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KommentarStaatsgeld für Flugtaxen wie Volocoper und Lilium? Warum nicht!

Fördergelder für einen VIP-Flieger sind keine gute Idee. Die Entwicklung der Technologie dahinter finanziell zu unterstützen dagegen schon. Jens Koenen 26.12.2023 - 13:14 Uhr
Volocopter will den Flugbetrieb im kommenden Sommer bei den Olympischen Spielen in Paris starten, dabei befördert ein Pilot jeweils einen Passagier. Foto: Volocopter

Sie waren einmal das große Hype-Thema: elektrische Senkrechtstarter, auch Flugtaxen genannt. Doch längst hat sich Ernüchterung breitgemacht – und die Kritik an den VIP-Fliegern wird immer lauter.

So opponiert der Stadtrat in Paris offen gegen den Plan, Flugtaxis der deutschen Firma Volocopter bei den Olympischen Spielen im kommenden Jahr starten zu lassen. Es sei ein „nutzloses Gerät für besonders privilegierte Menschen“, wird moniert.

Auch in der deutschen Politik wächst die Skepsis. Noch vor Jahren ließen sich Politikerinnen und Politiker aller Couleur gerne vor Prototypen ablichten, heute kaum mehr. Noch deutlicher zeigen sich die Zweifel beim Thema Fördergelder für die Flugtaxi-Firmen.

Die Zurückhaltung ist verständlich. Je näher eine Markteinführung, desto stärker rückt die Frage in den Vordergrund: Brauchen wir die Senkrechtstarter überhaupt? Verdienen sie eine staatliche Förderung? Viele Argumente scheinen dagegenzusprechen.

Punkt eins: Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Flugtaxis die Klimaprobleme des Verkehrs lösen. Klar ist, sie werden die bisherigen Verkehrsträger nur ergänzen, nicht ersetzen können – und lediglich auf ausgewählten Strecken und in ausgewählten Ländern wie etwa am Persischen Golf im Einsatz sein.

Flugtaxis ersetzen andere Verkehrsträger nicht

Ob sie jemals in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland eine Rolle spielen werden, ist fraglich. Zumal es klimafreundliche Verkehrsmittel gibt, die effizienter sind – zum Beispiel die Schiene. Gleise müssen zwar erst mit großem Aufwand und viel Beton gebaut werden. Dafür findet in einem Zug oder einer Straßenbahn aber auch ein Vielfaches an Fahrgästen Platz.

Punkt zwei: Daraus ergibt sich die Frage, ob es überhaupt langfristig tragfähige Geschäftsmodelle für die neuen Flugvehikel gibt. Sie werden zunächst nur etwas für vermögende Kunden sein. Durch die geringe Stückzahl pro Jahr ist die Produktion niemals wirtschaftlich zu betreiben.

Punkt drei: Die Senkrechtstarter sind zwar umweltfreundlich, aber sie brauchen Strom, am besten nachhaltig – und der ist begehrt. Ist es wirklich sinnvoll, den wertvollen grünen Strom für den Transport von nur wenigen Fluggästen zu verwenden? Hilft es der Umwelt nicht mehr, wenn damit zum Beispiel grüner Wasserstoff hergestellt wird?

Angesichts dieser kritischen Punkte scheint es nicht sonderlich klug zu sein, den Flugtaxi-Firmen Fördergelder zu überweisen. Doch halt!

Auch wenn Fluggeräte für VIP-Kunden keine staatliche Hilfe verdienen, die Technologie dahinter ist durchaus förderwürdig.

Punkt eins: Die fliegenden Taxis brauchen leichte Hochleistungsbatterien. Solche Akkus werden in Zukunft heiß begehrt sein. Elektrische Autos und Lkw benötigen starke Batterien, auch in der Schifffahrt können sie eingesetzt werden.

Volocopter und Lilium treiben die Entwicklung solcher Batterien voran. Zum einen, indem sie den Bedarf anmelden, zum anderen, indem sie eng mit Batteriespezialisten zusammenarbeiten. Lilium etwa kooperiert mit der Firma Customcells, die auch Porsche beliefert.

Punkt zwei: Auch jenseits der Batterie entstehen bei den Flugtaxis Technologien, die generell für die Elektrifizierung kleinerer Flugzeuge wichtig sind. Kaum jemand hat so viel Erfahrung mit elektrischen Triebwerken sammeln können wie die Ingenieure der Start-ups.

Die ersten Autos konnten sich nur Reiche leisten

Punkt drei: In der Mobilität fanden technologische Innovationen schon immer über die vermögende Klientel in den Markt. Die ersten Autos konnten sich nur Reiche leisten, ebenso wie das Fliegen. Erst später profitierte die Allgemeinheit von der Innovation.

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Das Fazit: Mit Lilium und Volocopter hat Deutschland gleich zwei Flugtaxi-Anbieter, die technologisch in der globalen Spitzengruppe sind. Es sollte im Interesse des Innovations- und Industriestandorts Deutschland sein, diese Führungsposition zu behalten. Fördergelder könnten verhindern, dass die Branche ins Ausland abwandert – wie schon so viele davor.

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