
Wochenende: Gut, dass Deutschlands Fußball jetzt in Nike spielt – Das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich habe wahrgenommen, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Ärger hat. Er hat sich entschieden, die Ausrüstung der Nationalmannschaften nicht mehr bei Adidas zu kaufen, sondern bei Nike. Jetzt sind sehr viele Menschen sehr aufgeregt, weil: Wie kann man ein deutsches Unternehmen so ausbooten? Selbst der Wirtschaftsminister hat sich geäußert.
Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien sich Robert Habeck einkleidet, ausschließlich Adidas-Klamotten scheint er nicht zu tragen. Vielleicht bestellt er sein Outfit im Manufactum-Katalog von deutschen Handwerksschneidern. Das wäre sehr glaubwürdig. Sehr wahrscheinlich ist es aber nicht.
Jedenfalls habe ich ein Problem, den Ärger zu verstehen. Nicht nur wegen Habeck. Auch die anderen, die da jetzt rufen, scheinen mir ihre Kritik nicht richtig durchdacht zu haben. Meine Alltagserfahrung zeigt mir: Die Leute, die den DFB jetzt kritisieren, kaufen selbst nicht so ein, wie sie es von den Fußballern fordern.
Ich erwerbe zum Beispiel unser Gemüse meist samstagmorgens im Supermarkt meines Vertrauens. In der Auslage dort liegen in den letzten Wochen in großer Auswahl Sellerie, Möhren oder Weißkohl, alle von deutschen Landwirten produziert. Sie liegen da und liegen. Die Leute kaufen sie nicht.
Das verstehe ich gut. Ich gehe mit dem Vorsatz einkaufen, auch im Winter das heimische Gemüse zu kaufen. Wenn ich dann aber bei grauem Nieselwetter das frische italienische Frühlingsgemüse sehe, ist mir die Artischocke meist doch näher als der Weißkohl aus der Nachbarschaft. Ich denke angesichts des Aufwand-Ertrags-Verhältnisses muss Nike für die DFB-Oberen wie die italienische Artischocke ausgesehen haben, Adidas war eher der Weißkohl.
Ich glaube, der DFB ist da ein bisschen so wie wir alle: Er kauft da ein, wo er das attraktivste Angebot findet. Vielleicht ist die Aufregung genau deswegen so groß: Wer lässt sich schon gerne bei solch einer schnöden Kalkulation ertappen?
Wenn Sie sich darüber nicht aufregen wollen, habe ich für Sie hier unsere elf Leseempfehlungen:
Finale um Deutschlands wildeste Bank
Die Volksbank Bad Salzungen Schmalkalden interessierte lange niemanden. Dann begann der Chef einige Ideen zu entwickeln. Er engagierte den Ex-Fußballer Stefan Effenberg, er ließ in Immobilien aus dem Rotlichtmilieu investieren und irgendwann häufte er so viele Probleme an, dass die Bank nun wackelt. Das Team meines Kollegen Sönke Iwersen ist der Geschichte nachgegangen – und wagt die Prognose, dass ein für Banken einmaliges Ereignis bevorstehen könnte.
Unser Korrespondent lebt seit wenigen Wochen in Shanghai – das hat er dort gelernt
Vor wenigen Wochen hat unser Korrespondent Martin Benninghoff in Shanghai unser zweites Büro in China eröffnet. Seitdem erlebt er einen Alltag in einer Welt voller Gegensätze. Für uns hat er nun sechs Lehren aus seinen ersten Wochen in diesem Land aufgeschrieben. Wer zu China Fragen hatte, hat nach der Lektüre Antworten. Und manches läuft sogar in Deutschland besser.
Warum sind Gourmetrestaurants nie profitabel?
Mein Kollege Thorsten Firlus und ich nerven die anderen in unserem Team schon mal, wenn wir uns über gute Weine oder sehr gute Restaurants festquatschen. Wir mögen diese Welt – für andere ist es eher überteuertes Chichi. Was uns aber alle interessiert hat: Warum sind Restaurants, in denen der Abend pro Kopf gerne mal 200 Euro kostet, meist nicht rentabel? Thorsten hat auf die Frage nach den Preisen eine überraschende Antwort gefunden.
Kein Wille zu Promille
Überall, wo Menschen trinken, lässt sich ein weiterer Trend feststellen: Die Menschen trinken weniger Alkohol. Vor allem junge Menschen kultivieren eine Spaßkultur ohne selbigen. Was manchen Mediziner freut, plagt die Brauindustrie. Der Absatz von Bier mit Alkohol sinkt. Das, hat Annika Keilen erfahren, muss aber keineswegs ein Problem sein.
Wie bleibt man so gelassen, Frau Mutter?
Ich verstehe nicht so viel von klassischer Musik. Aber Anne-Sophie Mutter finde ich faszinierend. Wer so lange wie die deutsche Ausnahme-Violinistin in der Spitzenklasse spielt, verdient schon allein dafür Respekt. Mein Kollege Hans-Jürgen Jakobs hat mit ihr nun genau darüber gesprochen: Wie man so lange Spitzenleistung bringen kann – und was nun noch kommen kann. Ihre Antwort: Einiges.
Lernen von den Besten: Mitarbeiterführung mit Isabelle Werth
Apropos Weltspitze: Auch die Dressurreiterin Isabelle Werth hält sich dort seit Jahrzehnten. Der Umgang mit Pferden hat ihr auch einiges beigebracht über den Umgang mit Menschen. Faustregel: Was in der Herde funktioniert, klappt meist auch im Büro. Deswegen haben wir sie gebeten, uns ihr Geheimnis für Teamführung in der Weltspitze zu verraten. Hat sie gemacht.
Hotelduell: Ab auf die Malediven
Weil dieses Wintergrau nie zu enden scheint, sehne ich mich seit Wochen ins Sonnige. Hat leider nicht geklappt. Als Thorsten Firlus mir seine Hotels für unser dieswöchiges Hotelduell schickte, bin ich aber doch noch mal in Versuchung gekommen. Thorsten hat sich auf den Malediven das Four Seasons Landaa Giravaruu und das SO/Resorts ausgeguckt. Hier der direkte Vergleich, sollten auch bei Ihnen Artischocken allein die Sehnsucht nach Licht nicht stillen.
Warum eigentlich hat Deutschland so viel Gold
Das nötige Geld für die Reise haben Sie vielleicht, sollten Sie Nutznießer der aktuellen Goldrally sein. Oder es geht Ihnen wie der Bundesbank: Sie haben Gold, können aber von den Höchstpreisen nicht profitieren. So ist es im Fall der Bundesbank, die den zweitgrößten Goldschatz der Welt verwahrt. Benjamin Ansari hat aufgeschrieben, warum das so ist – und wo dieses Gold lagert.
Grönemeyers Sprechstunde: Gegen den Rückenschmerz
Spätestens seitdem mein Sohn mehr als 13 Kilo wiegt, merke ich ihn auch: Diesen ziehenden Schmerz im Rücken, sobald ich ihn hochhebe. Selbst Schuld, sagt unser Kolumnist Dietrich Grönemeyer. Mit mehr Training könnte ich das vermeiden. Hier hat er aufgeschrieben, wie vor allem Büromenschen mit wenigen Schritten vorbeugen können.
Prüfers Kolumne: Sorge um die deutsche Norm
Nichts lieben die Deutschen mehr als normierte Dinge. Unser Kolumnist Tillmann Prüfer sorgt sich aber: Die deutsche DIN-Norm ist in Gefahr. Schuld ist, wer sonst in solchen Fragen, Brüssel. Dabei, schreibt Prüfer, macht uns doch kaum etwas glücklicher als einheitliche Stecker und geordnete Prozesse. Eine Idee, das deutsche Normwesen zu retten hat er aber.
Holzki-mit-KI: Machen Sie Ihrem Roboter nichts vor
Unserer KI-Chefin Larissa Holzki ging es bei der neuesten Produktvorstellung des Chipkonzerns Nvidia wie anderen beim Superbowl: Man hängt gebannt vor dem Fernseher und irgendwann gehen die Gefühle mit einem durch. Grund: Nvidia hat ein Programm vorgestellt, mit dem Roboter das Prinzip Vorbild und Nachahmung lernen. Larissa bringt das auf allerlei wilde Gedanken.
Was nächste Woche wichtig wird
Montag. Donald Trump muss eine halbe Milliarde Dollar an Strafe zahlen. Das hat ein New Yorker Gericht festgelegt. Am Montag muss das Geld fließen, doch Trump sieht sich als zahlungsunfähig. Was passiert dann?
Montag. Inmitten der Absatzflaute bei Elektroautos startet in Heide bei Hamburg der Bau eines milliardenschweren Batterieprojekts. Northvolt will hier künftig Autobatterien bauen.
Mittwoch. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute stellen ihre gemeinsame Konjunkturprognose vor. Womöglich gibt es Anzeichen für eine beginnende Erholung.
Ich wünsche Ihnen ein inspirierendes Wochenende.
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende & Report