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Morning Briefing Im Zeichen des Regenbogens

24.06.2021 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die deutsche Flächenaktion „Regenbogen“ war gestern Abend um einiges eindrucksvoller als das Spiel der deutschen Fußballnationalelf gegen Ungarn. Die Ballsportler wurstelten sich zu einem 2:2, das – unverdient – für den Einzug ins Achtelfinale der „Euro 2020“ reicht. Es schien am Ende, als wolle irgendeine Glücksgöttin den sich abzeichnenden Schock-Abgang von Trainer Joachim Löw aus Mitleid partout noch korrigieren – und vielleicht auch ein Volk für den Protest gegen ein homophobes Gesetz in Budapest belohnen. In vielen Städten wehten Regenbogen-Fahnen.

„Man of the Match“ wurde definitiv der Münchener Stadtrat, der die örtliche Fußballarena auch so bunt illuminieren wollte. Die „Zitrone des Tages“ hingegen steht dem Verband Uefa zu, der genau das verboten hat. Immerhin hat die ganze Aufregung das LGBTQI-feindliche ungarische Gesetz so bekannt gemacht, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel es als „falsch“ und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen es als „Schande“ bezeichnet haben.

Ein Gastbeitrag von Wladimir Putin in der „Zeit“ hat für einige Aufregung im Land gesorgt. Dabei passt er zu einer neuen Strategie innerhalb der Europäischen Union – nämlich die Drähte zu Russland und seinem Dauer-Staatspräsidenten nicht abreißen zu lassen. Insider erzählen laut „Financial Times“, dass Deutschland und Frankreich nach Putins Gipfel mit US-Präsident Joe Biden die Initiative für eine Revitalisierung der Beziehungen angestrengt hätten. So soll der russische Politiker als Gast zu einem EU-Gipfel geladen werden. Kanzlerin Merkel, die regelmäßig mit Putin telefoniert, erklärt: "Was immer wir meinen, wir müssen die Kanäle der Kommunikation offenhalten, sodass wir klar unsere Positionen und Interessen ausdrücken können, um dann nach möglichen Lösungen zu schauen."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unterstützt den Vorstoß. Auf diesem Gebiet gilt eine Definition von Talleyrand: „Ein Diplomat, der ,ja‘ sagt, meint ,vielleicht‘, der ,vielleicht‘ sagt, meint ,nein‘ – und der, der ,nein‘ sagt, ist kein Diplomat.“

Quelle: obs
Jens Spahn ist positiv überrascht, wie viele Apotheken den digitalen Impfnachweis ausstellen.
(Foto: obs)

Ob Jens Spahn im Herbst noch einmal Gesundheitsminister wird, kann man mit Fug und Recht bezweifeln. CDU-Fraktionschef wäre zum Beispiel auch eine Möglichkeit. Im Handelsblatt-Gespräch warnt er aber schon mal in Sachen Corona vor einem „Sorgenherbst“. Es sei durchaus möglich, dass die Infektionszahlen durch die Delta-Variante wieder ansteigen. Im Einzelnen sagt der 41-Jährige über:

  • die EM 2020: „Die Bilder von voll besetzten Stadien und dichtgedrängten Menschen transportieren die falsche Botschaft – und zwar eine des Übermuts.“
  • die soziale Balance im Land: „Dank der Nullzinspolitik haben Besitzer von Aktien oder Immobilien ohne viel aktives Tun enorme Steigerungen ihrer Einkommen und Vermögen gesehen, die abhängig Beschäftigten hatten und haben es in dieser Krise mit ihrem Lohn da deutlich schwerer. Die zahlen aber bei den sozialen Sicherungssystemen fast allein die Zeche. Das ist nicht besonders fair.“
  • Luftfilter, Digitalisierung und Lüftungen in Schulen: „Die Konzepte dafür gibt es. Sie werden von den Ländern und vor Ort entwickelt und umgesetzt. Unser Ziel muss doch klar sein: so viel Normalität in Schulen und Kindergärten wie möglich!“

Ein Kommentar des Charité-Professors Harald Matthes zu Forschungsergebnissen, wonach 73 Prozent der Lehrer sich vor einer Corona-Ansteckung in der Schule fürchteten, kam zu spät für unser Interview. Matthes sagt dazu in „Bild“, die „tiefsitzende Angst“ der Lehrer sei „wahrscheinlich ein Ergebnis der einseitigen Informationspolitik“ von Bundesregierung und Robert Koch-Institut.

Quelle: Getty Images
Die Konzerne planen die vom Infektionsgeschehen abhängige stufenweise Rückkehr in die Büros.
(Foto: Getty Images)

In den größten deutschen Konzernen hat das „Team Vorsicht“ die Planung übernommen. Wenn Ende Juni die zwecks Pandemie-Bekämpfung verordnete Homeoffice-Pflicht entfällt, bleiben trotzdem viele Büros leer. Niemand schreit: „Hurra, Kollegen, wir kommen!“ Nur zehn der 30 Dax-Unternehmen öffnen die Arbeitsstätten wieder für mehr Personal, ergibt eine Umfrage meiner Kollegen. Eine allgemeine Verunsicherung greift um sich. Das sieht man an den elf Firmen, die zur Frage des Rentrée noch überhaupt keine Pläne haben. Alles noch „zu volatil“, erklärt zum Beispiel Eon. Klar ist aber, dass mittelfristig alle von einem Mix aus Heimarbeits- und Präsenztagen ausgehen. Fazit: Das Schlüsselwort heißt wie im Automarkt „hybrid“.

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Elon Musk lebt vom abweichenden Verhalten, und das gilt auch für die Personalsuche. So fahndet er nach leitenden Mitarbeitern schon mal per Twitter oder führt höchstpersönlich Bewerbergespräche für die neue Fabrik seines E-Autobauers Tesla im brandenburgischen Grünheide. Die Musk-Masche hat Charme bei Jung-Akademikern: In den aktuellen Job-Charts der Marktforscher von Trendence landet Tesla auf Anhieb auf Rang 18, bei Informatikern sogar auf Rang 7. Allerdings ist die Leistungskultur knüppelhart, der Grünheider Baustellenchef wurde nach Verzögerungen von Musk selbst gefeuert.

BMW in München ist da ein Gegenbeispiel – man kümmert sich um die Entwicklung von Mitarbeitern. Vielleicht auch deshalb ist der Autobauer der beliebteste Arbeitgeber, vor Porsche und Audi.

Und dann ist da noch Ex-Umweltminister Jürgen Trittin, der als Student in Göttingen im Gefolge von K-Gruppen links-maoistisch sozialisiert wurde. Der seit langem geläuterte Grünen-Politiker kennt sich aus mit der Materie und legt zum 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei Chinas eine Breitwand-Analyse vor. Den politischen Erfolg der Kader nach dem Bürgerkrieg 1949 führt er darauf zurück, dass sich die Führung früh vom sowjetischen Weg emanzipierte. Der Unterdrückung demokratischer Bewegung stehe „die beispielslose Überwindung der Armut“ gegenüber, analysiert Trittin im Gastkommentar.

Der Mythos im Lande sei: „Make China Great Again!“ Trotz des Kontrollwahns der Partei und einer Re-Ideologisierung dürfte ihr Machtmonopol „auf absehbare Zeit“ nicht infrage gestellt werden, resümiert Trittin im Geburtstagsstück. Den Geist der Stunde hätte er in einer alten Mao-Fibel erfassen können: „Wo der Besen nicht hinkommt, wird der Staub nicht verschwinden.“

Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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1 Kommentar zu "Morning Briefing : Im Zeichen des Regenbogens"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Langsam aber sicher gehen mir diese politisch einseitigen Kommentare von Hans-Jürgen Jakobs auf die Nerven.

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