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Morning Briefing Der Geldregen der Börsengänge

28.09.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es ist keine Zeit für Kleingeld, das wirtschaftliche Überleben in der Corona-Ära mobilisiert ganz großes Kapital. Dabei gibt es einen bedeutenden Unterschied. Im Fall der gesunden Firmen – oder zumindest jener, die erfolgreich so tun, als wären sie es – spendieren die Börsen Millionen um Millionen. Bei kränkelnden Unternehmungen hingegen kommen die finanziellen Mittel von Vater Staat. Zum einen macht eine schon groteske Aktienüberhitzung, das andere Mal ein Retter-Syndrom den Flow der hohen Summen möglich.

In der Kategorie I schaut ganz Deutschland heute auf den Börsengang der aus Siemens herausgegliederten Siemens Energy mit ihren 91.000 Mitarbeitern. CEO Christian Bruch bringt die Zentrale operativ nach Berlin und verkündet muntere Sparziele, was den Gesamtbetriebsratschef Robert Kensbock im Handelsblatt warnen lässt: „In der Vergangenheit hat Siemens oft erst spät auf strukturelle Änderungen reagiert und dann ein Abbauprogramm nach dem anderen verkündet. Hier müssen wir in Zukunft frühzeitiger umsteuern und intelligente Lösungen finden.“

Quelle: Andrew Testa/Panos Pictures/VISUM
Die US-Datenanalysefirma Palantir des Alex Karp kann man durchaus als opak bezeichnen.
(Foto: Andrew Testa/Panos Pictures/VISUM)

Noch ein Beispiel drängt sich in Kategorie I der wundersamen Geldvermehrung auf: die verschwiegene, sagen wir ruhig opake US-Datenanalysefirma Palantir des Alexander Karp, die von Airbus bis CIA ein breites Kundenspektrum hat. Der Emissionsprospekt, den wir breit sezieren, zeichnet nun endlich ein genaueres Bild der Geheimniskrämer, die sich als Patrioten geben und zum Beispiel nicht mit Chinesen arbeiten. Manche Firmen würden „mit den Feinden der USA zusammenarbeiten“, heißt es im Börsenprospekt: „Wir nicht. Wir expandieren mit den amerikanischen Alliierten.“

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    Entsprechend stammt von 743 Millionen Dollar Gesamtumsatz rund die Hälfte von Regierungen, Behörden und Militär, was am Ende der Rendite aber nicht aufhalf: je 580 Millionen Dollar Verlust für 2018 und 2019. Dieser Börsenkandidat sollte „Star-Spangled Banner“ als Erkennungsmelodie nutzen.

    Kommen wir zu Kategorie II, dem Ausweg aus Kalamitäten dank der scheinbar sich immer wieder neu auffüllenden Schatzkammer des Staates. Hier fällt nun auf, dass auch angeschlagene deutsche Unternehmen um öffentliche Hilfen bitten, die ausländische Muttergesellschaften haben, was in Berlin zu heftigen Debatten führt.

    • Die MV Werften aus Stralsund beantragen aus dem Corona-Rettungsfonds 570 Millionen Euro, Eigentümer ist der malaysische Mischkonzern Genting Group.
    • Um rund 500 Millionen Euro soll es bei der Rettung der Aida Cruises gehen, die zur angloamerikanischen Carnival-Gruppe von Micky Arison gehört, die im Übrigen dem Steuerrecht Panamas unterliegt.
    • Die Modekette Tom Tailor erhielt im Juni eine Bürgschaftszusage über 100 Millionen Euro, inzwischen gehört sie der Finanzfirma Fosun aus Schanghai.
    • Ford Deutschland wiederum will Staatsbürgschaften über eine halbe Milliarde Euro, mit besten Grüßen an die Zentrale in Detroit.

    All diese Beispiele machen es für das Bundesfinanzministerium nicht gerade einfacher. Vielleicht muss man die Taschen der Spendierhosen einfach mal zunähen.

    Wenn jetzt in Deutschland vereinzelt wieder das Loblied auf das Atom gesungen wird, fällt auf, dass es nach vielen Jahren der Debatte noch immer kein Endlager für den Atommüll gibt. Am heutigen Montag will die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) einen Zwischenbericht mit 90 Teilgebieten zur Erkundung des dringend benötigten Depots vorstellen.

    Vor allem in den östlichen Bundesländern, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen soll gesucht werden, was in diesen Regionen steigende Demonstrationshäufigkeit erwarten lässt. Raus ist nach Informationen von „Bild“ der Salzstock in Gorleben, jahrzehntelang Protestsymbol der Anti-AKW-Bewegung und noch immer offenbar ein Liebling der bayerischen Staatsregierung. Von Atom-Protesten will man den Freistaat partout fernhalten, man leidet noch am Morbus Wackersdorf.

    Kurz vor dem ersten von drei amerikanischen TV-Duellen am Dienstag testen die beiden Präsidentschaftskandidaten die möglichen Niveaugefälle aus. Donald Trump verbreitete im Diffamierungskanal Twitter, er werde „nachdrücklich einen Drogentest des schläfrigen Joe Biden vor oder nach der Debatte fordern“. Der Demokrat sei „rekordverdächtig unausgeglichen“, so der Regierungschef: „Nur Drogen können diese Diskrepanz verursacht haben???“.

    Biden wiederum diagnostizierte zeitgleich im Fernsehsender MSNBC über Trump: „Er ist so in etwa wie Goebbels. Man erzählt eine Lüge lange genug, wiederholt sie, wiederholt sie, wiederholt sie – und sie gilt als Allgemeinwissen.“ Beiden kann man, ohne Aussicht auf Erfolg, nur Michel de Montaigne entgegenhalten: „Da wir uns miteinander nur durch das Wort zu verständigen mögen, verrät, wer es fälscht, die menschliche Gemeinschaft.“

    Quelle: dpa
    Wolfgang Clement ist tot

    Für ihn gab es nur große Pläne: aus seiner Heimat Nordrhein-Westfalen eine Medienmacht machen beispielsweise. Oder Bertelsmann, Telekom und Leo Kirch einen Dreibund der Digitalisierung schließen lassen. „Ich rolle Investoren den roten Teppich aus“, sagte er mir einmal. Da war Wolfgang Clement Ministerpräsident von NRW.

    Weil so einer Kanzlerqualität hat, holte ihn Gerhard Schröder 2002 lieber als „Superminister“ für Wirtschaft und Arbeit in die Bundesregierung. Ihn, den Macher für die 2003 anlaufende Hartz-IV-Revolution, die für viele Sozialdemokraten eine Konterrevolution war. Entfremdet von der SPD trat der manisch Unbequeme 2008 aus der Partei aus, später warb er für die FDP. Am Sonntag ist Clement, Journalist und Freigeist, nach einer Krebserkrankung im Alter von 80 Jahren gestorben, was parteiübergreifend zu angebrachten Würdigungen führt.

    Clements alte SPD ist mittlerweile abgerutscht, gerade auch in der früheren Herzkammer NRW. Immerhin konnte nun in Dortmund, wo der Verstorbene einst für die „Westfälische Rundschau“ arbeitete, bei den Kommunalwahlen der Sozialdemokrat Thomas Westphal knapp die Stichwahl um das Oberbürgermeister-Amt gewinnen. In Düsseldorf aber brach Amtsinhaber Thomas Geisel von der SPD gegen den CDU-Rivalen Stephan Keller ein. Und sowohl in Aachen als auch in Bonn hängten die Kandidatinnen der Grünen ihre Mitbewerber von der CDU ab. Felix Banaszak, Grünen-Chef in NRW, sagt es knapp und bündig: „Es gibt kein SPD-Abo auf den Chefsessel im Rathaus. Demokratie braucht den Wechsel.“

    Quelle: dpa
    "Mister Daimler" hat überraschend seinen Abschied angekündigt.

    Und dann ist da noch der 67-jährige Dieter Zetsche, einst für viele Jahre „Mister Daimler“, der sich für seinen überraschenden Abschied von früheren Alterskarriereplänen die Interviewspalten der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ ausgesucht hat. Dort konnten staunende Mercedesianer und Nicht-Mercedesianer lesen, dass der Ex-CEO nun doch nicht im Frühjahr 2021 nach zwei Jahren „Cooling-Off“ Chef des Aufsichtsrats werden will. Dass er nach 40 Jahren Berufsleben von manchen als Belastung gesehen werde, „das brauche ich nicht“, lamentiert Zetsche:

    • „Natürlich hätte ich diese Aufgabe gerne gemacht. Ich glaube auch, dass ich sie gut gemacht hätte. Aber in letzter Konsequenz habe ich mich entschieden, dass ich das nicht will.“

    Großaktionäre wie Harris Associates aus den USA sowie die deutschen Fondshäuser Union Investment, Deka und DWS freuen sich: Sie wollten das mit Zetsche auch nicht.

    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche für all die Aufgaben, die Sie gerne machen
    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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