Dax aktuell: Dax schließt nach EZB-Entscheid im Minus – Ölpreis knackt 50-Dollar-Marke
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Die neuen Milliardenhilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben am Donnerstag dem deutschen Aktienmarkt nicht den erhofften Schub gegeben. Der Dax schloss 0,3 Prozent tiefer bei 13.296 Punkten. Immerhin konnte der deutsche Leitindex am Nachmittag einen Teil seiner Verluste wieder wettmachen. Das Tagestief lag nur knapp über 13.200 Punkten.
Die EZB hat ihre Geldpolitik noch einmal gelockert. Sie verlängert das Anleihekaufprogramm PEPP, mit dem sie die konjunkturellen Folgen der Pandemie abfedern möchte, bis März 2022. Außerdem weitet sie das Volumen um weitere 500 Milliarden Euro auf 1,85 Billionen Euro aus.
Die Aktienmärkte reagieren zunächst aber verhalten und anschließend enttäuscht. Nach der Veröffentlichung der Beschlüsse legte der Dax knapp 50 Punkte zu, drehte anschließend jedoch, während der Pressekonferenz von Notenbankchefin Christine Lagarde, ins Minus.
Lagarde betonte die wirtschaftlichen Risiken der Pandemie und erläuterte ihre Auswirkungen auf das kurzfristige wie mittelfristige Wachstum. Da die Notenbank im Vorfeld der Ratssitzung sehr deutlich weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Konjunktur angekündigt hatte, waren diese in den Erwartungen der Marktakteure schon berücksichtigt.
Damit verharrt der Dax weiter in der bekannten Handelsspanne und bewegt sich seit nunmehr vier Wochen überwiegend seitwärts: Das Börsenbarometer fällt nicht unter die Marke von 13.000 Punkten, schafft es gleichzeitig jedoch nicht, die obere Handelsspanne von 13.454 Zähler zu durchbrechen.
Investoren wechseln ins Bärenlager
Die Seitwärtsbewegung der vergangenen Wochen ließ viele Anleger resignieren – ihnen fehlte es an Geduld, um sich weiter zurückzuhalten und sie verkauften. Das signalisiert die Börsenumfrage der Börse Frankfurt unter mittelfristig agierenden privaten und institutionellen Investoren.
Privatanleger und Profis wechselten in der vergangenen Woche vermehrt ins Bärenlager, beschreibt Verhaltensökonom Joachim Goldberg, der die wöchentliche Erhebung auswertet, die Entwicklung. Viele dieser Investoren waren zuvor bullish eingestellt.
Anleger, die zuletzt verkauft haben, könnten aber zeitnah wieder in den Markt einsteigen – nämlich dann, wenn die Kurse in den nächsten Tagen steigen. In diesem Szenario würden sie den höheren Kursen hinterherlaufen. Steigen sie wieder in den Markt ein, treiben diese Käufer die Kurse weiter in die Höhe. Verzichten sie dagegen, laufen sie Gefahr, außen vor zu bleiben. Das könnte dann letztendlich doch noch eine Jahresendrally auslösen. Dafür braucht es aber zunächst steigende Kurse durch einen externen Schub – diesen konnte die EZB-Sitzung nicht liefern konnte.
Südeuropäische Bonds gefragt
Parallel blickten Anleger auch nach Brüssel, wo die Staats- und Regierungschefs beim letzten regulären EU-Gipfel über den gemeinsamen Haushalt und das koordinierte Vorgehen im Kampf gegen die Pandemie berieten. Man wolle die Bemühungen um mehr Koordination untereinander verstärken, hieß es in der Abschlusserklärung.
Anleger hatten sich ähnliche Fortschritte erhofft. Am Morgen und Vormittag griffen sie bei Bonds südeuropäischer Staaten zu. Das drückte die Renditen auf Rekordtiefs. So notierte die Rendite für zehnjährige spanische Bonds zwischenzeitlich erstmals an der Nulllinie, die Rendite für portugiesische Bonds sogar negativ. Griechische Zehn-Jahres-Anleihen erreichten ein neues Tief bei 0,582 Prozent. Im Anschluss an die EZB-Sitzung entfernten sich die Renditen jedoch von diesen Marken.
Blick auf die Einzelwerte
Hellofresh: Der durch die Pandemie ausgelöste Boom führt dazu, dass der Kochboxen-Anbieter seine Gesamtjahresziele erneut nach oben korrigiert. Die Aktie war stärkster Wert im Nebenwerteindex MDax und gewann knapp 15 Prozent an Wert. Parallel dazu setzt sich Essenslieferant Delivery Hero mit Zuwächsen von drei Prozent an die Dax-Spitze
BASF: Die Société Générale bekräftigt ihre Kaufempfehlung für die Aktie des Chemiekonzerns. Außerdem hoben die Analysten das Kursziel auf 74,00 Euro an. BASF-Anteile gewannen ein Prozent an Wert.
Autobauer: Automobilwerte gehörten am Vortag zu den größten Gewinnern. Am Donnerstag drücken scheinbar Gewinnmitnahmen auf die Kurse. Volkswagen, BMW und Daimler gehörten mit Abschlägen von bis zu 2,4 Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Der europäische Branchenindex verlor ebenfalls 1,4 Prozent. Bei Volkswagen kommt die anhaltende Diskussion um die Zukunft von Konzernchef Herbert Diess hinzu.
Tui: Der Touristikkonzern verzeichnet im Pandemie-Jahr wie erwartet einen der größten Verluste der Firmengeschichte. Das Minus im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr lag unterm Strich bei mehr als drei Milliarden Euro, gab Tui am Donnerstag bekannt. Die Aktie fiel um 5,5 Prozent.
Jost Werke: Der Nutzfahrzeugzulieferer hebt am Ende eines schwierigen Jahres seine Prognose an. Ursprünglich hatte Jost Werke mit leichten Erlösrückgängen gerechnet. Die Aktie war mit einem Plus von 4,5 Prozent zweitstärkster Wert im SDax hinter der Norma Group (plus 6,6 Prozent).
Blick auf den Ölmarkt
Bei den Ölpreisen ging es am Donnerstag kräftig bergauf. Getrieben wurde die Preisrally unter anderem von den Hoffnungen auf eine Einigung im Fiskalstreit in den USA. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent gewann knapp vier Prozent und knackte die Marke von 50 Dollar. Der Preis für ein Fass der Sorte WTI stieg ebenfalls um vier Prozent auf auf 47,32 US-Dollar.
Die Preisentwicklung überrascht angesichts der erhöhten Lagerbestände in den USA. Entsprechende Daten waren am Vortag veröffentlicht worden. „Anscheinend zählen das billige Geld, die gute Stimmung am Aktienmarkt und Hoffnungen auf eine baldige Normalisierung der Nachfrage mehr als die Realität“, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg.
Blick auf den Euro
Der starke Euro bereitete der EZB zuletzt Sorge. Die europäische Gemeinschaftswährung hatte im Vergleich zum US-Dollar im vergangenen Monat etwa 2,3 Prozent zugelegt. Experten führen dies jedoch weniger auf die Stärke des Euros, sondern mehr auf eine Schwächephase des Dollars zurück. Am Donnerstag stieg der Euro gegenüber dem Greenback um 0,3 Prozent.
Nichtsdestotrotz ist diese Entwicklung ein Problem: Ein starker Euro verteuert Exporte aus Europa, was die Wachstumsdynamik schwächt. Andererseits sind Importe relativ betrachtet günstiger, was die Inflation drückt. Nach dem EZB-Entscheid legte der Euro weiter zu, er notierte über der Marke von 1,21 Dollar.
Man werde die Entwicklung des Wechselkurses weiterhin genau beobachten, erklärte EZB-Präsidentin Lagarde bei der Pressekonferenz zu den EZB-Beschlüssen. Man werde die geldpolitischen Instrumente so anpassen, wie es die Zielsetzung erfordert – eine Inflationsrate im Währungsraum nahe, aber unter zwei Prozent.
Ähnliche Äußerungen von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatten die Wachstumsdynamik kurzzeitig abgeschwächt, die Gemeinschaftswährung aber nicht weiter belastet „Um den Euro zu belasten, müsste die EZB wohl schon zum Mittel Zinssenkung greifen“, urteilen die Devisenexperten der Commerzbank.
Blick auf das Pfund
Von einer Einigung sind die EU und Großbritannien noch immer weit entfernt. Auch ein Gespräch zwischen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem britischen Premier Boris Johnson am Mittwochabend brachte keine Annäherung. Immerhin einigten sich beide Parteien, die Verhandlungen zunächst nicht abzubrechen.
Vor diesem Hintergrund steigt die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexits. Das britische Pfund bleibt unter Druck. Am Donnerstag fällt die britische Währung um etwa ein Prozent auf 1,33 Dollar beziehungsweise 1,09 Euro. Der Brexit-Kurs war in den vergangenen Wochen eine Art Abbild der Verhandlungen. Gerüchte um mögliche Annäherungen stärkten den Kurs unmittelbar.
Dennoch sind die Verluste beim Pfund insgesamt begrenzt. Das zeigt: Der Markt geht nach wie vor von einer Einigung aus. Devisenexperten verweisen jedoch auf die Gefahr, die davon ausgeht. Tritt Großbritannien ohne eine Einigung aus, werden viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt.
Was die Charttechnik sagt
Für strategische Investoren bietet sich eine Aufwärtskurslücke vom Anfang des Monats November als Stop-Loss-Marke an. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt.
Konkret: 12.596 Punkte war der höchste Stand am Freitag (6. November), 12.671 Zähler der tiefste Kurs am Montag (9. November). Solange der Dax oberhalb von 12.671 Zählern bleibt, gibt es aus technischer Sicht keine Zweifel an der aktuellen Aufwärtsbewegung seit Ende Oktober, als der Dax bei 11.450 Punkten stand.
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