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Kommentar Flugverbote im Inland werden das Klima nicht retten

Es ist wichtiger, eine aufgeklärte Klimagesellschaft zu schaffen, als Inlandsflüge zu verbieten. Dann entscheiden die Menschen bewusst, wie sie sich bewegen.
22.07.2021 - 16:51 Uhr Kommentieren
Zweifelsohne fällt es dem Luftverkehr am schwersten, alternative Antriebe zu finden. Quelle: dpa
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Zweifelsohne fällt es dem Luftverkehr am schwersten, alternative Antriebe zu finden.

(Foto: dpa)

Jeff Bezos und Richard Branson düsen ins Weltall und träumen von neuen Galaxien des Tourismus. Emmanuel Macron verbietet im Namen des Klimaschutzes Flüge innerhalb Frankreichs, wenn die Bahn dieselben Strecken in zwei bis drei Stunden bedient. Das passt nicht zusammen. Ein Flugverbot wäre nicht der richtige Weg für Deutschland.

Beim fernsten aller Fernstreckenflüge wird pro Person, so hat es mancher Experte berechnet, so viel CO2 freigesetzt wie bei einer Autofahrt fast rund um die Erde. Hier stellt sich zu Recht die Frage: Sollte der Weltraum-Kick erlaubt sein?

Doch anders sieht es beim Wahlkampfthema der Inlands- beziehungsweise Kurzstreckenflüge aus. Untergangspropheten mögen rufen: Jede Tonne CO2 zählt, steigt alle um in die Bahn! Doch in Frankreich etwa fahren Züge mit Atomstrom – CO2-frei also, aber für viele Menschen moralisch inakzeptabel. Flugzeuge verbrauchen in der Tat Kerosin, dafür aber deutlich weniger Flächen als ein Bahnsystem.

Bei der Kurzstrecke reden wir von bis zu 1500 Kilometern, also einmal von Hamburg nach München – und wieder zurück. Bahn-Fahrtzeit aktuell: ein halber Tag. Im zentralistischen Frankreich fahren Schnellzüge gern wie das Flugzeug – nonstop. Auch in Spanien lässt es sich etwa bequem direkt von Madrid nach Barcelona reisen.

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    Hamburg – München – Hamburg: zwölf Stunden

    Im polyzentrischen Deutschland hingegen sind solche Sprinter Mangelware. Vielmehr hält der Zug bewusst auf der Strecke in weiteren Oberzentren und hilft so, Regionalverkehr zu verlagern. Künftig soll die Bahn sogar mehr und mehr an der berühmten „Milchkanne“ halten, damit die Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen. Angesichts dieser politischen Rahmenbedingungen verbietet es sich, den Flug für den eilig Reisenden oder den Umsteiger auf einen Langstreckenflug zu untersagen. Der Markt regelt es.

    Auf Schnellstrecken wie von Köln nach Frankfurt oder nun von Berlin nach München punktet die Bahn. Zugleich schwächt dies jetzt aber den Berliner Flughafen, der wie die Bahnstrecken Milliarden verschlungen hat. Es sind diese und andere Inkonsistenzen in der deutschen Verkehrspolitik, die ein Konzept vermissen lassen.

    Deutlich mehr Menschen auf die Bahn zu bringen bedeutet, noch einmal mehr Schienenwege bauen zu müssen – was wieder viele Milliarden Euro kosten wird. Für den ICE-Fahrer eine feine Sache, für Anwohner hingegen ein Graus. Der Wunsch der Kanzlerin, die Menschen ließen sich mit was auch immer für Anreizen als duldsame Klimaretter gewinnen, dürfte wohl nur in wenigen Fällen funktionieren.

    Besser ist es, den Markt endlich so zu organisieren, dass Klimaschutz Teil der Entscheidungen des Einzelnen und der Mobilitätsanbieter wird. Der Preis ist dabei ein wichtiges Signal und sollte – ohne manipulierende staatliche Einflüsse – das entscheidende Instrument sein. Nicht vergessen sollten die Wettbewerber aber die vielen irrationalen Gründe, die zur Wahl des Verkehrsmittels führen: Niemand fliegt um des Fliegens willen, wenn er das Ziel bequem mit der Bahn erreicht oder mit seinem Auto oder dem Reisebus.

    Verbote für einzelne Verkehrsträger können die Gesellschaft auch schnell spalten

    Jeder, wie er mag und kann, muss das Leitbild lauten. Ansonsten spaltet sich die Gesellschaft schneller, als es so manchem lieb sein kann, der heute laut nach Verboten ruft. Verkehrsträger sollten sich ergänzen und aus dem Wettbewerb zueinander Innovationen hervorbringen.

    Emissionsgrenzwerte des Staates sind ein wichtiger Rahmen. Zweifelsohne fällt es dem Luftverkehr am schwersten, alternative Antriebe zu finden. Aber noch ist die technologische Anstrengung nicht verloren. Otto Lilienthal hätte seine wahre Freude daran.

    Das deutsche Schienennetz ist im Übrigen noch längst nicht durchgehend elektrifiziert. Ganz nebenbei ist ein leer fahrender Zug alles andere als ökologisch. Und dann ist da noch der Kampf um die Ökoenergien, die bei Weitem noch nicht die Nachfrage bedienen können, um jedem das Label „Grünstrom“ zu geben – auch nicht dem Elektroauto.

    Eine aufgeklärte Klimagesellschaft sollte das Ziel sein, nicht eine Verbotskultur. Das gilt umso mehr, wenn die Menschen angesichts der Corona-Erfahrungen das Leben jenseits der großen Metropolen suchen, also dort, wo sie den dieser Tage als Retter gepriesenen Nahverkehr nur von Plakaten kennen und Auto fahren – müssen.

    Eine Erkenntnis aus der Coronazeit sollte ins Zentrum der Debatte rücken: Homeoffice und Videokonferenzen beflügeln flexible Arbeitsformen und ermöglichen ein neues Zeitalter der Mobilität. Es müssen nicht mehr alle zur selben Zeit zur Arbeit fahren. Die vorhandene Infrastruktur reicht plötzlich aus. Sie lässt sich sogar neu aufteilen, vor allem in der Stadt. Rad- und Fußwege können mehr Platz erhalten.

    Mehr: Auslastung, Verspätungen, Geodaten: Verkehrsanbieter behalten ihre sensiblen Informationen

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