European Payments Initiative: Europas Großbanken ringen heftig um den Aufbau eines eigenen Zahlungssystems
Europäischen Großbanken schwebt vor, ein eigenes Zahlungssystem zu starten – inklusive neuer Bezahlkarten.
Foto: Robert Kneschke - stock.adobe.comFrankfurt. Die Entscheidung für oder gegen den Aufbau eines europäischen Zahlungssystems zieht sich hin. Zahlreiche Großbanken konnten sich bei einer Sitzung am Montagabend nicht darauf verständigen, welche Institute sich an der Finanzierung der European Payment Initiative (EPI) beteiligen.
Die EPI-Interimsgesellschaft gibt sich jedoch weiter optimistisch. Bei der Sitzung sei ein wichtiger Schritt vollzogen worden, erklärte sie am Dienstag. „Der EPI-Aufsichtsrat hat seine Absicht erklärt, die EPI-Interimsgesellschaft in eine Zielgesellschaft umzuwandeln.“ Die Anteilseigener müssten nun ihre eigenen, internen Entscheidungsprozesse beenden. „Die Liste der Beteiligten an der EPI Holding Company wird bis Jahresende bekannt sein.“
Geplant sind Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. 31 europäische Großbanken, darunter die deutschen Sparkassen, sowie zwei Zahlungsdienstleister haben das EPI-Projekt gestartet. Ein eigenes Zahlungssystem soll sie unabhängiger von mächtigen US-Konzernen wie Mastercard, Visa und Paypal machen.
Die deutschen Banken stehen hinter der EPI-Entwicklung. Nach den Sparkassen und der Commerzbank hat nach Handelsblatt-Informationen am Montagvormittag auch die genossenschaftliche DZ Bank entschieden, das Projekt weiter zu unterstützen. Die Deutsche Bank gilt ebenfalls als EPI-Befürworter.
Intensive Diskussionen gibt es dagegen weiter mit den spanischen Geldhäusern. Diese haben für die Entwicklung von EPI Finanzkreisen am Montagabend relativ weitgehende Forderungen gestellt, was bei einigen Geldhäusern aus anderen Mitgliedstaaten nicht besonders gut ankam.
In den kommenden Wochen wollen sich alle Beteiligten nun um einen Interessenausgleich bemühen. Mit den Verhandlungen vertraute Personen sind verhalten optimistisch, dass dies gelingen wird. Die formalen Investitionsentscheidungen sollen Finanzkreisen zufolge dann bis Mitte Januar fallen.
Genossenschaftsbanken fordern konsequente Umsetzung
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) bezeichnete die Beschlüsse im EPI-Aufsichtsrat als weiteren Zwischenschritt für den Aufbau eines pan-europäischen Bezahlsystems. „Wichtig bleibt, dass sich in Europa ausreichend Länder EPI anschließen“, sagte BVR-Vorstandsmitglied Andreas Martin.
„Nun kommt es darauf an, dass im EPI-Projekt die verschiedenen Arbeitspakete entlang der gesetzten Ziele konsequent voranschreiten, um Verbrauchern und Unternehmen in Europa eine einheitliche Bezahllösung über alle Kanäle mit echtem Mehrwert zu bieten“, betonte Martin. Die genossenschaftliche Finanzgruppe unterstütze diesen europäischen Ansatz und bringe sich dabei aktiv ein.
Positiv beurteilen es die EPI-Befürworter, dass sich sieben EU-Länder kürzlich in einem Positionspapier für ein einheitliches europäisches Zahlungssystem starkgemacht haben. Zu den Unterzeichnern zählten dabei neben Deutschland auch Frankreich, Spanien, die Niederlande, Polen, Finnland und Belgien. Geldhäuser aus Spanien und den Niederlanden haben Finanzkreisen zufolge jedoch nach wie vor Gesprächsbedarf.
Die deutsche Ampelkoalition hatte sich dagegen positiv zu EPI geäußert. „Europa braucht eine eigenständige Zahlungsverkehrsinfrastruktur und offene Schnittstellen für einen barrierefreien Zugang zu digitalen Finanzdienstleistungen für alle Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Händler“, heißt es im Koalitionsvertrag. Die Bundesbank unterstützt EPI ebenso.
Die europäischen Banken wollen mit EPI verhindern, dass der lukrative Zahlungsverkehrsmarkt künftig allein in der Hand von US-Unternehmen wie Mastercard und Visa ist. Über Mastercard und Visa läuft bislang die Abwicklung grenzüberschreitender Kartenzahlungen, auch einige nationale Kartensysteme beruhen auf Systemen der beiden US-Konzerne.
Die bisherigen Pläne sehen vor, dass es neben einer physischen Bezahlkarte, die zumindest EPI-kompatibel ist, eine digitale Geldbörse – im Fachjargon Wallet – mit digitalisierten Bezahlkarten geben soll.
Zudem will EPI Onlinezahlungen sowie Handy-zu-Handy-Zahlungen ermöglichen und so auch dem Onlinebezahldienst Paypal etwas entgegensetzen. Paypal hat in vielen europäischen Ländern einen großen Marktanteil bei Onlinezahlungen. Das neue Zahlungssystem soll auf Echtzeitzahlungen basieren.