
Wochenend-Newsletter: Diese Währung gibt Hoffnung – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich habe mich noch nie so schwergetan wie in dieser Woche, Ihnen einige Zeilen zum Start ins Wochenende zu schreiben. Die Weltlage gibt wenig Inspiration für Gedanken, die nicht hinunterziehen.
Deswegen hat es mich dann umso mehr gefreut, als ich Mitte der Woche auf ein Video mit Hayden Davis gestoßen bin. Grämen Sie sich nicht, wenn Sie den Namen gerade zum ersten Mal hören. Mir ging es auch so. Davis ist einer jener Menschen, die in der Meme- und Kryptowährungs-Gemeinde mitmischen. Eine Nische der weltweiten Geldmärkte, von der ich im Prinzip nichts verstehe – außer, dass dort nicht immer alles so transparent zugeht, wie Vertreter dieser Branche gerne erzählen. Und wo viele Akteure ähnlich dubios sind, wie ich Davis in diesem Video erlebt habe. Nicht nur, weil er Kontakt zu so prominenten Menschen wie Melania Trump gehabt haben will.
Jedenfalls erklärte jener Davis, wie das mit den sogenannten Memecoins zu verstehen ist. Diese Mini-Kryptowährungen, die auf popkulturellen Phänomenen beruhen, haben in den vergangenen Wochen ziemlich Furore gemacht. Erst, weil Donald und Melania Trump mit solchen Anarcho-Währungen nach Amtsantritt plötzlich Milliardenbewertungen aufwiesen. Dann, weil der argentinische Kettensägenexperte Javier Milei in einen Absturz der Währung Libra verwickelt sein soll und deswegen nun ein Verfahren am Bein hat.
Das alles, versicherte uns Davis, sei gar nicht überraschend: Überzogene Erwartungen und Insiderinformationen seien in diesem Gewerbe völlig normal. Überhaupt sei das Ganze, ich übersetze hier mal frei, ein Riesenirrsinn. Weswegen es auch nicht verwundere, dass es regelmäßig crashe. Man mauschele diese Währungen ja überhaupt nur gezielt zu Hypes hoch, um durch den dann folgenden Absturz zu verdienen.
Ich finde, darin steckt etwas Hoffnungspendendes. Es ist ja kein Zufall, dass vor allem zweifelhafte bis kriminelle Staatsschauspieler wie Milei oder Trump in diese Geschäfte verwickelt sind. Wie wäre es, wenn auch diese Phänomene nach einem steilen Anstieg, einfach irgendwann in einem Strudel aus geplatzten Erwartungen und aufgeflogenen Mauscheleien in sich zusammenbrechen? Es wäre nicht das erste Mal, dass die Märkte eine politische Entwicklung vorempfinden.
Vielleicht wäre das ja auch etwas, was uns nach dem zu erwartenden Wahlergebnis mit einer AfD als zweitstärkster Partei am Sonntag Hoffnung spenden könnte. Ich weiß, das muss so nicht kommen. Aber mir hilft der Gedanke, in diesen Tagen nicht die Zuversicht zu verlieren.
Ich hoffe, dabei helfen Ihnen auch unsere zehn Leseempfehlungen – davon auch drei besondere zur Bundestagswahl.
Es grüßt Sie herzlich
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende

Wo bleibt der Ruck?
Die Entscheidung für die Wahl am Sonntag find ich angesichts des Parteienangebots eher knifflig. Deswegen hat mich dieser Essay meiner Kollegin Charlotte Haunhorst so erfreut: Weil Charlotte den Blick darauf richtet, dass nach der Wahl gar nicht die nächste Regierungskonstellation so entscheidend wird – sondern, ob wir als Gesellschaft endlich aus dem Quark kommen. Mal wieder mehr arbeiten, nicht ständig Ansprüche an den Staat stellen, auch mal selber machen. Sollten Sie im Gen-Z- oder Boomer-Alter sein und Ihr Blutdruck noch nicht in Schwung sein heute, empfehle ich Ihnen diesen Text besonders.
„Ein moderner Weltkrieg“
Zu meiner nicht so optimistischen Stimmung diese Woche hat das Gespräch mit Carlo Masala beigetragen. Jens Münchrath und ich haben den Professor der Bundeswehr-Universität nach den ganzen Ausfällen Donald Trumps gefragt. Der hat ja diese Woche die Seiten gewechselt und verdingt sich nun als Handlanger des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Hoffnung, dass sich das ändert, hat uns Masala nicht gemacht – aber ein Szenario aufgezeigt, in dem Europa noch zehn Jahre Zeit hat, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
Versöhner mit Antriebsproblem
Armin Laschet schien ein Mann der Vergangenheit. Nun kämpft er mit einem Motto um ein Bundestagsmandat, das zukunftsweisend sein könnte: Versöhnen statt spalten. Annika Keilen hat Laschet während dieser Versuche getroffen. Mein Eindruck: Laschet ist vor allem noch damit beschäftigt, sich mit sich und seiner Partei zu versöhnen. Er sagte Annika jedenfalls viele interessante Dinge zu Migrationspolitik und Bundestagsmanövern von Friedrich Merz und zu seiner Einschätzung der Grünen – verhinderte dann aber eine Veröffentlichung der interessanten Zitate zu den Themen. Daran halten wir uns natürlich. Aber zum einen können Sie sich vermutlich jetzt auch so denken, in welche Richtung die Zitate gingen. Und zum anderen sind Annikas Beobachtungen dennoch lesenswert.
Wie führt man einen Wahlkampf, wenn man chancenlos ist?
Kristine Lütke saß drei Jahre lang als Gesundheitsexpertin im Bundestag. Selbst wenn es die FDP schafft – Lütke wird ihr Mandat wegen eines schlechten Listenplatzes nicht verlängern. Warum tut sie sich trotzdem den Wahlkampf an? Und wie blickt die Pflegeunternehmerin auf ihre Zeit in der Spitzenpolitik zurück? Christian Wermke zeichnet das Porträt einer Überzeugungstäterin.

Arbeitszeiterfassung? Sofort abschaffen
Gespräche mit Funktionären von Wirtschaftsverbänden sind meist nicht so inspirierend, dass wir sie Ihnen an Wochenenden präsentieren. Christina Diem-Puello ist da eine Ausnahme. Vermutlich, weil sie in erster Linie Unternehmerin und erst danach Verbandsfrau ist. Mit Anja Müller und Kirsten Ludowig spricht sie über Wunschkoalitionen und konfrontative Diskussionen mit Friedrich Merz. Und sie erklärt, was der Mittelstand (nicht) braucht.
Warum eigentlich ist gerade jetzt eine ausgewogene Geldanlage so wichtig?
Sollten Sie in den vergangenen Jahren nach gängigen Standard-Tipps in ETFs investiert haben, haben Sie vermutlich gerade ein gewisses US-Klumpenrisiko in Ihrem Portfolio. Angesichts der Lage in den USA scheint mir das nicht ganz risikolos zu sein. Nur ein Grund, warum gerade jetzt die richtige Mischung für Ihre Geldanlage entscheidend ist. Teresa Stiens erklärt Ihnen, wie Sie das anstellen.
Und dann kam die Vorladung wegen Geldwäsche
Ähnlich seriös wie die Kryptoszene schätze ich die Influencer-Szene ein. Wer da womit wie viel Geld verdient? Ziemlich intransparent. Deswegen hatte Sebastian Dalkowski die Idee, einfach mal jemanden zu fragen, der wie kein Zweiter Einblick in die Finanzen dieser Szene hat: ein Steuerberater, der sich auf Influencer spezialisiert hat. Mein Eindruck von der Szene ist nach Lektüre des Textes nicht besser geworden – gut unterhalten wurde ich aber.

So bewerten Sie Fotos auf Buchungsportalen richtig
Lichtdurchflutete Räume, Panoramafenster zum Meer, edle Bodenbeläge: Hotelfotos auf Buchungsplattformen oder -seiten versprechen so einiges. Thorsten Firlus hat mit einem Fotografen gesprochen, der solche Fotos seit Jahren macht. Und hat erfahren, auf was Sie achten sollten, damit Foto und Realität möglichst nah beieinander sind.
Lassen Sie sich vom Chef nichts gefallen
Eine bloßstellende Kritik hier, ein Abkanzeln da: Wenn das der Umgang an Ihrem Arbeitsplatz ist, haben Sie und Ihre Firma ein Problem. Und zwar eins, das so häufig vorkommt, dass es dafür mittlerweile einen eigenen Problembegriff gibt: Gaslighting. Anna Lea Jakobs erklärt Ihnen das Phänomen – und was dagegen hilft.
Diese Signale sendet Ihr Körper
Unsere Körper senden uns auch in Verhandlungen Signale. Sie richtig zu deuten und zu nutzen, lässt sich trainieren, schreibt unsere Kolumnistin Patricia Thielemann.