuhan mit großer medialer Aufmerksamkeit Bundesbürger zurück, die man sogleich in Quarantäne steckt, während bis in den April hinein noch Flugzeuge aus den Hotspots bspw. Iran landen ohne das die Fluggäste auch nur untersucht werden.
      Das passt alles nicht zusammen.
      An Wirtschaft un dder Unternehmenskultur wird ein nachhaltiger Schaden verursacht.

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