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Morning BriefingPassives Einkommen – der Mythos vom Betongold

Christian Rickens 18.10.2024 - 06:21 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Passives Einkommen: So klappt’s mit dem zweiten Gehalt

18.10.2024
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

zu den schönen Worten der deutschen Sprache, die dringend unter Artenschutz gestellt werden sollten, gehört für mich der „Couponschneider“. Der despektierliche Begriff bezeichnete vor allem im 19. Jahrhundert eine Person, die in erster Linie davon lebt, mit der Schere die Dividendencoupons von ihren Aktien abzutrennen. Gegen Vorlage dieser Coupons konnte man sich dann die Gewinnausschüttung von der Bank auszahlen lassen.

Heute hat natürlich kaum noch jemand Aktien aus Papier zu Hause herumliegen, aber der damit verbundene Traum lebt weiter unter dem neumodischen Begriff „Passives Einkommen“: Wie schön wäre es doch, neben oder anstatt seines Arbeitseinkommens einen regelmäßigen Zahlungsstrom aus Dividenden, Zinsausschüttungen, Mieteinnahmen oder Tantiemen zu beziehen? Unzählige Webseiten, mal mehr und meist weniger serös, versprechen, den Weg dorthin zu weisen.

Doch tatsächlich gilt für das passive Einkommen, was für jede Art von Vermögensaufbau zutrifft: Man muss früh anfangen zu sparen, lange durchhalten und auf die richtigen Anlageformen setzen, um mit 50 oder 60 für den Rest seines Lebens von einem passiven Einkommen zu zehren. Das zeigt Geldanlage-Reporter Markus Hinterberger in unserer Titelgeschichte zum Wochenende anhand von Rechenbeispielen.

Handelsblatt-Immobilienspezialist Carsten Herz räumt derweil mit einem von Finanz-Influencern gerne befeuerten Mythos auf: Vermietete Immobilien sind keineswegs der schnellste und sicherste Weg zum passiven Einkommen, auch wenn tausende von Rechtsanwälten und Zahnärzten für ihre Altersvorsorge genau darauf schwören.

Früh in den Ruhestand mit passivem Einkommen: Foto: Daniel Garcia

Die zwölf Jahre Immobilienboom von 2010 bis 2022 seien renditemäßig ein völlig atypischer Ausreißer gegen den Langfristtrend gewesen, warnt der Vermögensverwalter Gerd Kommer:

„Die meisten Deutschen haben zu optimistische Vorstellungen von der Gesamtrendite von Immobilien und ebenso unrealistische Vorstellungen zum tatsächlichen Risiko.“

Wird die Tötung von Hamas-Chef Jahja Sinwar durch Israels Militär zu einer Friedenschance für den Gazastreifen? „Dies ist ein guter Tag für Israel, für die Vereinigten Staaten und für die Welt“, heißt es in einer Stellungnahme von US-Präsident Joe Biden. US-Geheimdienste hätten das israelische Militär dabei unterstützt, Sinwar und andere Hamas-Anführer ausfindig zu machen. Biden ergänzte auf dem Weg zu seinem Kurzbesuch in Deutschland, es könne sich nun die Gelegenheit bieten, die Geiseln der Hamas freizubekommen und eine Waffenruhe zu erreichen.

Diese Hoffnung hat auch Gershon Baskin. Er hat jahrzehntelange Erfahrung als Vermittler zwischen Israel und Palästinensern. Baskin sagte dem Handelsblatt:

Israel muss jetzt schnell handeln und Ägypten und Katar informieren, dass es bereit ist, den Krieg im Gegenzug für die Freilassung der Geiseln zu beenden.
Chinesischer Pilot während des Manövers „Joint Sword 2024B“: Mike Studeman kritisiert, dass sich die Piloten nicht an übliche Einsatzregeln halten. Foto: via REUTERS

Noch am Montag hatte China mit einem großen Militärmanöver vor Taiwan für Aufsehen gesorgt. Jetzt warnt Mike Studeman, ehemaliger Chef des US-Marinegeheimdienstes, im Handelsblatt-Interview: Durch solche Übungen könne es „versehentlich“ zu einer militärischen Konfrontation zwischen China und den USA kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Machtdemonstrationen in den kommenden zehn Jahren zu Todesfällen führen werden, bezifferte er auf bis zu 90 Prozent.

Das „Albtraumszenario“ ist laut Studeman ein enges Bündnis zwischen China, Nordkorea und Russland mit dem Ziel, die Vormachtstellung der USA zu brechen. Im Falle eines chinesischen Angriffs auf Taiwan werde Nordkorea möglicherweise einen Konflikt auf der koreanischen Halbinsel heraufbeschwören, um US-Truppen zu binden. Russland könnte zugleich U-Boote in den Pazifik schicken, um die USA zu bedrohen. In Europa wiederum könnte der Kreml größere Truppenkontingente an die russische Westgrenze verlagern, um die Nato in Alarmbereitschaft zu versetzen.

Die chinesischen Manöver vor Taiwan sieht Studeman daher als Warnung:

Der Grauzonenkonflikt ist bereits im Gange.

Der bayerische Flugtaxi-Entwickler Lilium kann vorerst nicht mit einer Finanzhilfe des Bundes rechnen. Bei den Haushaltspolitikern der Regierungsparteien gibt es keine Mehrheit für eine Bürgschaft, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Koalition. Dagegen sollen sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) intern für eine Unterstützung von Lilium ausgesprochen haben.

Lilium-Senkrechtstarter: Das Start-up kann vorerst nicht mit Staatshilfen rechnen. Foto: IMAGO/Cover-Images

Lilium hatte um eine Staatshilfe von 50 Millionen Euro gebeten. Für weitere 50 Millionen Euro wäre das Land Bayern bereit zu bürgen. Ein Lilium-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern, wie es nun weitergeht. Vier Optionen kommen in Frage:

  • Grundsätzlich ist denkbar, dass das Land Bayern allein einspringt und die eigene Bürgschaft ausbaut. Das hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aber am Donnerstag erst einmal verneint.
  • Auch die bestehenden Investoren könnten mehr Geld geben.
  • Lilium erwägt einen Umzug ins Ausland, wenn dort Staatshilfen flössen. Frankreich hat für die Ansiedlung eines Werks bereits Subventionen in Aussicht gestellt.
  • Und schließlich die am wenigsten glamouröse Variante: ein Insolvenzverfahren.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union haben sich in der Nacht auf eine Vereinbarung zur Rückführung illegal eingereister Migranten geeinigt. „Der Europäische Rat ruft zu entschlossenem Handeln auf allen Ebenen auf, um die Rückkehr aus der Europäischen Union zu erleichtern, zu verstärken und zu beschleunigen, wobei alle einschlägigen Instrumente und Werkzeuge der EU-Politik, einschließlich Diplomatie, Entwicklung, Handel und Visa, eingesetzt werden sollen“, so die Staats- und Regierungschefs in den schriftlichen Schlussfolgerungen ihres Treffens.

Von den 484.000 Nicht-EU-Bürgern, die im vergangenen Jahr zum Verlassen der EU aufgefordert wurden, kehrten nur 20 Prozent in ihre Heimat zurück. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, erklärte, die Kommission arbeite daran, diese Zahl zu verbessern und werde bald ein entsprechendes Gesetz vorlegen.

Nach einem Tag Pause hat der Dax seine Rekordjagd gestern wieder aufgenommen. Im Gefolge der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) erreichte der deutsche Leitindex eine neue Bestmarke bei knapp 19.675 Punkten. Zum Handelsschluss stand immer noch ein Plus von 0,8 Prozent auf 19.583 Punkte zu Buche. Die EZB hatte wie erwartet am Donnerstag den Einlagenzins um einen Viertelpunkt auf 3,25 Prozent gesenkt.

Netflix hat Quartalszahlen veröffentlicht. Foto: Bloomberg

Netflix hat erneut überraschend viele Neukunden gewonnen. Der Streaming-Dienst gab am Donnerstag außerdem einen Quartalsgewinn über den Markterwartungen bekannt. Die Aktie stieg daraufhin im nachbörslichen Handel um rund vier Prozent. Netflix gewann in den vergangenen Monaten fünf Millionen Nutzer hinzu, eine Million mehr als von Analysten vorhergesagt.

Erinnern Sie sich noch an die Worte des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz über die Grenzkontrollen an den deutschen Außengrenzen? Normalbürger seien davon gar nicht betroffen,

aber diejenigen, die da mit irgendwelchen komischen Autos langfahren, mit irgendwelchen komischen Figuren drin, die werden eben auf die Seitenspur geholt und mal kontrolliert.

Dem „Stern“ erzählte nun der CDU-Politiker Armin Laschet, wie er in Rheinland-Pfalz kürzlich selbst kontrolliert worden sei – „nicht gerade eine der Hauptflüchtlingsrouten“. Im Ort Winterspelt an der belgischen Grenze habe die Bundespolizei gestanden und ihn angehalten. Laschet: „Ich konnte mich ausweisen.“ Sein Urteil über die Kontrollen ist eindeutig:

Man kann das mal machen, aber es ist Symbolpolitik und keine Dauerlösung.

Interessant wäre noch zu erfahren, ob Merz seine These von den „komischen Autos mit den komischen Figuren drin“ durch die Laschet-Anekdote eher für bestätigt oder für widerlegt hält.

Ich wünsche Ihnen einen passgenauen Wochenausklang.

Herzliche Grüße,
Ihr

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Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

PS: In dieser Woche haben wir Sie gefragt, ob die neue Wahlkampfstrategie die SPD aus der Krise führt. Die Handelsblatt-Leserschaft ist kritisch. Eine Auswahl der Kommentare finden Sie hier.

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