Wochenend-NewsletterDas passiert, wenn alle den Standort schlechtreden – das Handelsblatt-Wochenende

Außerdem: Tipps zum Auswandern, eine gegen den Trend wachsende Brauerei und die KI-Pläne in Deutschlands größtem Krankenhaus. Unsere Leseempfehlungen.Sven Prange 08.08.2025 - 09:17 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

während ich dasaß und mein Mittagessen verdrückte, sagte mein Chef, dass ab 40 der Körper ja ohne Gegensteuern jedes Jahr ein Stück mehr Muskelanteil in Fett umwandelt. Mir war nicht ganz klar, ob er lediglich seinen Salatteller ideologisch überhöhen wollte, während ich den überbackenen Nudelauflauf aß, er irgendetwas an meinem Bauch gesehen hatte – oder einfach nur vor sich hin philosophierte. Ich entschied mich für irgendwas zwischen Variante zwei und drei. Und damit begannen die Probleme.

Denn was in der Folge dieses zweifellos richtigen Satzes über die menschliche Physiologie ja zu tun ist: je mehr Muskelaufbau durch Training, desto weniger Verfettung. Nur: Wann trainieren mit zwei Kleinkindern und Vollzeitjob? Die einzige Lücke in meinem Kalender ist werktags vor sieben. Danach warten Kita-Logistik, besagter Chef und solche Dinge.

Und auch vor sieben ist das so eine Sache. Denn ich lebe mit einem Co-Familienoberhaupt zusammen, das den Zusammenhang zwischen regelmäßigem Sport und Fitness schon deutlich früher als ich erkannt hat – und genau diese Stunde als ihre ansieht, während ich die Kinder mit Frühstück versorge. Nun ist ein kleiner Wettbewerb entbrannt: Wer kann die frühe Stunde für sich blocken? Als Schlüssel zum Erfolg gilt das Votum der Kinder: Von wem wollen sie morgens fertig gemacht werden? Steht man nicht auf der Wunschliste, hat man Zeit für Sport.

Also müsste jetzt eine Art negativer Standortwettbewerb beginnen: Vielleicht sollte ich meinen Kindern erzählen, dass ich leider technologisch von der Mama abgehängt sei und ihr High-Protein-Low-Carb-Frühstück sie sicher weiterbringe als mein Honigbrot. Ich könnte ihnen auch erzählen, dass ich schon rein infrastrukturtechnisch kaum in der Lage sei, sie komfortabel in die Kita zu bringen – schließlich hat die Mama anders als ich rechtzeitig in ein schickes E-Bike investiert. Und dann könnte ich noch lamentieren, dass ich leider viel zu faul geworden sei, um mit der Konkurrenz mithalten zu können.

Ich denke, ich könnte dann in Ruhe meinen Sport machen morgens. Aber ob die Kinder mich dann nach dem frühen Morgen wieder cool finden und auf meine Zukunft setzen würden?

Ich habe bisher keine Lösung für das Problem. Vielleicht sollte ich deswegen eine Strategie wählen wie die meisten Mittelmanager in ihrem beruflichen Alltag – und auch die meisten Standort-Schlechtredner: Ich eskaliere das Problem nach oben, da kommt es schließlich auch her. Entweder ich darf mein Work-out im Büro machen – gerne in dem einen Raum mit der Milchglasscheibe –, oder mein Chef passt morgens auf die Kinder auf. Aber wenn ich ihn mir so ansehe: Ich glaube, er hat zwischen halb sechs und halb sieben auch schon was vor.

Ich hoffe, Sie haben diese Stunde am Wochenende zur Entspannung – gerne auch mit unseren Leseempfehlungen.

Sommerliche Grüße
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende

US-Präsident Donald Trump (v. l.), hungernde Menschen, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeskanzler Friedrich Merz: Welt ohne Kompass. Foto: AFP (3), dpa (2), Getty Images (2) [M]

Kommen Sie noch hinterher bei all den Krisen?

Brummt auch Ihnen der Schädel, wenn Sie auf die Nachrichten schauen? Seit US-Präsident Donald Trump vor sechs Monaten seine zweite Amtszeit begonnen hat, bricht er fast täglich Tabus, missachtet Konventionen und zerstört Weltbilder. Da kommt kaum noch jemand hinterher. Vordenker von rechts und links ringen deshalb um die Deutungshoheit für eine neue Weltordnung. Torsten Riecke hat sich in seinem Essay die Entwürfe angesehen und viel Ratlosigkeit, einige radikale Ansichten, aber auch ein paar interessante Vorschläge gefunden.

Charité-CEO Kroemer: „Wie alle unsere großen Systeme basiert auch Gesundheit auf dem Generationenvertrag.“ Foto: Reuters, Imago, Getty Images, laif [M]

Gesund dank KI? Der Charité-Chef glaubt dran

Die Charité ist eines der bekanntesten Krankenhäuser Deutschlands, nicht zuletzt dank einer eigenen Fernsehserie. Ihr Chef, Heyo Kroemer, war bei den Dreharbeiten der Staffel dabei, die in ferner Zukunft spielt – und glaubt an viele der Szenarien durch KI in der Medizin. „Wir unterschätzen den technologischen Fortschritt“, hat er Ina Karabasz im Interview erklärt.

Auswandererziel Argentinien: Es gibt viele Länder mit Steuererleichterungen. Foto: picture alliance / Zoonar

Die attraktivsten Länder zum Auswandern

Am besten, so denkt sich vielleicht mancher Bundesbürger, reist man nicht nur bisweilen luxuriös, sondern wandert am besten gleich ganz aus Deutschland aus. Zu bürokratisch, zu teuer, zu kaputt. Zu nass, zu kalt, zu deutsch. Also weg. Christian Wermke hat herausgefunden, in welche Länder es sich auszuwandern lohnt.

Digitalnomade Christoph Heuermann: Er ist im Schnitt nur einen Monat pro Jahr in Deutschland. Foto: Privat

Seit zehn Jahren auf Dauerreise

Einer, der sich bestens auskennt in der weiten Welt, ist Christoph Heuermann. Seit zehn Jahren lebt er als Digitalnomade, hat schon jedes einzelne Land dieser Erde bereist. Seine Erfahrungen hat er längst als Auswanderungsberater zum Geschäft gemacht. Im Interview mit Christian Wermke verrät er, welcher Fleck auf dem Globus sein liebster ist, wohin er seine Kunden vermittelt und was er selbst an Deutschland vermisst.

Familie Sailer: Drei Generationen am Tisch sollen die Zukunft sichern. Foto: Hofbräuhaus Traunstein

Heimat ist Zukunft, und die Zukunft ist Bier

Die Zelte in der Heimat abzubrechen, dürfte so ziemlich das Letzte sein, was die Familie Sailer in Traunstein in Betracht zieht. Seit 1896 gehört das 400 Jahre alte Hofbräuhaus Traunstein der Sailer-Sippe. Maximilian Sailer setzt auf eine Mischung aus Digitalisierung, KI, Social Media und einer tiefen Verwurzelung in der Region. Und wächst damit entgegen allen Trends, wie Thorsten Firlus zwischen Braukessel und Cloud vom Sailer Max erfuhr.

Mutter trägt ihr Kind auf den Schultern: Die Kita-Situation bringt viele Eltern zum Verzweifeln. Foto: Keilen/Handelsblatt

Die hochqualifiziertesten Hausfrauen der Geschichte

In Bayern sind die Menschen hinter der Trachtenfassade oft progressiv. Vielleicht auch in vielen Familien, in denen beide Eltern Vollzeit arbeiten wollen, aber an der Betreuung ihrer Kinder scheitern. Schlicht, weil sie keine oder nicht genügend Betreuung finden. Annika Keilen hat zwei Familien besucht und sich schildern lassen, warum hochqualifizierte Frauen notgedrungen bei der Karriere zurückstecken oder sie gar beenden – obwohl sie ihren Job lieben und dort dringend gebraucht würden.

Spielhalle: Kommunen drängen die Spielhallen an die oft schäbigsten oder abgelegensten Orte. Foto: Plainpicture/Thordis Rüggeberg

Warum Glücksspiel verpönt ist und dennoch toleriert wird

Daniel Henzgen kann man vieles vorwerfen, aber nicht, dass er es sich leicht macht: Der promovierte Politikwissenschaftler hat sich für eine Karriere bei Löwen Entertainment entschieden, einem Betreiber von Spielhallen und Online-Glücksspiel. Nun hat er ein wissenschaftliches Buch verfasst – als Cheflobbyist eines Unternehmens, das etwas anbietet, was der Staat strikt reglementiert, woran er aber auch gerne mitverdient. Thorsten Firlus hat sich Henzgens heikle Aufgabe zwischen Razzien, Suchtberatung und Geschäftsmodell angeschaut.

Kolumnist, gefällter Baum mit frischen Trieben: Wer weiß, was wichtig ist, kann stur sein Ziel verfolgen. Foto: Privat

Resilienz ist auch nur Sturheit

Widerstände und Niederlagen überwinden – im Ausdauersport ist das (willkommene) Begleiterscheinung. Thorsten Firlus hat aus zahlreichen Rückschlägen in seinem Hobbysport viel gelernt über Resilienz. Für ihn sieht sie schlicht nach Sturheit aus. Positiv daran: Dickköpfig sein kann jeder lernen, wie er in seiner Kolumne schreibt.

Tresor, Kolumnist Felix Oldenburg: „Eine Stiftung ist wie eine Ehe ohne die Möglichkeit zur Scheidung.“ Foto: Getty Images, privat

Gefangen in der Ewigkeit

Stiftungen sind per se ein sinnstiftendes Konstrukt. Aber auch eins, das für die Ewigkeit bestimmt ist – ohne die Möglichkeit, nachträglich etwas zu verändern. Unser Kolumnist Felix Oldenburg erklärt, wie komplex und verwirrend das Geschäft rund um Stiftungen geworden ist. Und benennt auch gleich mögliche Alternativen für den guten Zweck.

Herdkannen im Squid-Game-Design: In der Serie wird kein Espresso getrunken. Foto: Bialetti

Die Moka ist ein ewiger Verkaufsschlager aus Italien. Warum die Espressokanne für den Herd nun im Gewand einer der erfolgreichsten und blutrünstigsten Netflix-Serien aller Zeiten („Squid Game“) daherkommt, lässt einen auf den ersten Blick ratlos dreinblicken. Und auch auf den zweiten, wie Thorsten Firlus süffisant beschreibt.

Bestseller-Autor Rolf Dobelli. Foto: Bodo Rüedi, Getty Images

Rolf Dobelli ist Schweizer Bestsellerautor und stellt an dieser Stelle Fragen an das Leben. Wie würden Sie antworten? Letzte Woche wollte Dobelli wissen: „An wie vielen Tagen des Jahres gelingt es Ihnen, alles, was Sie sich für den Tag vorgenommen haben, zu erledigen, und was schließen Sie daraus?“ Sie antworteten unter anderem:

Bei zunehmendem Erledigungs-Druck hat es sich als vorteilhaft erwiesen, die zweite Sache erst einmal vor der ersten Sache zu erledigen, sofern sie zumindest ebenso ein dickes Brett ist, mir aber gerade leichter fällt. Eine Agenda darf ich daher umdrehen.
Barbara Hermann
Verwandte Themen
Deutschland
Donald Trump
Künstliche Intelligenz
Netflix
An sehr wenigen. Ich müsste eigentlich daraus schließen, dass meine Tagesplanung nicht optimal ist und ich etwas daran ändern müsste. Aber erstaunlicherweise komme ich häufiger zu dem Schluss, dass ich an mir etwas ändern muss.
Anonym
Fast nie – ich denke, dass das Leben langweilig sein muss, wenn man alles schafft.
Heinrich Haskamp

Diese Woche möchte Rolf Dobelli wissen:
Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Zielen?

Sie möchten antworten? Dann klicken Sie hier. Eine Auswahl veröffentlichen wir.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt