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  5. Klimastresstest der EZB: Wie gut sind Großbanken vor Klimarisiken geschützt?

NachhaltigkeitDrei Grad Erderwärmung, Preissprung bei CO2-Emissionen, Hitzewellen: EZB-Klimastresstest startet

Die Bankenaufsicht der EZB will herausfinden, wie gut Großbanken gegen Klimarisiken gewappnet sind. Im Sommer sollen erste Ergebnisse veröffentlicht werden.Elisabeth Atzler, Yasmin Osman 27.01.2022 - 16:23 Uhr Artikel anhören

Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank will sich bis Sommer einen ersten Überblick dazu verschaffen, wie große Geldhäuser gegen Klimarisiken gewappnet sind.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag einen sogenannten Klimastresstest gestartet. Die großen Banken der Eurozone sollen mögliche Folgen des Klimawandels durchkalkulieren. Damit will die EZB feststellen, wie gut die Institute dagegen gewappnet sind. Die Ergebnisse sollen im Juli veröffentlicht werden, teilte die EZB mit.

Zum einen können Banken vom Klimawandel und dem notwendigen klimaschonenden Umbau der Wirtschaft betroffen sein, wenn sie Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß Geld geliehen haben. Zum anderen müssen die Geldhäuser mit Folgen rechnen, wenn sie Kredite in Gegenden vergeben haben, die von Umweltkatastrophen physisch bedroht sein könnten.

Bei dem Klimatest geht es nicht darum, einzelne Banken bestehen oder durchfallen zu lassen. Die Ergebnisse sollen zunächst auch keine Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen haben, die Bankenaufseher den Instituten abverlangen. „Der Test ist ein Lernprozess sowohl für die Banken als auch für die Aufseher“, erklärte die EZB, die die größten 115 Geldhäuser der Eurozone direkt überwacht.

Langfristig allerdings rechnen Beobachter und Aufsichtsbehörden sehr wohl damit, dass Banken beispielsweise Kredite an Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß mit mehr Kapital unterlegen müssen, weil diese Darlehen höhere Risiken bergen. Klimarisiken seien „eine der Hauptherausforderungen für Banken und Bankenaufseher in den kommenden Jahren“, hatte die EZB Ende vergangenen Jahres betont. Aus ihrer Sicht haben die Institute zwar Fortschritte dabei gemacht, solche Gefahren zu berücksichtigen, allerdings halten die Bankenaufseher das Tempo für zu gering.

Banken sollen Folgen von Trockenheit und Hochwasser berechnen

Der Stresstest beinhaltet mehrere Komponenten: Einen Fragebogen, bei dem es um die internen Stresstest-Fähigkeiten der Geldhäuser geht, ein Vergleich unter den Banken, wie nachhaltig ihre Geschäftsmodelle und wie hoch ihr Engagement in klimaschädliche Unternehmen ist, sowie den eigentlichen Stresstest.

Für den Härtetest müssen die Banken ganz unterschiedliche Klima-Szenarien durchkalkulieren. Zum einen geht es um die Risiken beim klimaneutralen Umbau der Wirtschaft. Das Spektrum reicht von der Annahme, dass dieser Umbau planmäßig stattfindet und die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt, bis hin zu einem „Treibhaus“-Szenario („the hot house world scenario“), in dem Klimaschutzmaßnahmen ausbleiben und die Erderwärmung auf drei Grad steigt. Das „Treibhaus“-Szenario führt zu Risiken, weil Naturkatastrophen häufiger und in extremem Ausmaß auftreten.

Das mittlere Szenario geht davon aus, dass passende politische Vorgaben zunächst fehlen, dann aber zu einem späteren Zeitpunkt harte Einschnitte und Regeln folgen, um zumindest das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Teil dieses mittleren Szenarios ist außerdem, dass der Preis für CO2-Emissionen entweder binnen drei Jahren drastisch ansteigt oder dass der Preis zu einem späteren Zeitpunkt plötzlich und unerwartet in die Höhe schnellt.

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In weiteren Szenarien kalkuliert die EZB physische Risiken wie ernsthafte Hitzewellen, Dürren und Flutkatastrophen ein. Konkret gibt die Zentralbank für die Berechnung vor, dass die Hitzewelle in Europa am 1. Januar 2022 begonnen habe. Das sei natürlich unrealistisch, habe aber den Vorteil, dass man die Berechnung auf das gesamte laufende Jahr beziehen könne, so die EZB. Ähnliches gilt für das Szenario von Hochwassern ab Januar.

Beim nun gestarteten Klimastresstest sollen die Banken ab März die entsprechenden Dokumente an die Aufsicht schicken. Die EZB werde dann mit den Geldhäusern in Austausch treten und „faire und konsistente Ergebnisse“ sicherstellen.

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