Rüstung: Wie richtet sich die deutsche Industrie auf Verteidigung aus?
München, Düsseldorf. Jetzt also wieder Rüstung und Panzer. Im Autozuliefererwerk in Neuss plant Rheinmetall einen weitreichenden Umbau. Statt Autoteile sollen vor den Toren Düsseldorfs Artilleriegehäuse, Aufklärungssatelliten und vielleicht sogar ganze Schützenpanzer und Haubitzen gebaut werden. Für die älteren Neusser ist das nichts Neues. Schon in den 70er-Jahren wurden hier Motorenkomponenten für den damaligen Bundeswehr-Kampfjet Starfighter hergestellt.
Die Zeiten haben sich wieder geändert. Die Autoindustrie darbt, das Rüstungsgeschäft boomt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will die zusammengeschrumpfte Bundeswehr wieder zur stärksten konventionellen Streitmacht Europas aufbauen. Und Deutschlands Rüstungsindustrie, nach dem Ende des Kalten Kriegs auf Manufakturmodus geschrumpft, muss jetzt sehr schnell auf Wachstum umschalten, um dieses Versprechen einlösen zu können.
Am Geld soll es nicht scheitern: Die Schuldenbremse wurde für die Verteidigung von der Bundesregierung weitgehend ausgesetzt. Auf bis zu fünf Prozent des Bruttosozialprodukts könnten die Verteidigungsausgaben – einschließlich militärisch nutzbarer Infrastruktur – in den kommenden Jahren steigen. Das würde mindestens auf eine Verdoppelung der heutigen Verteidigungsausgaben von rund 80 Milliarden Euro hinauslaufen.
Auch Deutschlands Nachbarn rüsten auf. Nach Schätzungen der EU-Kommission könnten bis 2030 in Europa rund 800 Milliarden Euro in die Verteidigung gesteckt werden. Im besten Fall schiebt die Aufrüstung die Konjunktur an und sichert Europa den Zugang zu neuen Technologien wie Quanten-Computing und Künstlicher Intelligenz.