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Moderne und zeitgenössische Kunst Bei singulären Werken laufen die Telefone heiß

Länger nicht dagewesen: Lempertz verbucht mit seiner Abendversteigerung 13,6 Millionen Euro Umsatz. Besonders aktiv sind deutsche Privatsammler.
24.06.2021 - 11:34 Uhr Kommentieren
Die dekorative Leinwand erzielte einen Rekordzuschlag von 1.052.000 Euro (Ausschnitt). Quelle: Lempertz
Zdeněk Sýkora „Linien Nr. 31“

Die dekorative Leinwand erzielte einen Rekordzuschlag von 1.052.000 Euro (Ausschnitt).

(Foto: Lempertz)

Düsseldorf Mit den Auktionen der Moderne und der zeitgenössischen Kunst konnte Lempertz eigenen Angaben zufolge 13,6 Millionen Euro umsetzen – und ein Ergebnis erzielen, das deutlich über dem seiner entsprechenden Auktionen der letzten Jahre liegt. Der Erfolg vor allem der Abendauktion am 17. Juni ist auf ein Angebot zurückzuführen, das neben aktiven deutschen Sammlern potente ausländische Bieter anzog.

Mehr Telefone als Internetgebote waren im Einsatz, denn so die Aussage des Auktionators Henrik Hanstein: „Telefonisches Bieten ist sicherer wegen der zwei Sekunden Verzögerung. Das Telefon ist immer in Echtzeit dabei“.

Die Tendenz, bei außergewöhnlichen Werken weit über die Schätzung zu gehen, zeigte sich schon zu Beginn der Versteigerung, als William Copleys ironisches Acrylbild von 1994, in dem sich ein Paar unter einem Gemälde mit dem „Letzten Abendmahl“ entspannt, von geschätzten 80.000 auf 262.500 Euro stieg – brutto wie alle folgenden Preise. Hier setzte sich ein Berliner Sammler gegen Kölner Gebote durch.

Der große blaue Yves Klein-Schwamm, ein Unikat mit der historischen Provenienz Hanns Hülsberg, figurierte bereits 1961 in einer Ausstellung im Krefelder Museum Haus Lange. Ein Zürcher Sammler setzte sich mit 1,2 Millionen Euro, dem Doppelten der oberen Taxe, gegen Gebote aus Belgien, Frankreich und Irland durch.

Die im Kunstwerk selbst als „unverkäuflicher Probeguss“ bezeichnete posthume Bronze von Oskar Schlemmers 1919 konzipierter „Bauplastik R“ brachte mit 250.000 Euro den erwarteten hohen Preis. Max Ernsts charakteristisches Spätwerk aber, das collagierte Ölbild „Mer agitée, Soleil“, blieb mit 620.000 Euro im Bereich der unteren Schätzung.

Das ironische Acrylbild von 1994, in dem sich ein Paar unter einem Gemälde mit dem „Letzten Abendmahl“ entspannt, stieg von geschätzten 80.000 auf 262.500 Euro. Quelle: Lempertz
William Nelson Copley

Das ironische Acrylbild von 1994, in dem sich ein Paar unter einem Gemälde mit dem „Letzten Abendmahl“ entspannt, stieg von geschätzten 80.000 auf 262.500 Euro.

(Foto: Lempertz)

Das in wilden Farbschwüngen komponierte Ölbild „Linien Nr. 31“ des tschechischen Abstrakten Zdenek Sýkora war auf maximal 220.000 Euro geschätzt. Doch zwölf Telefone liefen heiß, als sein Preis vom Anfangsgebot 250.000 Euro durch immer neue tschechische Bieter auf 1,05 Millionen Euro stieg.

Seit zehn Jahren ist Sýkora ein von tschechischen Sammlern begehrter Star in den Lempertz-Auktionen, in denen sich die Preise stetig von 80.000 Euro bis in die Rekordhöhe vorgekämpft haben.

Ein zweiter tschechischer Künstler des Abends war der dem Kubismus verbundene Otakar Kubin, dessen Porträt „In Gedanken“ von 80.000 auf brutto 200.000 Euro stieg. Das rückseitige Label der Berliner Galerie „Der Sturm“ von 1914 feuerte einen Prager Sammler zum Höchstgebot an.

Über die Höchsttaxe hob eine Genfer Firma Ernst Wilhelm Nays Ölbild „In Blockformen“ von 1953. Das beidseitig bemalte Ölbild hatte 2014 im selben Saal 161.200 Euro eingespielt. Es kam jetzt aus einer rheinischen Sammlung und erlöste nunmehr 275.000 Euro.

Es gab noch zahlreiche weitere Zuschläge, die deutlich über den Schätzungen lagen. Dass der in seiner Frühzeit dem Expressionismus verpflichtete magische Realist Franz Radziwill nicht nur bei norddeutschen Sammlern begehrt ist, zeigte sich beim Ausgebot zweier Gemälde.

Die Skulptur verdreifachte ihre Taxe auf 1,2 Millionen Euro. Quelle: Lempertz / VG Bild-Kunst
Yves Klein „Sculpture éponge bleue sans titre (SE 328)“

Die Skulptur verdreifachte ihre Taxe auf 1,2 Millionen Euro.

(Foto: Lempertz / VG Bild-Kunst)

Das erste, ein an Schmidt-Rottluff erinnernde Frühwerk „Landschaft mit gelben Bäumen“ ging für 200.000 Euro in eine norddeutsche Privatsammlung. Das zweite, die 1947 datierte „Landschaft mit zwei Felsen“ fiel für 150.000 Euro an einen Bieter aus Tokio.

Ein belgischer Sammler begeisterte sich mit dem Einsatz von 644.000 Euro für ein Ölbild der Südafrikanerin Marlene Dumas, das in markantem vertikalem Pinselstrich eine vor dem Fenster stehende weibliche Rückenfigur zeigt. Es ist ein stattlicher Preis für das nur 60 x 50 cm große, relativ düstere Bild.

Ein asiatischer Käufer erhielt den Zuschlag bei 225.000 Euro für das auf Fensterglas gemalte Acrylbild eine Gitarre spielenden Mädchens von Yoshitomo Nara, ein strahlender Vorläufer seiner späteren meist hinterhältigen Geschöpfe.

Einen Online-Applaus des Künstlers Helmut Middendorf in die Auktion gab es, als seine flammend rote Clubszene „In Red Night“ für 90.000 Euro einem süddeutschen Sammler zugeschlagen wurde. Der beobachtende Maler freute sich offensichtlich über den Preis, der mehr als das Doppelte seiner generellen Auktionserlöse ausmachte.

Zwei starke Preise würzten den letzten Teil der Auktion. Ein bayerischer Sammler setzte 137.500 Euro statt der erwarteten 40.000 Euro ein für einen von sechs Güssen der Bronze „Kreuz VI“ des Bildhauers Fritz Koenig (1924–2017). Dessen berühmte goldene Kugel hat den Anschlag auf das World Trade Center 2001 überlebt.

In den Londoner Handel wandert für 106.250 Euro das geheimnisvolle Christian Schad-Gemälde „Das Licht“, in dem ein träumerisches Frauengesicht neben düsterer Treppe erscheint, die ins Licht nach oben führt.

Mehr: Grisebach Auktionen: Online-Kunden sind mit Höchstgeboten dabei

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