Volkswagen-Quartalszahlen: Gewinn von VW schrumpft stärker als erwartet – Diess fordert bessere Produktivität
„Wir sind fest entschlossen, unsere starke Stellung gegenüber etablierten und neuen Wettbewerbern zu behaupten.“
Foto: dpaDüsseldorf. Der anhaltende Chipmangel hat den VW-Konzern im dritten Quartal schwer getroffen. Weil es nicht genug Halbleiter gab und deshalb deutlich weniger Autos als geplant produziert werden konnten, hat die Volumengruppe mit den Marken Volkswagen Pkw, Skoda und Seat von Juli bis September operativ rote Zahlen geschrieben. Weil die Premiummarken Porsche und Audi jedoch weiterhin vergleichsweise gut abschneiden, hält der Konzern an seinen Jahreszielen fest und muss keine Gewinnwarnung aussprechen.
Wegen der Chipkrise haben Umsatz und Fahrzeugabsatz im dritten Quartal deutlich nachgegeben. Die Erlöse fielen von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent auf 56,3 Milliarden Euro, teilte der Wolfsburger Autohersteller am Donnerstag mit. Beim Absatz ging es mit fast 30 Prozent noch deutlich stärker abwärts.
Wie die meisten anderen Autohersteller verwendet der VW-Konzern die knappen Halbleiter dort, wo sie am meisten Rendite versprechen. Bei Volkswagen bekommen die Premiummarken Porsche und Audi die Chipkrise entsprechend weniger stark zu spüren. Bei den Volumenmarken passiert das Gegenteil, sie leiden stärker unter dem Versorgungsmangel.
In der Summe führt das dazu, dass der operative Gewinn im dritten Quartal nicht so stark gefallen ist wie der gesamte Fahrzeugabsatz, nämlich um zwölf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Beim Nachsteuerergebnis kommt der VW-Konzern sogar bei einem leichten Plus von 5,6 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro heraus. Volkswagen profitiert dabei von Veränderungen im Finanz- und Beteiligungsergebnis sowie den Steuerzahlungen.
Konzernchef Herbert Diess wertete die roten Zahlen von Volkswagen Pkw, Skoda und Seat als Warnsignal. „Die Ergebnisse des dritten Quartals zeigen einmal mehr, dass wir die Verbesserung der Produktivität im Volumenbereich jetzt konsequent vorantreiben müssen“, sagte er am Morgen.
Seit Wochen wird in Wolfsburg eine intensive Auseinandersetzung darüber geführt, wie es mit Volkswagen vor allem in Deutschland weitergehen soll. In einer Aufsichtsratssitzung Ende September hatte Konzernchef Diess davor gewarnt, dass VW bis zu 30.000 Arbeitsplätze verlieren könnte, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert werde.
Das führte an den vergangenen Tagen zu einem scharfen Konflikt mit dem Betriebsrat. Die starke Arbeitnehmervertretung zwang den Konzernchef am Mittwoch dazu, dass er in der kommenden Woche auf einer Betriebsversammlung Rede und Antwort stehen muss.
Finanzvorstand warnt vor anhaltenden Problemen in deutschen Werken
Trotz der jüngsten Auseinandersetzungen lobte Diess Betriebsratschefin Daniela Cavallo. „Sie ist eine gute Repräsentantin des Betriebsrates“, sagte er. Er schätze Cavallo sehr. Mit ihr an der Spitze und dem damit verbundenen Rückzug ihres Vorgängers Bernd Osterloh habe es deutliche Veränderungen im Betriebsrat gegeben. Cavallo teile auch die Vision des Managements, dass es bei Volkswagen bis 2030 Veränderungen geben müsse.
Auch Finanzvorstand Arno Antlitz warnte vor anhaltenden Problemen besonders in den deutschen Werken. „Der Halbleiterengpass im dritten Quartal hat uns deutlich vor Augen geführt, dass wir noch nicht resilient genug gegen Auslastungsschwankungen sind“, sagte er. Das Management will die Produktivität in deutschen Werken steigern und damit die Gewinnschwelle senken.
Bislang verdient VW in seinen deutschen Fabriken erst dann Geld, wenn sie zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet sind. Bedingt durch den Chipmangel lag die Auslastung in den vergangenen Wochen deutlich darunter. Am Vormittag sagte Konzernchef Diess, ein gewisser Stellenabbau im Rahmen der Transformation hin zu Elektromobilität und Digitalisierung sei unvermeidlich. Konkrete Zahlen nannte er nicht.
„Als Betriebsrat erwarten wir, dass es ein Zielbild für 2030 für den Standort Wolfsburg gibt. Die Beschäftigten wollen zurecht wissen, wie die Zukunft auch über die Integration des Projekts Trinity hinaus aussehen wird“, antwortete darauf Betriebsratschefin Daniela Cavallo. Trinity ist das Zukunftsprojekt, mit dem in Wolfsburg nach 2025 neue E-Autos produziert werden sollen. Cavallo verwies außerdem darauf, dass bei VW bis zum Jahr 2029 eine Beschäftigungssicherung gelte.
Bei den Premiummarken des VW-Konzerns ist von Krise hingegen nicht viel zu spüren, das gilt ganz besonders für die Sportwagentochter Porsche. Das Stuttgarter Unternehmen kommt nach den ersten neun Monaten dieses Jahres auf eine Umsatzrendite von 15,5 Prozent und bleibt trotz der globalen Chipkrise einer der profitabelsten Autohersteller der Welt.
Der Porsche-Umsatz ist von Januar bis September um zehn Prozent auf 23 Milliarden Euro gestiegen, das operative Ergebnis legte um 78 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro zu. „Wir können stolz sein, müssen aber auch im vierten Quartal im absoluten Taskforce-Modus agieren“, sagte Finanzvorstand Lutz Meschke auf Anfrage. Ganz spurlos geht die Chipkrise auch an Porsche nicht vorüber. Die Stuttgarter haben einen sehr hohen Auftragsbestand und könnten eigentlich noch deutlich mehr Autos verkaufen. Porsche reagiert darauf mit einem schärferen Kostenmanagement.
Das E-Auto ist Porsches neuer Verkaufsschlager.
Foto: APVergleichsweise gut sieht es auch bei Audi in Ingolstadt aus. Nach neun Monaten kommt die Premiumtochter auf 40,4 Milliarden Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis von 3,9 Milliarden Euro, was einer Rendite von 9,7 Prozent entspricht. Audi profitiert von einer vergleichsweise starken Nachfrage, was beispielsweise auch renditesteigernde Preiserhöhungen erlaubt.
Auch für Audi ist der branchenweite Chipmangel ein Thema.
Foto: ReutersWeniger gut sieht es hingegen bei Volkswagen Pkw aus. 1,6 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 55,5 Milliarden Euro führen zu einer mageren Rendite von 2,9 Prozent. Auch Skoda muss Abstriche machen und kommt auf eine Rendite von 6,8 Prozent. Vor der Chipkrise hatte die tschechische Konzerntochter noch Audi-Niveau erreicht. Schwierig ist die Lage in Spanien: Seat schreibt nach neun Monaten rote Zahlen.
Die nach dem Rekordgewinn zur Jahresmitte angehobene Renditeprognose für den gesamten Konzern bekräftigte Volkswagen dennoch. Demnach erwarten die Wolfsburger sowohl vor als auch nach Sondereinflüssen eine Rendite zwischen sechs und 7,5 Prozent. Der Konzernumsatz soll deutlich über dem Vorjahr liegen. Mit seiner Quartalsbilanz schlug sich Europas größter Autobauer noch vergleichsweise gut. Die US-Rivalen Ford und General Motors hatten deutlich größere Gewinneinbrüche erlitten.
VW-Aktie unter Druck
UBS-Analyst Patrick Hummel erwartet in Sachen Chips ein „tendenziell besseres viertes Quartal“. Darauf deuteten auch Äußerungen von Konzernchef Diess hin. In einem Gespräch mit Journalisten sagte er, „dass das Schlimmste hinter uns liegt“. 2022 werde sich die Versorgung mit Halbleitern weiter verbessern.
Abstriche muss Volkswagen allerdings bei seiner Absatzplanung machen. Der anhaltende Chipmangel führt dazu, dass der Konzern weniger Autos als geplant produzieren wird. Bislang hatten die Wolfsburger angekündigt, dass sie 2021 im Vergleich zum Vorjahr „spürbar“ mehr Fahrzeuge ausliefern würden. Jetzt lautet die Prognose, dass nur noch das Vorjahresergebnis erreicht werden könne, also 9,3 Millionen Fahrzeuge.
An der Börse wurde diese Ankündigung negativ aufgenommen. Am Donnerstag musste die Volkswagen-Vorzugsaktie deutliche Verluste von zeitweise mehr als drei Prozent hinnehmen.