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  4. Es fließt wieder mehr Geld in M&A-Deals im Pharmabereich

M&AWird 2023 ein starkes Jahr für Deals in der Pharma-Branche?

Der positive Trend im Pharma-Bereich könnte anhalten. Doch die amerikanische Wettbewerbsbehörde erschwert Fusionen. Investoren fürchten um die Innovationskraft der Hersteller.Theresa Rauffmann, Maike Telgheder 07.07.2023 - 15:04 Uhr Artikel anhören

Düsseldorf, Frankfurt. Der Markt für Übernahmen und Fusionen (M&A) in der Pharmabranche erholt sich: Nach einem vergleichsweise schwachen Jahr 2022 wurden in der ersten Hälfte des Jahres Deals mit einem Volumen von mehr als 95 Milliarden Dollar angekündigt oder umgesetzt. Das geht aus einer Auswertung des Finanzdatendienstleisters Refinitiv hervor.

Damit ist der Umfang der Deals im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 84 Prozent gestiegen. Und Marktexperten sind auch für die zweite Jahreshälfte und darüber hinaus optimistisch.

Die fundamentalen Trends im Markt seien positiv, außerdem müssen große Pharmakonzerne ihre Medikamenten-Pipelines auffüllen, heißt es. Denn bei vielen laufen Blockbuster-Produkte aus – jene Medikamente, die mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz einbringen.

Anfangs stehen Neuentwicklungen unter Patentschutz und bringen den Unternehmen viel Geld ein. Doch nach einigen Jahren dürfen Nachahmermedikamente in den Markt drängen und die Preise fallen deutlich.

2023 könnte eines der besten Jahre für Pharma-M&As werden

„Die Unternehmen brauchen neue Wirkstoffkandidaten in ihrer Medikamenten-Pipeline“, sagt Christian Klingbeil, Partner im Bereich Deal Advisorys bei der Unternehmensberatung KPMG. Und auch Konstanz. In vielen Fällen, sagt Klingbeil, helfe ein strategisch sinnvoller Zukauf.

Große Pharmaunternehmen sind oft auf Deals und Kooperationen angewiesen, um neue, innovative Lösungen in ihr Portfolio integrieren zu können.

Foto: IMAGO / Shotshop

Tim Opler, Managing Director der Global Healthcare Group bei der Investmentbank Stifel, ergänzt, dass es gleichzeitig eine große Anzahl gut aufgestellter, verfügbarer Firmen gebe. Und: Die Preise seien unter Druck. Wenn das Dealvolumen der ersten sechs Monate auch in der zweiten Jahreshälfte erreicht wird, könnte 2023 nach Einschätzung Oplers das drittstärkste Pharma-M&A-Jahr nach 2014 und 2019 werden.

Große Pharmaunternehmen sind angesichts des breiten Forschungsfelds oft auf Zukäufe oder Kooperationen angewiesen: Mit Akquisitionen bekommen sie Zugang zu jungen, innovativen Technologien, etwa auf chemischer oder biotechnologischer Basis. „Das ist ein zentrales Element der Geschäftsmodelle von Big Pharma“, sagt KPMG-Partner Klingbeil.

Gleichzeitig seien junge, forschende Unternehmen darauf angewiesen, mit großen Playern Kooperationen einzugehen: „Die haben keine vergleichbaren Möglichkeiten, den Zugang zu Zulassungsprozessen effektiv zu gestalten.“ Zudem haben die Konzerne andere Hebel für Vertrieb und Vermarktung.

Die Jungunternehmen seien also darauf ausgerichtet, ihre Entwicklungen zu verkaufen, um das Geld dann wieder in ihre Forschungsaktivitäten stecken zu können. „Die Großen müssen von den Kleinen profitieren und die Kleinen von den Großen“, sagt Klingbeil.

Pfizer will 42 Milliarden Dollar für Krebsspezialisten Seagen zahlen

Der bisher größte Deal des Jahres ist laut Refinitiv der rund 42 Milliarden Dollar schwere Zukauf des Krebsspezialisten Seagen durch den US-Pharmakonzern Pfizer. Seagen gilt als Vorreiter einer neuen Klasse von Krebsmedikamenten, die in der Branche als sehr vielversprechend angesehen werden. Dabei geht es um sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, bei denen Antikörper mit einem Zellgift gekoppelt werden, das auf diese Weise gezielt zu den Tumorzellen transportiert werden kann.

Der Pfizer-Seagen-Deal ist die größte geplante Pharma-Akquisition seit mehr als vier Jahren, als Bristol Myers Squibb den Krebsspezialisten Celgene für 74 Milliarden Dollar übernahm – der bisher größte M&A-Deal überhaupt in der Pharmabranche. Marktexperten sehen das als Zeichen einer Positiventwicklung für das gesamte Segment.

Regulatorik, Zinsen und Inflation bremsen Akquisitionsgeschehen

Dennoch seien viele große Pharmaunternehmen derzeit noch zurückhaltend, sagt KPMG-Partner Klingbeil. Durch die Inflation, die geopolitischen Risiken und Regulierungen gebe es Unsicherheit im Markt: In den USA etwa soll der Inflation Reduction Act (IRA) Medikamentenpreise drücken, in Europa und Deutschland gibt es ebenfalls Regelungen, die die Preise senken.

Durch den Zinsanstieg ist es außerdem teurer, sich Geld für Deals zu beschaffen: „In den Jahren zuvor waren Akquisitionen für Unternehmen deutlich einfacher umzusetzen, weil der Fremdkapitalaufnahme sehr attraktive Konditionen gegenüberstanden“, so Klingbeil.

Klingbeil glaubt dennoch, dass der Trend hin zu großvolumigen Transaktionen geht. Dafür dürften auch die drohenden Umsatzeinbußen sorgen: Der US-Konzern Merck etwa, bei dessen 20 Milliarden Dollar schwerem Krebsmittel Keytruda ab 2028 erste Patente ablaufen, sicherte sich in der ersten Hälfte dieses Jahres für knapp elf Milliarden Dollar das auf Immunkrankheiten spezialisierte Unternehmen Prometheus.

Das Feld der Immunologie interessiere Käufer gerade besonders, beobachtet Stifel-Experte Opler. Auch Spezialisten für Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselkrankheiten seien gefragt. Die Onkologie, also die Behandlung von Krebs, sei nach wie vor ein „Frontrunner“, sagt Klingbeil von KPGM: „Da passiert unwahrscheinlich viel.“ Gleichzeitig gebe es aber auch eine Fokussierung auf Zell- und Gentherapien. Die hätten „einen prägenden Veränderungseinfluss auf aktuelle Pipeline-Strukturen und auf medizintechnische Lösungen“.

Wettbewerbsbehörde in den USA blockiert – ein schlechtes Zeichen?

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Allerdings versetzt in den USA derzeit die Wettbewerbsbehörde FTC den M&A-Tätigkeiten einen Dämpfer. Sie will mit einer Klage verhindern, dass der US-Konzern Amgen das irische Biotech-Unternehmen Horizon Therapeutics für knapp 28 Milliarden Dollar schluckt. Obwohl es im Portfolio der beiden Unternehmen nur geringe Überschneidungen gibt, werden mögliche Wettbewerbseinschränkungen als Risiko angeführt.

KPGM-Berater Klingbeil glaubt, dass es bei der Blockade auch um die Sorge geht, dass große Deals im Pharmasektor die Innovationskraft hemmen. Investoren befürchten nun, dass auch andere potenzielle Deals in der Pharmabranche gefährdet sein könnten. Die Unsicherheit sei dadurch erhöht, sagt auch der Marktexperte.

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