Märkte Insight: Schwache Zahlen und Zinsfurcht bremsen die Märkte

Anlageprofis wetten verstärkt auf fallende Kurse und investieren in die als sicher geltenden Anleihen.
Foto: HandelsblattGleich vier Mal hat der deutsche Leitindex Dax in den vergangenen sieben Tagen ein neues Jahreshoch erreicht. Der Weg bis zu einem neuen Rekord scheint nicht mehr weit – aber von echter Euphorie kann keine Rede sein. Die Anleger scheinen zwischen Zins- und Konjunktursorgen und der Angst, an den Börsen etwas zu verpassen, hin- und hergerissen.
Am Donnerstag schwächelten die führenden europäischen Indizes. Überraschend schlechte Firmenzahlen und Prognosen in Europa und Übersee rückten die Furcht vor einer Rezession in den Vordergrund. Der Dax, der Anfang der Woche noch fast bis zur Marke von 16.000 Punkten geklettert war, fiel um 0,6 Prozent auf 15.796 Punkte.
Der mit Abstand größte Verlierer waren die Papiere von Sartorius. Der Pharma- und Laborausrüster musste über ein Umsatzminus und höhere Kosten berichten, was sein operatives Ergebnis vor Steuern im ersten Quartal um gut ein Fünftel auf 272 Millionen Euro einbrechen ließ. Anleger verkauften hektisch, der Aktienkurs sackte zeitweise um mehr als elf Prozent ab.
Die Laune im Autosektor dämpfte der Margenrückgang beim E-Auto-Bauer Tesla. Die Probleme des US-Konzerns bekamen auch die deutschen Autobauer zu spüren, deren Kurse deutlich nachgaben, genau wie die der gesamten europäischen Branche. Teslas Gewinnmarge von 19,3 Prozent im ersten Quartal verfehlte die Erwartungen der Analysten um mehr als zehn Prozent. Vor einem Jahr hatte der E-Auto-Bauer noch eine Rekordrendite von knapp 33 Prozent vorgelegt.
Der Preiskrieg, den Firmenchef Elon Musk in China und in den USA führt, schürt Diskussionen über die Nachfrage nach Elektroautos. Die Aktie verlor im frühen US-Handel mehr als acht Prozent.
>> Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Elon Musk betreibt eine fahrlässige Preispolitik
Solche schwachen Firmenergebnisse dürften die Sorgen der Investoren eher noch verstärken. Großanleger bekräftigten in der April-Umfrage der Bank of America ihre Vorsicht gegenüber Aktien. Die befragten Investoren hielten zuletzt einen hohen Anteil von 5,5 Prozent ihrer Anlagen in Bargeld oder am Geldmarkt. Und sie setzen so stark auf die als sicherer geltenden Anleihen wie zuletzt in der Finanzmarktkrise 2008. Profis wetten sogar massiv auf fallende Kurse am US-Aktienmarkt – im Umfang von einer Billion Dollar.
Anleger schauen auf die Zentralbanken
Außerdem treibt die Investoren die Furcht um, dass die führenden Notenbanken den Kampf gegen die Inflation nicht gewinnen können, ohne Verwerfungen an den Kapitalmärkten auszulösen. Vor den nächsten Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) Anfang Mai dürfte jede Aussage eines Geldpolitikers auf das Gründlichste analysiert werden. Jede noch so kleine Andeutung, die für weitere Zinserhöhungen spricht, wird Unruhe auslösen.
Das beweist die jüngste Erklärung des Präsidenten der regionalen Fed New York, John Williams. Er hält die Inflationsrate nach wie vor für problematisch, die Fed werde handeln, um sie zu senken. Der Markt rechnet derzeit mit einer weiteren kleinen Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte.
Ähnlich äußerte sich EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die die Inflation in der Euro-Zone „zäh“ findet und alle Preise außer Energie auf „hohem Niveau“ sieht. Strategen erwarten von der EZB noch mehrere Zinsschritte von 0,25 Prozentpunkten.
Steigende Zinsen gepaart mit langsamerem Wachstum bilden nicht gerade das Fundament für weiter steigende Aktienkurse. Ray Dalio, Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, warnt vor schwierigen Zeiten: „Wir sind nun in einer Phase strikter Geldpolitik, um die Inflation zu bekämpfen, kurz bevor eine Rezession einsetzt.“ Er stellt sich auf ein bis zwei „wirtschaftlich schwere Jahre“ ein, mit den entsprechenden Folgen für die Märkte.