
Wochenende: So wird der Urlaub nicht zur Hölle – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
mir war nicht klar, welch glückliche Ausnahme ich vergangene Woche sein durfte.
Ich war im Urlaub, neun Tage, irgendwo im Norden Italiens. Man nahm uns herzlich auf, wir trafen freundliche Menschen, wir konnten am Ende einfach wieder nach Hause fahren. Ich frage mich, wie lange das noch möglich ist.
Denn der Tourist scheint nicht gerade der Glückspilz des Jahres 2024 zu sein.
Das fängt schon beim Schicksal des Reiseanbieters FTI an. Der verkaufte offenbar gerne gegen Vorkasse sehr günstige Reisen. Nun aber entzieht er sich dem Kontakt zu seinen reisenden Kunden dadurch, dass er sich per Insolvenzmeldung verabschiedet hat.
Vielleicht ist das für manchen Betroffenen gar nicht so schlimm, wie er gerade denkt. Denn an sehr vielen dieser Orte, die man über FTI buchen konnte, scheint der Tourist ohnehin nicht so willkommen. Die Mallorquiner, die Venezianer, die Amsterdamer, die Ibizenker – sie alle demonstrieren derzeit dagegen, dass man zu ihnen kommt.
Ich habe gelesen, dass diese Bewohner undankbar seien. Schließlich hätten Reisende über Jahre ihre Gegenden reich gemacht. Ein gewisses Verständnis dafür, sein Zuhause nicht jeden Sommer mit Millionen mäßig kultivierten Teilzeitnachbarn teilen zu wollen, kann ich aber nicht verhehlen.
Wir wohnen seit einiger Zeit so, dass wir Hof und Garten mit einigen anderen Nachbarn teilen müssen. Also jeder hat schon seinen Teil. Aber alles ist so miteinander verwoben, dass alle alle Flächen nutzen müssen.
Wollen die einen grillen, müssen sie den Grill halb auf der Wiese der anderen aufstellen, wenn sie auch noch einen Tisch und Stühle benutzen wollen. Will das Kind des zweiten Fahrrad fahren, geht es am besten auf dem Grund des dritten, weil an die Tür des zweiten ausschließlich Rasen grenzt. Auf dem lässt sich aber kein Roller fahren. So ist jeder ständig zu Gast bei jedem.
Auch wenn wir alle von diesem Vorgarten-Tourismus profitieren, würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, dabei noch nie mit den Augen gerollt zu haben. Ich käme aber auch nie auf die Idee, meinen Grill mitten vor die Tür des Nachbarn zu stellen und, wenn er sich gestört fühlt, ihm zu erklären, wie sehr er davon profitiere. Unser Nachbar unterlässt im Gegenzug freundlicherweise, sein Auto so auf seinem Hofteil zu parken, nur weil er für seinen Teil bezahlt hat. Schließlich käme dann unser Fahrradanhänger nicht mehr auf die Straße.
So haben wir uns arrangiert. Gut, anders als Touristen und Gastgeber sind wir nicht nur eine Schicksalsgemeinschaft auf kurze Zeit. Aber das muss ja nicht die einzige Motivation sein, sich gegenseitig nicht zu nerven.
Auch wenn Sie keinen Urlaub planen, haben Sie hoffentlich ein paar ruhige Momente für unsere zwölf Leseempfehlungen:

So werden Sie finanziell frei
Viel Zeit für Urlaub haben auch die drei Menschen, die mein Kollege Benjamin Ansari gesprochen hat. Denn sie sind mittlerweile Herren über ihre Zeit – weil sie finanziell unabhängig sind. Das haben sie nicht durch Erben oder Glück geschafft, sondern durch geschickte Geldanlage. Benjamin ist dem Phänomen nachgegangen und erklärt, wie Sie Ihr Geld so anlegen, dass Sie schon deutlich vor dem Rentenalter nur von Ihrem passiven Einkommen leben können.
Gehen Sie zur Wahl – auch wenn alles ganz aussichtslos wirkt!
Ich könnte Ihnen jetzt hier alle Vorteile aufzählen, die Europa Ihnen und mir bringt. Aber das nützt, glaube ich, nichts, weil wir das ja alle wissen und uns dennoch so richtig für diese Europawahl nicht begeistern können. Warum wir trotzdem zur Wahl am Sonntag gehen sollten, hat mein Kollege Jens Münchrath hier für Sie argumentiert. Ich fasse es mal so zusammen: Angesichts der verrückten Weltenlage wäre es noch verrückter, Europa jenen zu überlassen, die es fragmentieren anstatt weiter vereinen wollen. Jens nennt dafür drei konkrete Beispiele, die mich überzeugt haben.
Warum sind deutsche Innenstädte so hässlich?
Es ist ja nicht so, dass Karstadt oder Kaufhof unsere Innenstädte wirklich verschönert hätten. Trotzdem dürfte es mit der Pleite der mittlerweile zu Galeria verschmolzenen Kaufhäuser nicht besser werden. Statt hässlich dürften viele Innenstädte jetzt auch noch trostlos werden. Doch warum ist das so, und was könnte man dagegen machen? Benjamin Ansari hat genau darüber mit dem Stararchitekten Daniel Libeskind gesprochen – und einige überraschende Antworten erhalten.
Erfolgsfaktor Botox
Sollten Sie doch noch länger arbeiten müssen und männlich sein, könnte dieses Thema auf Sie zukommen: Weil älter aussehen offenbar in der Arbeitswelt immer mehr zum Nachteil wird, boomen nun auch unter Männern ästhetische Eingriffe am Gesicht. Das Zauberwort heißt Botox. Annika Keilen hat sich das Geschäft angeschaut – und beschreibt in dieser von Agatha Kremplewski und Michel Becker produzierten Geschichte, wer vom Botox-Trend bei Männern wie profitiert.
Lässt sich guter Schlaf erzwingen?
Sollten Sie Botox skeptisch gegenüberstehen, hätte ich einen anderen Muntermacher für Sie: Schlaf. Doch der lässt sich gar nicht so einfach optimieren. Wer leidet nicht unter Schlafstörungen? Theresia Enzensberger hat ein ganzes Buch zum Phänomen Schlaf geschrieben – und mir ein paar Fragen dazu beantwortet. Unter anderem die, ob sich Schlaf wirklich so optimieren lässt, dass wir unsere Leistung steigern.

Wie korrekt kann ein Pullover sein?
Mein Sohn ist jetzt 20 Monate alt. Also, Eltern wissen das, in ungefähr der fünften Kleidungsgrößen-Phase. Vergangenen Winter hat er von seinem Onkel einen Pulli geschenkt bekommen, der uns angeblich aus diesem Dilemma erlöst, weil er mitwachse. Was genau dahintersteckt, habe ich jetzt in der Geschichte von Sebastian Dalkowski erfahren (der das Thema aufgebracht hat, ohne vom Pulli meines Sohns zu wissen): Oktopulli, ein Berliner Unternehmen, das nicht nur mitwachsende Pullover fertigen lässt – sondern auch einige andere Dinge anders macht als viele Unternehmer.
Lernen Sie von den Fehlern der Besten
Ab heute wollen wir regelmäßig prominente Top-Leistungsträger fragen, wie sie aus einem Fehler eine neue Chance gemacht haben. Den Anfang macht heute die Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo. Sie musste erkennen, dass an sich selbst zu glauben und Selbstvertrauen zu haben die Grundvoraussetzung für Topleistung ist. Hier beschreibt sie, wie sie dieses Selbstvertrauen aufgebaut hat.
Warum eigentlich zerstreitet sich die Koalition so über die Rente?
Ich mühe mich ja eigentlich, Sie an dieser Stelle mit Politik in Ruhe zu lassen. Aber in Sachen Rente muss ich davon jetzt eine Ausnahme machen. Derzeit zerlegt sich die Ampelkoalition jedenfalls mal wieder, und zwar mit genau dem Thema. Mein Kollege Frank Specht hat ihnen hier aufgeschrieben, warum das so ist – und was das für Ihre Altersvorsorge heißt.

Der Traum vom neuen Sommermärchen
Nächste Woche beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Das erste Sport-Großevent seit dem sogenannten Sommermärchen von 2006. Nur: Haben Sie schon Euphorie bemerkt? Ich nicht. Und mein Kollege Markus Fasse auch nicht. Das macht ihn fassungslos. Markus ist seit mehr als vier Jahrzehnten totaler Fußballfan – und hat hier sehr persönlich aufgeschrieben, warum sich eine ordentliche Portion Freude über das Turnier rechnen könnte.
Welche Daten Ihnen beim Sport wirklich helfen
Meine sportlichen Ambitionen waren noch nie so groß, dass ich mit dem normalen Pulsschlag als Messwert für meine Leistungsfähigkeit nicht hingekommen wäre. Anders dagegen mein Kollege Thorsten Firlus – der trainiert derzeit für einen Triathlon und erhebt so ziemlich alle Daten, die er über seinen Körper bekommen kann. Auf welche Sie achten sollten und welche Fitnessdaten Ihnen vielleicht nicht so viel bringen, hat er Ihnen hier aufgeschrieben.
Elf Schritte gegen Stress
Für unsere Vorfahren war Stress eine überlebensnotwendige Reaktion des Körpers, wenn schnell viel Energie bereitgestellt werden musste. Doch in unserer zivilisierten Welt hat der Stress seine positive Funktion weitgehend verloren – stattdessen stört er vor allem. Dabei lässt sich Stress auch in akuten Fällen eindämmen und überwältigen. Unsere Kolumnistin Patricia Thielemann hat Ihnen aufgeschrieben, wie das in elf Schritten gelingt.
Am oder oberhalb des Gardasees übernachten?
Sollten Sie trotz meines anfänglichen Geraunes doch über eine Urlaubsreise nachdenken, könnten Sie am Gardasee landen. Und sich dort die Frage stellen: Wo lässt sich am italienischen Lieblingssee der Münchener am besten übernachten: direkt am Ufer oder doch lieber etwas oberhalb mit Blick auf das Gesamtpanorama? Thorsten Firlus hat Ihnen für jede der beiden Varianten etwas herausgesucht.
Was nächste Woche wichtig wird
Sonntag Ab Sonntagabend kommen die Ergebnisse der Wahlen zum Europaparlament. In Deutschland gibt es erste Hochrechnungen ab 18 Uhr, für Gesamteuropa ab 22 Uhr.
Montag Bei der Entwicklerkonferenz WWDC gibt Apple traditionell einen Ausblick auf künftige Funktionen für iPhones und andere Geräte des Konzerns.
Donnerstag Die derzeitige G7-Präsidentschaft Italien lädt die wichtigsten Industriestaaten der Welt nach Apulien ein.
Ich hoffe, wir lesen uns kommende Woche an dieser Stelle wieder.
Ihr
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende & Report