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Gastkommentar – Homo oeconomicus Die Gewinne der Energiewende sollten stärker betrachtet werden – oder doch die Kosten?

Die Erträge der Energiewende sind höher als die Kosten, meint Claudia Kemfert. Joachim Weimann hingegen merkt an, dass kaum über die Kosten gesprochen wird. Eine Diskussion.
26.05.2021 - 20:48 Uhr 2 Kommentare
Die Höhe der Schäden, die man mit Klimapolitik vermeiden kann, ist unabhängig davon, mit welcher Technologie diese Vermeidung erreicht wird, meint Joachim Weimann. Quelle: dpa
Windenergie

Die Höhe der Schäden, die man mit Klimapolitik vermeiden kann, ist unabhängig davon, mit welcher Technologie diese Vermeidung erreicht wird, meint Joachim Weimann.

(Foto: dpa)

Frau Claudia Kemfert, DIW-Expertin, hat an dieser Stelle am 19. Mai eine Kolumne mit dem Titel „Die Erträge der Energiewende sind viel höher als die Kosten“ veröffentlicht. Darin plädiert sie dafür, nicht immer nur die Kosten der erneuerbaren Energien aufs Korn zu nehmen, sondern auch die Gewinne der Umstellung zu berücksichtigen.

Die Gewinne bestünden in der Vermeidung der Schäden, die durch den Klimawandel eintreten würden, wenn nichts dagegen unternommen wird. Berücksichtigt man sie, werde klar, dass der Einsatz erneuerbarer Energien gerechtfertigt ist, weil die Gewinne auf jeden Fall die Kosten übersteigen.

Unabhängig davon, wie hoch man die Kosten der erneuerbaren Energien und die Gewinne aus einer Stabilisierung des Klimas ansetzt, ist dieses Argument jedoch nicht schlüssig. Die Höhe der Schäden, die man mit Klimapolitik vermeiden kann, ist unabhängig davon, mit welcher Technologie diese Vermeidung erreicht wird.

Ein einfaches Beispiel mag den Punkt verdeutlichen: Stellen Sie sich vor, das Dach Ihres Hauses ist defekt. Wenn Sie es nicht reparieren lassen, entsteht ein Schaden in Höhe von 50.000 Euro. Klar ist, dass sich eine Reparatur immer dann lohnt, wenn sie weniger als 50.000 Euro kostet. Aber bedeutet das, dass es gleichgültig ist, wie hoch die Rechnung des Dachdeckers ausfällt? Natürlich nicht.

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    Der drohende Schaden ist unabhängig davon, ob Dachdecker Schulz, Meier oder Schmidt die Reparatur durchführt. Sie würden deshalb demjenigen den Auftrag erteilen, der den niedrigsten Preis verlangt. Damit maximieren Sie den Vorteil, den Sie aus der Vermeidung des Schadens haben. Mit anderen Worten: Nur weil der Schaden, den es zu vermeiden gilt, hoch ist, rechtfertigt das nicht eine überteuerte Reparatur.

    Kosten des Klimaschutzes

    Die Analogie zum Klimaschutz dürfte klar sein. Der Schaden, den wir vermeiden, wenn es gelingt, die CO2-Emissionen zu senken, ist immer gleich hoch, egal, mit welcher Technologie wir das erreichen. Also sollten wir die Technologie wählen, die die geringsten Kosten verursacht. Weil das so ist, ist es durchaus richtig, „nur“ über Kosten zu reden.

    Leider – auch in diesem Punkt ist Frau Kemfert zu widersprechen – reden wir darüber eben nicht andauernd, sondern fast gar nicht. Weder im Erneuerbaren-Energien-Gesetz noch im Klimagesetz der Bundesregierung wird über Kosten gesprochen. Auch das Bundesverfassungsgericht schert sich nicht darum, welche Kosten beim Klimaschutz anfallen.

    Joachim Weimann ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
    Joachim Weimann

    Joachim Weimann ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

    Dabei ist das ein zentraler Punkt, wie folgende Überlegung zeigt. Um CO2 zu vermeiden, müssen wir knappe Ressourcen einsetzen, und die sind nun einmal begrenzt. Wenn man mit einem gegebenen Budget möglichst viel CO2 einsparen will, muss man sich kosteneffizient verhalten, das heißt dort einsparen, wo es die geringsten Kosten verursacht, die nächste Tonne zu vermeiden.

    Wenn man, wie die Bundesregierung und das Verfassungsgericht, die Kosten der Vermeidung nicht beachtet, dann erhält man am Ende weniger Klimaschutz, als man bei kosteneffizientem Vorgehen hätte haben können.

    Die Kritik an den erneuerbaren Energien entzündet sich daran, dass die CO2-Vermeidungskosten dort viel zu hoch sind. Eine einheitliche CO2-Steuer oder ein Emissionshandel stehen als Instrumente für eine kosteneffiziente Vermeidung zur Verfügung. Letzterer existiert in Europa und reguliert den Energiesektor äußerst wirksam und kosteneffizient. Die Grenzkosten der Vermeidung liegen dort gegenwärtig bei etwa 50 Euro pro Tonne.

    Um mit erneuerbaren Energien eine Tonne CO2 zu vermeiden, muss ein Vielfaches davon aufgewendet werden. Besonders schlimm wird es, wenn wir den Strom aus erneuerbaren Energien auch noch dafür benutzen, E-Autos zu laden. Dann kostet eine Tonne weniger CO2 mindestens 2000 Euro.

    Der Gewinn, der entsteht, wenn wir eine Tonne vermeiden, ist immer der gleiche. Wenn wir aber dafür 2000 Euro ausgeben, schaffen wir nur 2,5 Prozent der Vermeidung, die wir hinbekämen, wenn wir kosteneffizient handelten. Es lohnt sich also, über Kosten zu reden. Wir sollten das viel mehr tun.

    Replik von Claudia Kemfert

    Claudia Kemfert leitet die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ des DIW und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance. Quelle: Roland Horn/ DWI Berlin
    Die Autorin

    Claudia Kemfert leitet die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ des DIW und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance.

    (Foto: Roland Horn/ DWI Berlin)

    In seinem Kommentar vergleicht Herr Weimann die Energiewende mit einer Dachreparatur. Bei einem Schaden von 50.000 Euro lohne sich eine Reparatur nur, wenn sie weniger koste. Leider ist das „einfache Beispiel“ in dreifacher Hinsicht zur Illustrierung ungeeignet.

    1. Wir bezahlen – um im Bild zu bleiben – schon die ganze Zeit die Folgekosten des löchrigen Daches: Heizkosten, feuchte Wände und so weiter. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Klimawandels sind bereits jetzt so hoch, dass wir laut Umweltbundesamt schon heute unbemerkt pro Tonne CO2 180 Euro bezahlen.
    2. Es geht nicht darum, ab wann es sich lohnt, etwas zu reparieren. Das Handeln wird garantiert rentabel. Nichtstun ist in jedem Fall teurer.
    3. Wir reden nicht von einem Dachschaden, sondern von etwas, das die Wissenschaftswelt „Verwüstungsanthropozän“ nennt. Die fossile Energiegewinnung muss nicht repariert, sie muss beendet werden, denn sie ist Ursache für die immer bedrohlichere Klimaerwärmung.

    Im Sinne einer wissenschaftlich seriösen Kosten-Nutzen-Diskussion müssen wir aufhören, den Schaden kleinzurechnen, sondern wir müssen ihn als das beziffern, was er ist. Dabei ist es rechnerisch egal, ob er als Negativbetrag (Folgekosten, „Nebenwirkungen“) in der Bilanz der fossilen Energien oder als Positivbetrag (Vermeidungsgewinne) in der Bilanz der erneuerbaren Energien steht.

    Natürlich lassen sich die unterschiedlichen Kosten beziehungsweise Vermeidungserträge der verschiedenen Maßnahmen miteinander vergleichen. Wissenschaftlich belegt ist jedenfalls, dass der Preis für eine durch E-Autos vermiedene Tonne CO2 bei maximal 100 Euro liegt und aufgrund rasant fallender Batteriekosten derzeit deutlich sinkt.

    Das ist ein guter Preis für eine Technologie, die Deutschland Innovationen, Arbeitsplätze und Wertschöpfungen beschert. Damit erreichen wir die mit (fast) allen Industriestaaten vertraglich vereinbarten Emissionsminderungsziele im Verkehrssektor. Auch das Bundesverfassungsgericht hatte sehr wohl die Kosten im Blick, nämlich den Preis der Freiheit, den wir den nächsten Generationen nicht aufbürden dürfen. Ja, es lohnt sich, über Kosten zu reden.

    Mehr: BASF-Chef: „Wir müssen die Ausbaupläne für erneuerbare Energien dramatisch beschleunigen“

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    2 Kommentare zu "Gastkommentar – Homo oeconomicus: Die Gewinne der Energiewende sollten stärker betrachtet werden – oder doch die Kosten?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es gibt für unseren Planeten keinen Plan B, wenn wir Menschen jetzt nicht konsequent die Energiewende anstreben, wird es zu weltweiten Wetterkatastrophen und Umweltschäden kommen. Unvorstellbares Szenario. Es bieten sich sensationelle Alternativen zur Energienutzung endlich mit der Neutrino-Technologie. Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlichte dazu kürzlich: "Das ewige Licht - Der Beginn eines neuen Zeitalters"  Er begründet eindringlich, die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos basiert auf neueste Forschungsergebnisse. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Mobile, dezentrale Haushaltsenergie und unendliche Reichweite für die Elektromobilität - genial! Auch die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften hatte bereits im Januar 2021 in einer  von Daimler Benz beauftragten Studie die Effizienz der Technologie und  die im Patent deklarierten Eigenschaften der "Neutrino-Voltaik" bestätigt. https://energiewirtschaft.io/zeit-fuer-den-perfekten-strom-energie-aus-der-umgebung-ernten/

    • die genannten Vermeidungskosten von 2000 €/t CO2 für die E-Mobilität sollte Herr Weimann plausibilisieren, aber abgesehen davon gehen die (Gegen-)Argumente von Frau Kemfert voll ins Leere !

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