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GeldpolitikUS-Inflationsrate sinkt weniger stark als erwartet – und erschwert die Arbeit der Fed

Die Inflationsrate in den USA fällt im Januar den siebten Monat in Folge – dennoch wächst die Zinsangst. Das dämpft die Stimmung an der Wall Street.Astrid Dörner und Jan Mallien 14.02.2023 - 15:11 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Leitzins liegt mittlerweile in der Spanne von 4,50 bis 4,75 Prozent.

Foto: dpa

New York, Frankfurt. Es galt eigentlich als ausgemachte Sache: Die Inflation wird deutlich sinken und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) könnte daher schon bald mit den Zinserhöhungen aufhören, lautete zum Jahresbeginn der Konsens an der Wall Street. Doch so einfach ist die Lage nicht, wie die jüngsten Inflationsdaten aus den USA zeigen.

So stiegen die Verbraucherpreise um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das US-Arbeitsministerium am Dienstag mitteilte. Im Dezember 2022 hatte die Inflation noch 6,5 Prozent betragen.

Ökonomen hatten mit einer stärkeren Abkühlung der Teuerung gerechnet. Im Vergleich zum Dezember legten die Preise sogar zu. Die Inflation stieg um 0,5 Prozent, auch hier leicht stärker als erwartet. Das lag vor allem an den wieder anziehenden Energiepreisen und an den weiter steigenden Kosten für Wohnraum.

Die Veröffentlichung sorgte an den US-Aktienmärkten für leichte Verluste. Die Leitindizes Leitindex Dow Jones, S&P 500 und auch der technologielastige Nasdaq lagen im New Yorker Frühhandel im Minus.

Die Preisdaten vom Dienstag erschweren die Arbeit der Notenbanker. Investoren und Ökonomen waren mehrheitlich davon ausgegangen, dass die Fed die Zinsen von der aktuellen Spanne von 4,5 bis 4,75 Prozent noch zweimal um je 0,25 Prozentpunkte anhebt und den Leitzins dann auf der Spanne von fünf bis 5,25 Prozent belässt. Doch angesichts der jüngsten Entwicklungen spricht eine Reihe von Investoren nun davon, dass der Leitzins bis auf sechs Prozent steigen könnte.

Die Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligen Posten Energie und Lebensmittel nicht berücksichtigt werden, stieg um 5,6 Prozent im Vergleich zum Januar 2022 sowie um 0,4 Prozent im Vergleich zum Dezember 2022. Auch hier war der Anstieg etwas höher als erwartet.

Arbeitsmarkt im Fokus

Die Chefin der regionalen Notenbank in Dallas, Lorie Logan, betonte am Dienstag nach der Veröffentlichung der Daten, dass Notenbanker flexibel bleiben müssten, um sich den Entwicklungen der Wirtschaft anzupassen. Die Zinsen könnten „länger steigen als gedacht“, gab Logan in einer Rede zu bedenken. Sie sprach sich auch dagegen aus, konkret zu beziffern, welches Zinsniveau die Notenbank anvisiere, um sich möglichst viel Handlungsspielraum zu bewahren. Ihre Worte waren mit ein Grund für die schlechte Stimmung an der Wall Street.

Fed-Gouverneurin Michelle Browman hatte am Montag betont, die Fed sei „immer noch weit weg von ihrem Ziel, Preisstabilität zu erreichen“. Angestrebt wird eine Inflationsrate von zwei Prozent.

Im Fokus der Notenbanker steht der überraschend robuste Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote fiel zuletzt auf 3,4 Prozent, das ist der niedrigste Stand seit 1969. Dabei müsste die Arbeitslosigkeit eigentlich steigen, um die Inflation weiter in Richtung der Zielmarke der Fed von zwei Prozent zu bewegen, betonte Nada Eissa, Ökonomieprofessorin an der Georgetown University in Washington, im US-Börsensender CNBC. „Der einfache Teil der Arbeit ist getan“, stellte sie klar. Die Inflationsrate hat sich von ihrem Höchststand von 9,1 Prozent abgeschwächt. Die nächste Phase der Inflationsbekämpfung könnte deutlich ruckeliger werden.

Darauf müssen sich auch Anleger und Anlegerinnen einstellen. „Investoren nehmen die Inflation nicht ernst genug“, monierte Jason Furman, Wirtschaftsprofessor an der Universität Harvard, der den früheren US-Präsidenten Barack Obama beraten hatte.

Die Aktienmärkte sind in den ersten Wochen des Jahres überraschend stark gestiegen – auch in der Hoffnung, dass die Zinserhöhungen der Fed bald vorbei sein würden und die Notenbanker die Zinsen zum Jahresende hin schon wieder senken könnten. Das sei zu optimistisch, glaubt Furman. „Die Inflation wird nur dann unter drei Prozent fallen, wenn wir eine Rezession haben“, stellte er klar. Das würde dann auch die Aktienkurse deutlich unter Druck bringen.

Die uneinheitlichen Inflationsdaten könnten die Fed auch dazu veranlassen, die Zinsen wieder stärker anzuheben, gab Diane Swonk, Chefökonomin von KPMG zu bedenken. „Ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte ist nun wieder auf dem Tisch“, so Swonk, die auch die Fed berät. Bei der nächsten Sitzung im März veröffentlicht die Fed auch neue Vorhersagen, mit denen sie signalisiert, wo die Zinsen und die Arbeitslosenquote in den kommenden Quartalen stehen könnte. Diese Projektionen wurden im vergangenen Jahr immer wieder korrigiert, weil die Inflation hartnäckiger war als befürchtet.

Mittlerweile begegnet die Fed der hohen Inflation mit strikten Zinserhöhungen.

Foto: Reuters

Auch in Europa ist die Inflationsrate zuletzt zurückgegangen. Im Februar stand sie im Euro-Raum bei 8,5 Prozent. Im Vergleich zu den USA war der Preisschub im vergangenen Jahr zu einem wesentlich größeren Teil auf höhere Energie- und Nahrungspreise zurückzuführen. Im Dezember machten diese Komponenten mehr als 60 Prozent der Inflation in Europa aus – in den US lag der Anteil dagegen nur bei knapp unter 30 Prozent.

Die Anleger an der Wall Street halten sich zurück: Die Teuerungsrate für Waren und Dienstleistungen fiel zu Jahresbeginn zwar, aber die Arbeit der US-Notenbank scheint noch nicht beendet. Markus Koch analysiert das Börsengeschehen.

Inzwischen ändern sich die Treiber der Inflation in Europa. Der Anstieg der Energiepreise lässt nach, stattdessen spielen die sogenannten Zweitrundeneffekte bei anderen Waren und Dienstleistungen eine wichtigere Rolle. Damit ist gemeint, dass Firmen als Reaktion auf Kostensteigerungen ihre Preise erhöhen. Zum Beispiel reichen Friseure oder Hotels die höheren Energiekosten an die Kunden weiter oder Fluggesellschaften die höheren Kerosinpreise.

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Auch die Lohndynamik hat sich zuletzt verstärkt. Dadurch steigen die Preise nun auf breiter Basis. Dieser Trend spiegelt sich in einer hohen Kerninflationsrate. Im Januar lag dieser Wert im Euro-Raum bei 5,2 Prozent, der höchste Stand seit Gründung des Euros. Verfechter einer strafferen Geldpolitik sehen diese Entwicklung als wichtiges Argument für weitere Zinserhöhungen im Euro-Raum.

Auf ihrer Sitzung im Februar hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen um einen halben Prozentpunkt angehoben – und damit erstmals seit langer Zeit stärker als die Fed. Auch für März hat sie einen Schritt in dieser Größenordnung in Aussicht gestellt.

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