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Morning BriefingGold, die Krisenwährung der Welt

Hans-Jürgen Jakobs 28.07.2020 - 06:00 Uhr

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Gold wirft weder Zins noch Dividende ab, finanztechnisch ist es sozusagen dumm. Aber andererseits es ist nun einmal einfach schön anzuschauen, wenn man es in Form von Münzen oder Barren besitzt. Und in aufgewühlten Zeiten ist Gold psychologisches Therapeutikum, weshalb die größten Hardcore-Fans des Edelmetalls freudig den US-Banker John Pierpont Morgan zitieren: „Gold ist Geld, alles andere ist Kredit.“

Nur so ist zu erklären, dass der Goldpreis in Zeiten von Corona, Nullzins und kaltem Wirtschaftskrieg steigt und steigt – auf zuletzt knapp 1945 Dollar pro Feinunze. Das ist Rekord und 24 Dollar mehr als bei der letzten Spitzenwertung im September 2011. Damals verfiel der Goldpreis wieder – nun, in diesen Zeiten der Zumutungen, erwartet die Bank of America in zwei Jahren jedoch sage und schreibe 3000 Dollar.

Foto: Bloomberg

Als Krisenanker hat Gold jene Funktion einer Katastrophenversicherung eingenommen, die früher der US-Dollar innehatte. Deshalb greifen Investoren verstärkt zu dem mit Edelmetall gedeckten börsennotierten Indexfonds (ETF), was den Preis weiter steigen lässt, wie wir in unserer Titelgeschichte analysieren.

Und dann sehen Experten noch auf ein anderes interessantes Verhältnis: Anleihen mit einer negativen Rendite haben global inzwischen das Volumen von mehr als 14 Billionen Dollar erreicht – dem stehen 12 Billionen Euro für jene 200.000 Tonnen Gold gegenüber, die wir bisher aus der Erde geholt haben. Es müsste nur ein kleiner Teil der unglücklichen Anleihebesitzer umschichten, dann...

Jens Spahn macht Ernst. Voraussichtlich schon nächste Woche muss sich jeder Urlauber, der aus Corona-Risikogebieten außerhalb der EU nach Hause kommt, testen lassen, kündigt der Bundesgesundheitsminister an. Die Tests sollen kostenlos sein. Solche Maßnahmen müssten stets überprüft werden, das Infektionsschutzgesetz gebe aber diesen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte her. Spahn, der heimliche Kanzlerkandidat der CDU, erklärt: „Wir wollen sicherstellen, dass das Virus nicht aus diesen Ländern zurück nach Deutschland getragen wird.“

Im Übrigen wirbt der Politiker generell für freiwillige Urlauber-Testungen an Flughäfen und Bahnhöfen – und klingt dabei ganz so wie CSU-Chef Markus Söder, der andere Teil des neuen Traumduos der Union.

Ein pensionierter alter Haudegen – kein „homme de lettres“ oder ein Business Man – wird künftig die USA in Deutschland vertreten. Präsident Donald Trump schickt den früheren US-Offizier Douglas Macgregor, dessen spezifische Qualifikation darin bestehen dürfte, schon einmal über die Kämpfe Deutschlands mit der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg publiziert zu haben.

In Berlin kann der Fox-News-Kommentator also schönes Quellenstudium betreiben. Der künftige Botschafter, der etwa am ersten Golfkrieg und am Nato-Lufteinsatz 1999 im Kosovo beteiligt war, wird vom Weißen Haus als „dekorierter Kriegsveteran, Autor und Berater“ gepriesen. In martialischen Zeiten einen Mann der Waffen zu schicken, das ist auch ein Zeichen.

Ein schönes Hauptquartier hat sich der Internetgigant Google im amerikanischen Mountain View hingestellt, 48.000 Quadratmeter Angestellten-Wellness mit Volleyballfeldern, Pools und Restaurants, die Krönung einer Tech-Epoche, die Kollaboration im Großraum predigte. In Covid-19-Zeiten aber ist „All Together Now“ gefährlich, weshalb das Google HQ derzeit der so ziemlich einsamste Ort der Welt ist. Sundar Pichai, CEO der Holding Alphabet, hat sogar angekündigt, dass alle Mitarbeiter bis Juli 2021, also noch ein ganzes Jahr, zuhause bleiben sollen. Einst pilgerten deutsche Silicon-Valley-Jünger wissbegierig nach Alphabet City, heute können sie dort höchstens einen Tag Urlaub vom digitalen Alltag machen.

Foto: AP

Bei SAP wird derzeit kräftig nach der Devise von Anton Tschechow gehandelt: „Man kann kein Gewehr auf die Bühne stellen, wenn niemand die Absicht hat, einen Schuss daraus abzugeben.“ Das bedeutet in der Praxis des Walldorfer Software-Hauses, dass CEO Christian Klein radikal mit dem Erbe des Vorgängers Bill McDermott aufräumt.

Damit auch jeder die Schüsse des Gewehrs hört, verkauft SAP bei einem geplanten Börsengang bis zu 15 Prozent der US-Marktforschungstochter Qualtrics. Das war ein Lieblingsobjekt von McDermott, dass er viel zu teuer eingekauft hatte. Mit dem anstehenden IPO soll zudem der noch beteiligte Qualtrics-Gründer Ryan Smith bei Laune gehalten werden.

Überraschung bei BMW: Wie wir erfahren haben, wird der Münchener Autobauer heute verkünden, dass Ergo der neue Versicherungspartner wird. Die Munich-Re-Tochter sticht damit überraschend den bisherigen Wegbegleiter Generali aus. Ergo und BMW haben eine strategische Kooperation für das Leasing- und Finanzierungsgeschäft im deutschen Automarkt vereinbart. Dabei war Generali im vorigen Jahr offenbar noch von einem Exklusivdeal ausgegangen. Kfz-Versicherungen gelten nach Lebensversicherungen als wichtigste Stützen der Assekuranzbranche.

Von First Lady Melania Trump hat man zuletzt immer weniger gehört. Zu mächtig war das Worttheater, das ihr Ehemann bot. Nun aber wartet die Präsidentengattin mit der Mitteilung auf, sie werde den Rosengarten des Weißen Hauses renovieren. Jenen Teil der Anlage, der in den Wochen der Pandemie immer öfter Schauplatz der Trump-Show war. Gartentechnisch geplant ist, sich wieder dem Originaldesign anzunähern, das die Gartenspezialistin Rachel Mellon 1962 für den damaligen Präsidenten John F. Kennedy verwirklicht hatte. Die JFK-Anlehnung wird privat bezahlt, alles nach dem berühmten Kennedy-Motto: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.“

Ich wünsche Ihnen einen farbenfrohen Tag.

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Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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