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VersicherungGeschäft mit Lebensversicherung und Riester-Rente bricht ein

Zinswende und Inflation belasten das Geschäft mit der privaten Altersvorsorge, beobachtet der Branchenverband GDV. Unter Druck gerät insbesondere die Riester-Rente.Christian Schnell 05.04.2023 - 08:51 Uhr Artikel anhören

Vor allem bei Lebensversicherungen sind tiefere Einnahmen zu erwarten.

Foto: dpa

München. Im Neugeschäft mit Lebensversicherungen dürfte es im laufenden Jahr starke Einbußen geben. Der Branchenverband GDV rechnet mit einem Beitragsminus von 5,5 Prozent im Vergleich zu den 97 Milliarden Euro aus dem Vorjahr, wie er an diesem Dienstag bekannt gab.

Noch im Januar waren die rund 80 Lebensversicherer am deutschen Markt von einem leichten Beitragsplus ausgegangen. „Die realen Einkommensrückgänge und die ungewöhnlich hohe Unsicherheit belasten das Geschäft in der Lebensversicherung“, begründete Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV, diese Entwicklung.

Damit setzt sich der Abwärtstrend des einstmals liebsten Altersvorsorgeprodukts der Deutschen fort. Schon im vergangenen Jahr sanken die Einnahmen um rund sechs Prozent auf 97 Milliarden Euro. Ein wesentlicher Grund ist die Zinswende, die Anlageprodukte im festverzinslichen Bereich wieder attraktiv macht. In den Jahren der Null- und Negativzinsen nutzten viele Anleger die Lebensversicherung als sicheres Anlagevehikel, das zumindest geringe Zinsen versprach. Sie investierten häufig hohe Einmalbeiträge in diese Anlageform.

Lebensversicherung: Zinssatz nicht mehr attraktiv

Das gibt es inzwischen kaum noch. Zwar sind auch bei Lebensversicherungen erste Tendenzen zu steigenden Zinsen zu erkennen. Die Trendwende gelingt jedoch nur langsam. Das Analysehaus Morgen & Morgen hatte zuletzt im Schnitt eine laufende Verzinsung von 2,1 Prozent errechnet, nach 1,9 Prozent ein Jahr davor.

Dass es trotz massiver Zinsschritte der Notenbanken nicht schneller nach oben geht, liegt besonders an der Anlagepolitik der Lebensversicherer, die strengen gesetzlichen Vorgaben unterliegt. In den Portfolios der Lebensversicherer befinden sich vor allem langlaufende Staatsanleihen aus früheren Jahren, die die Anbieter gewöhnlich bis zum Ende der Laufzeit halten. Damit sind sie vor den zuletzt stark fallenden Kursen infolge der Zinssteigerungen gefeit. Attraktivere Zinsen, wie sie inzwischen häufig zu finden sind, lassen sich in der Regel nur mit den Geldern erzielen, die mit auslaufenden Anleihen freigesetzt werden.

Einbruch beim Geschäft mit Riester-Renten und Lebensversicherungen

Erst zum Wochenende meldete die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) als einer der großen Finanzvermittler im Land einen deutlichen Rückgang bei Neuabschlüssen von Lebensversicherungen. Um mehr als 13 Prozent lag das Geschäft im vergangenen Jahr unter dem Wert von 2021.

DVAG-Vorstand Andreas Pohl führte das besonders auf den Einbruch beim Geschäft mit Riester-Renten zurück. Die Politik habe es versäumt, die Riester-Rente zu reformieren, monierte er. Schon seit Jahren wird das Produkt als zu teuer und zu komplex kritisiert.

Starke Kritik gibt es von Branchenvertretern aber auch an der Berliner Politik und deren Hängepartie bei der Neugestaltung der privaten Altersvorsorge. Dadurch hatten sich beispielsweise etliche Anbieter aus der Riester-Rente zurückgezogen. Im vergangenen Jahr ging so das Neugeschäft mit Riester-Renten laut GDV um rund 60 Prozent im Vergleich zu 2021zurück.

Bürgerrente soll Riester-Rente ablösen

Im Januar hat der GDV deshalb den Vorschlag einer Bürgerrente gemacht. Im Vergleich zur häufig kritisierten Riester-Rente soll das neue Konzept „einfacher, verständlicher, nachhaltiger und renditestärker sein“, wie GDV-Präsident und R+V-Chef Norbert Rollinger betonte. Einzahlungen der Kundinnen und Kunden sollen nicht mehr zu 100 Prozent garantiert werden wie bisher, sondern nur noch zu 80 Prozent. Dafür soll mehr Spielraum entstehen, um auch einen Teil der Gelder in renditestärkere Produkte zu investieren.

Zudem wünscht sich die Branche eine hohe staatliche Förderung. Für jeden eingezahlten Euro sollen 50 Cent vom Staat hinzukommen.

Noch aber ist hier vieles ungeklärt. Eine Fokusgruppe aus Branchenvertretern, der Politik und unabhängigen Experten tagt noch bis zum Sommer. Danach könnte der Prozess durch die politischen Gremien in Gang kommen.

Die Lebensversicherung galt lange als liebstes Altersvorsorgeprodukt der Deutschen.

Foto: IMAGO / Shotshop

Realistisch ist laut GDV-Hauptgeschäftsführer Asmussen, dass das Projekt Bürgerrente bis zum Ende der Legislaturperiode zum Abschluss kommt. Das wäre allerdings erst im Herbst 2025. Bis dahin wird es die Riester-Rente offiziell weiterhin geben, auch wenn sie in der Praxis von immer weniger Häusern angeboten wird.

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Deutlich besser sieht es für die deutschen Versicherer dagegen in der Sachversicherung aus. Hier erwartet der Branchenverband nun ein Beitragsplus von 5,7 Prozent in diesem Jahr. Im Vergleich zur Prognose vor wenigen Monaten von 6,1 Prozent gibt es aber auch hier einen leichten Rückgang. Wesentlicher Grund ist der schwache Jahresstart in der Kfz-Versicherung, wo sich die Kaufzurückhaltung der Kundinnen und Kunden sowie Materialengpässe bei den Herstellern bemerkbar machten.

Erstpublikation: 04.04.2023, 09:13 Uhr.

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