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Langes Kunstwochenende Warum die „DC Open“ in Düsseldorf und Köln so wichtig ist

Zum zwölften Mal eröffnen Top-Galerien in Köln und Düsseldorf gemeinsam die Saison. Alle zeigen das Beste und hoffen auf ein Ende der Covid-Stagnation.
03.09.2020 - 17:43 Uhr Kommentieren
Imi Knoebels tanzende Flächen
Blick in die Galerie Christian Lethert

Imi Knoebels tanzende Flächen "Kadmiumrot 4" aus der Sammlung von Axel Ciesielski soll 450.000 Euro kosten.

(Foto: VG Bild-Kunst 2020/Galerie Christian Lethert )

Düsseldorf Die Adresse könnte nicht berühmter sein. Das puristische Beton-Haus, das der niederländische Architekt Aldo van Eyck 1971 dem legendären Avantgarde-Galeristen Alfred Schmela in der Düsseldorfer Mutter-Ey-Straße 3 gebaut hatte, ist nun wieder Galerie. Einer Idee von Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung NRW und aktuelle Mieterin des Architekturjuwels, folgend, sind Vater Hans und Sohn Max Mayer jeweils mit ihrer Galerie als Untermieter eingezogen.

Die Wiederbelebung dieses einmaligen Orts mit Kunst ist einer der Höhepunkte der 12. „DC Open“. Unter diesem Markennamen starten die Galerien in Düsseldorf und Köln gemeinsam mit einem langen Eröffnungswochenende in die Herbstsaison. In Düsseldorf zeigen 21 Galerien ihr Bestes, in Köln 31. Für alle ist das Coronajahr mit Einbußen an Aufmerksamkeit und Umsatz verbunden.

Zuletzt hat die Art Basel ihre Messe in Miami Beach abgesagt. Für alle werden die DC Open ein Testlauf, wie das Publikum auf zeitgenössische Kunst reagiert. Ob die Freude an den Denkräumen sie zu öffnen versteht und auch in beherzte Ankäufe mündet. Denn bislang fehlte den meistern Sammlern die Stimmung, Geld auszugeben und sich etwas Gutes zu tun.

Max und Hans Mayer haben ihren Neustart am historischen Ort bewusst auf das erste Septemberwochenende gelegt, denn zu den zahlreichen DC-Eröffnungen reisen nicht nur Sammler aus dem Rheinland an, sondern auch aus Belgien und Holland. Wie der bereits 1980 verstorbene Alfred Schmela ist auch Hans Mayer selbst Galeristenlegende und bald 50 Jahre in Düsseldorf. Heute könne er kaum noch zehn oder fünfzehn hochkarätige Werke seiner berühmten Stammkünstler zusammentragen, „weil deren Preise derart explodiert sind“, bemerkt der Senior dem Handelsblatt gegenüber.

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    Dann lieber nur ein Werk zeigen, das es aber in sich hat. Im ersten Stock des Schmela-Hauses hat die Video-Installation „Columbus (Eco-Lumbus)“ von Nam June Paik aus dem Jahr 1991 ihren großen Auftritt. Den Amerika-Entdecker baut der 2006 verstorbene Videopionier aus flimmernden TVs in Radiogehäusen auf und lässt die roboterähnliche Gestalt aus einem Schiffsbug hervorragen. Kolumbus scheint hier weniger kriegerischer Eroberer als vielmehr ein um das Ökosystem bedachter Zeitgenosse. Für 750.000 Euro wechselt das museale Werk den Besitzer.

    Ei Arakawa
    Honorarrechnung

    Ei Arakawa "Single’s Night": Der Künstler rechnet das Honorar für eine Performance um in den Minutenlohn.

    (Foto: Galerie Max Mayer)

    Max Mayer hat sich in den letzten neun Jahren einen Namen gemacht mit Künstlern seiner Generation. Auf das medial vermittelte Fernsehbild bei Nam June Paik antwortet der 37-Jährige mit elektronischen Bildern von Münzen, konzipiert von Ei Arakawa. Der aus Japan stammende Künstler reflektiert die ökonomischen Bedingungen des Kunstmachens. Dafür hat er das Honorar seiner Performances in Museen umgerechnet in einen geradezu lächerlichen Minutenpreis.

    Und so flimmern Rundbilder kleinster Münzen durch das Untergeschoss des Schmela-Hauses. Und selbstverständlich kosten diese Installationen Bruchteile von dem, was Sammler heute für Paik-Skulpturen zu berappen haben. Für Beträge zwischen 16.000 und 18.000 Euro sind die Kunst-Münzen zu haben. Immer gilt: Wer als Sammler nicht viel bezahlen will, muss früh einsteigen. Das Risiko, wie bedeutend eine Position in der Rückschau wird, gehört dazu und erhöht die Freude.

    Thomas Rehbein ist seit 30 Jahren Galerist in Köln. Für ihn sind die DC Open nicht nur eine Verkaufs- und Gesprächsplattform. Die kollegiale Allianz über Stadtgrenzen hinweg ist „zugleich ein Signal an die Politik, dass wir Galeristen auch ein Wirtschaftszweig sind. Dass wir zusammenhalten. Und dass wir die Öffentlichkeit motivieren, sich mit Kunst und Kultur zu beschäftigen.“

    Heinz Breloh
    Konzept mit sinnlichem Aspekt

    Heinz Breloh "Ohne Titel": Eine der Keramikskulpturen, mit denen die Galerie Rehbein den Künstler wieder ins Gespräch bringt.

    (Foto: Thomas Rehbein Galerie)

    Galerist Rehbein vertritt seit Kurzem den Nachlass des Bildhauers Heinz Breloh (1940 – 2001). Und zeigt einen Querschnitt aus dessen vielfältigem Oeuvre. Den Galeristen fasziniert, wie Breloh die Strenge eines Konzepts in einer sinnlichen, oft körperbezogenen Form zu bewahren versteht. Die Keramiken und dazu passenden Zeichnungen liegen im Bereich zwischen 8.000 und 50.000 Euro.

    Starke Bilder nur aus Pluszeichen

    Der junge Galerist Falko Alexander legt den Fokus auf die am Computer erzeugten, verschränkten Bildwelten des Malers Tim Berresheim. Das Kölner Urgestein Karsten Greve präsentiert unter dem Titel „Highlight“ einen der wenigen gänzlich abstrakten Meister aus China, Ding Yi. Der 58-Jährige beschäftigte sich im Lockdown mit der Darstellung von Neonlichtern, Scheinwerfern, Autokolonnen und Werbetafeln. Es ist verblüffend, welche Stimmungen Ding allein mit dem Pluszeichen als bildnerischem Mittel erzeugen kann.

    Christian Lethert rückt keinen Künstler, sondern ein ganzes Sammlerleben in den Mittelpunkt seiner Schau. Und zeigt eine Auswahl von Werken, die Axel Ciesielski (1944 – 2019) erworben hatte. Der Unternehmer hat nicht nur die Editionen von Sigmar Polke vollständig gesammelt. Er hat auch Arbeiten von dessen Lehrer K.O. Goetz angekauft und von den Beuys-Schülern Imi Knoebel, Felix Droese und Katharina Sieverding. Bei den Jüngeren hat er sich für Gereon Krebber, Alicja Kwade und Jorinde Voigt begeistert.

    Nur zwei Werke sind in der Erinnerungsschau an den leidenschaftlichen Sammler verkäuflich: Imi Knoebels mächtiges Bild „Kadmiumrot 4“ von 1975/2018 für 450.000 Euro und Lutz Fritschs „Position B2“ aus dem Jahr 2018 zu 9.000 Euro.

    Wer auch in Düsseldorf eine stimmige Gruppenschau besuchen möchte, sollte die Konrad Fischer Galerie ansteuern. Hier bringt das Thema „Umgang mit der Linie“ verschiedene Generationen, Temperamente und Nationen zusammen. Während die „39 Aluminum Line“ des Minimal Altmeisters Carl Andre aus geradeaus gelegten Platten am Boden besteht, zupft Edith Dekyndt in einem mühsamen Exerzitium mit der Pinzette Fäden aus Küchenhandtüchern. Was bleibt, sind sehr feine und fragile Bilder aus Liniengeflecht an der Wand. Welche unerwarteten ästhetischen Reize banale, braune Klebebänder entfalten können, führt die heute 85-jährige Amerikanerin Merrill Wagner vor.

    Kunst aus Licht

    Weniger mit harten Linien als mit nuancenreichem Licht, das den Innenraum des Ateliers oder Landschaften strukturiert, arbeiten der Maler Albrecht Schäfer und die Fotografen Laurenz Berges und Bernhard Fuchs. Die Galeristin Petra Rinck hat die drei unter dem Motto „Licht“ zusammengeführt. Die Ausstellung in der Düsseldorfer Birkenstraße wirkt ruhig, sie konzentriert den Blick. Hier werden Auge und Geist geöffnet für Stimmungen, aber auch für Komposition und Details.

    Die gemeinsamen Galerieeröffnungen haben aus Sicht der Besucher zwei Vorteile. Alle Teilnehmer haben von Freitag bis Sonntag geöffnet. Und die Kunst-Flaneure müssen meist nur um die Ecke laufen, um einen weiteren Teilnehmer und einen ganz anderen künstlerischen Kosmos anzutreffen.

    Auf dem Weg vom Galerienkiez in Flingern zu den Galerien in Düsseldorfs Innenstadt kommt man bei wildpalms vorbei. Hier stellen Jorge Sanguino und Alexandra Meffert Positionen aus Mittel- und Südamerika vor. „Passage“ heißt ihre aktuelle Schau. Ein kluger Titel, denn von Übergängen sind Leben wie Kunst geprägt – nicht nur zu Corona-Zeiten.

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