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Auktionen bei Grisebach US-Bieter konkurrieren um die Malerei der 1920er-Jahre

Das Berliner Auktionshaus Grisebach punktet mit Bildern aus der Zeit zwischen den Weltkriegen. Wertvolle Toplose bleiben jedoch ganz ohne Nachfrage.
09.12.2020 - 20:50 Uhr Kommentieren
Das Ölgemälde wurde für 709.000 Euro mit Aufgeld verkauft. Der einliefernde Reeder hatte 2007 noch 725.900 Euro bezahlt (Ausschnitt). Quelle: Photostudio Bartsch, Karen Bartsch, Berlin; Grisebach GmbH; VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Georg Tappert „Geisha-Revue“

Das Ölgemälde wurde für 709.000 Euro mit Aufgeld verkauft. Der einliefernde Reeder hatte 2007 noch 725.900 Euro bezahlt (Ausschnitt).

(Foto: Photostudio Bartsch, Karen Bartsch, Berlin; Grisebach GmbH; VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Berlin Es war eine Sitzung der starken Kontraste. Grisebachs zentrale Abendauktion ausgewählter Werke, die am 3. Dezember im Pandemie bedingt lückenhaft besetzten Versteigerungssaal stattfand, machte 18 der 57 Lose zu Rohrkrepierern. Zu ihnen zählten alle drei illustren Meissen-Lose aus süddeutschem Privatbesitz. Sie wirkten in diesem Rahmen eher deplatziert.

Zudem fehlte bei dem fünfteiligen Vasensatz, der 2005 aus der Porzellansammlung Hoffmann bei Christie’s für umgerechnet 192.000 Euro versteigert worden war und jetzt 200.000 bis 300.000 Euro bringen sollte, eine Beschreibung der Restaurierungen. Die waren in dem britischen Katalog exakt definiert. Zu den schmerzhaften Rückgängen zählen auch wertvolle Bilder von Lyonel Feininger, Alexej von Jawlensky und Max Ernst.

Zum Ausgleich gab es hohe telefonische Gebote für deutsche Malerei aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Sie belebt jetzt den an Materialmangel krankenden Markt. Im Mittelpunkt stand Georg Tapperts großformatige „Geisha-Revue“ von 1911/1913, die auf der Leinwandrückseite die Darstellung zweier Akte trägt. Der flirrende Tanz auf dem Vulkan wurde für brutto 709.000 Euro einem amerikanischen Museum der Ostküste zugeschlagen. Alle Preise im Folgenden mit Aufgeld, ohne Mehrwertsteuer.

Das Ölbild war neben sieben anderen Werken eine Einlieferung der griechischen Sammlung Economou, die im Katalog nur als „Privatsammlung, Europa“ ausgewiesen wurde. Der Reeder hatte diese Bilder in den Jahren 2007 bis 2010 in der Villa Grisebach zu Spitzenpreisen ersteigern lassen. Das stark farbige, ornamental auftrumpfende Gemälde hatte hier im November 2007 brutto 725.900 Euro erlöst – damals ein Rekordpreis.

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    Die empfindlichste Einbuße musste der griechische Sammler bei dem Großformat „Beziehung 2“ von Eberhard Havekost hinnehmen. Es hatte im Juni 2007 auf dem Höhepunkt des Hypes für den Dresdner Maler 296.800 Euro realisiert. Jetzt floppte das Bild mit einer Taxe von 70.000 bis 90.000 Euro.

    Das 1925 auf Karton gemalte Ölbild war am Telefon bei Grisebach sehr begehrt (Ausschnitt). Quelle: Photostudio Bartsch, Karen Bartsch, Berlin / Grisebach GmbH; VG Bild-Kunst, Bonn 2020
    Hans Grundig „Mädchen mit rosa Hut“

    Das 1925 auf Karton gemalte Ölbild war am Telefon bei Grisebach sehr begehrt (Ausschnitt).

    (Foto: Photostudio Bartsch, Karen Bartsch, Berlin / Grisebach GmbH; VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

    Einen stolzen Gewinn brachte dem Reeder dagegen Hans Grundigs Gemälde „Mädchen mit rosa Hut“ von 1925. Es hatte 2009 brutto 124.950 Euro eingespielt und stieg jetzt telefonisch auf 337.500 Euro. Generell lässt sich beobachten, dass die Malerei der 1920er-Jahre gerade eine Aufwertung erfährt. Sie wird vor allem von amerikanischen Museen und Privatsammlern getragen; gründet aber auch im Mangel an herausragender Malerei des Expressionismus.

    Diesen Trend belegen auch die 275.000 Euro, die ein amerikanischer Sammler in Albert Birkles 1924 datiertes Breitwandbild „Kreuztragung (Friedrichstraße)“ investierte. Der Maler schildert darin die heterogene Gesellschaft schonungslos direkt. 2006 hatte das Gemälde noch 197.000 Euro eingebracht.

    Die Gattin als Madonna dargestellt

    Deutlich wurde die Aufwertung der wilden zwanziger Jahre auch bei dem aus Sachsen-Anhalt eingelieferten Porträt „Speedy als Madonna“. Der Maler Rudolf Schlichter stellte 1934 seine lebenslustige Gattin in der Manier einer Bellini-Madonna in eine Hügellandschaft. Das Gemälde überrundete mit 262.500 Euro spielend seine Schätzung.

    Den höchsten Preis der sechsteiligen Auktionsserie erzielte Max Liebermanns „Große Seestraße in Wannsee“ der Jahre um 1920. Sie fiel für 745.000 Euro an einen deutschen Privatsammler. Liebermanns Wannseegarten-Bild hingegen ging zurück.

    Der dänische Künstler war der Star der lebhaften Auktion zeitgenössischer Kunst. Seine 200 x 300 cm große Landschaft von 2006 brachte durch britisches Händlergebot den erwarteten Preis von 375.000 Euro. Quelle: Grisebach GmbH
    Per Kirkeby

    Der dänische Künstler war der Star der lebhaften Auktion zeitgenössischer Kunst. Seine 200 x 300 cm große Landschaft von 2006 brachte durch britisches Händlergebot den erwarteten Preis von 375.000 Euro.

    (Foto: Grisebach GmbH)

    Einen Rekordpreis bescherte ein rotes Frühwerk von Arnulf Rainer, das vom Ausrufpreis 120.000 auf 400.000 Euro stieg. Die kontinuierliche Aufwertung Rainers auf höchstem Niveau bestätigte auch die Tagauktion. Dort ließ sich eine markante Gruppe von fünf Arnulf Rainer-Werken problemlos absetzen. Die Höchstnotierung von 212.500 Euro galt dem blau-schwarzen Werk „Monte“. Es kam aus der Sammlung des Kunsthändlerpaares Raffaela und Thomas von Salis und war auf maximal 70.000 Euro geschätzt.

    Eine weitere Rekordsumme in der Abendauktion sind auch die 137.500 Euro für einen der 110 edierten Filzanzüge von Joseph Beuys. Im Vorfeld des Ausstellungsreigens aus Anlass von Beuys‘ 100. Geburtstags findet er seinen Weg in eine amerikanische Privatsammlung.

    Komplettverkauf der Sammlung Calábria

    Keine so großen Summen waren für die 89 Werke der Sammlung Mário Calábria zu erwarten, die der in Ost-Berlin stationierte Botschafter Brasiliens zusammengetragen hatte. Non-konformistische Kunst der DDR, abstrakte und konstruktivistische Arbeiten des Westens erreichten aber eine Verkaufsquote von fast 100 Prozent nach Losen und eine Verdoppelung der Schätzung.

    Die höchsten Zuschläge lagen bei je 100.000 Euro für Hermann Glöckners „Kreise in Graustufen auf Schwarz und Weiß“ und Almir Mavigniers helles Punktbild von 1961. Die meisten Zuschläge notierten vierstellig.

    Per Kirkeby war der Star der lebhaften Auktion zeitgenössischer Kunst. Seine 200 x 300 cm große Landschaft von 2006 brachte durch britisches Händlergebot den erwarteten Preis von 375.000 Euro. Einen hohen Zuschlag von 137.500 Euro gab es in der Auktion von Kunst des 19. Jahrhunderts für das kleine Abendbild „Schiffsmühle auf der Elbe bei Dresden“ des Dresdners Carl Gustav Carus. Das romantische Nachtbild sicherte sich ein Sammler aus Sachsen. Brutto 50.000 Euro war das Höchstgebot in der von vielen Online-Bietern frequentierten Foto-Auktion.

    Das vom Haus genannte Gesamtergebnis für die Herbstauktionen liegt bei 17,2 Millionen Euro und damit über dem Frühjahrserlös von 16 Millionen. Grisebach-Gesellschafterin Micaela Kapitzky resümiert: „Das Meiste ging über Telefone an Privat. Aber es gab auch Online-Gebote in neuer Höhe, die vermehrte Aktivität in diesem Bereich anzeigen.“

    Mehr: Grisebach Kunstauktionen: Der neue Abteilungsleiter will Kunst zum Erlebnis machen

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