Morning Briefing: Sparplan im Alleingang – Thyssen-Krupp-Chef Lopez fehlt das Gespür
Durchbruch: Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah im Libanon
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
nach monatelangen Kämpfen zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel hat das israelische Sicherheitskabinett eine von den USA und Frankreich vermittelte Waffenruhe gebilligt. US-Präsident Joe Biden teilte gestern in Washington mit:
Das war in der vergangenen Nacht um drei Uhr deutscher Zeit. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte die Hisbollah: Sollte die Waffenruhe gebrochen werden, werde man zurückschlagen. Die Waffenruhe bedeute, dass man sich nun auf den Iran konzentrieren könne, sagte Netanjahu weiter.
Nach der Einstellung der Kämpfe soll sich die Iran-treue Hisbollah Berichten zufolge hinter den Litani-Fluss etwa 30 Kilometer nördlich der faktischen israelisch-libanesischen Grenze zurückziehen. Danach sollen Israels Bodentruppen innerhalb von 60 Tagen aus dem Libanon abziehen. Überwachen wird die Vereinbarung eine Staatengruppe unter Führung der USA zusammen mit Frankreich, dem Libanon, Israel und der UNO.
Noch kurz vor Beginn der Waffenruhe hatten Israels Militär und die Hisbollah-Miliz ihre gegenseitigen Attacken fortgesetzt. Israels Luftwaffe flog Angriffe auf Ziele im Libanon. Die Hisbollah feuerte vom Libanon aus weiter Raketen auf Israel.
In Brasilien soll der frühere Präsident Jair Bolsonaro versucht haben, das Militär nach seiner Wahlniederlage im Oktober 2022 zu einem Putsch zu überreden. Das geht aus dem gestern veröffentlichten 884-seitigen Abschlussbericht der Bundespolizei hervor. Demnach soll der rechtsgerichtete Bolsonaro im Dezember 2022 den drei Befehlshabern der Streitkräfte Putsch-Pläne vorgelegt und sie zur Beteiligung aufgefordert haben. Die Befehlshaber von Heer und Luftwaffe lehnten demnach ab, während der Chef der Marine den Staatsstreich unterstützen wollte.
Generalstaatsanwalt Paulo Gonet muss nun entscheiden, ob er Bolsonaro anklagen wird. Der Ex-Präsident bestreitet, ein Verbrechen begangen zu haben.
Trump wirkt – und das schon vor seinem Einzug ins Weiße Haus: Der französische Energiekonzern Total Energies hat ein großes Windkraftprojekt vor der Ostküste der USA vorerst gestoppt. „In vier Jahren werden wir weiter sehen“, sagte Firmenchef Patrick Pouyanné gestern. Das Joint-Venture-Projekt sollte nach Firmenangaben eine Kapazität von bis zu 3000 Megawatt erreichen, genug für fast eine Million Haushalte. Trump hat vor seiner Wahl angekündigt, die Klimaschutzsubventionen der Vorgängerregierung wieder zu kürzen.
Der Industriekonzern Thyssen-Krupp will seine Stahlsparte massiv umbauen – hat dafür aber nach Informationen des Handelsblatts noch keinen ausgearbeiteten Plan. Fest steht für die Firmenleitung um Vorstandschef Miguel López, dass die Tochter Thyssen-Krupp Steel künftig 11.000 Mitarbeiter weniger beschäftigen soll. 5000 Stellen sollen abgebaut und 6000 Beschäftigte ausgegliedert werden. Die Produktionsmengen sollen ebenfalls deutlich sinken.
Wie mehrere Insider dem Handelsblatt nun berichten, sei bis auf die Ankündigungen zu den Abbauplänen bislang aber kein tragfähiges Konzept ausgearbeitet worden. „Das Vorgehen wirft Zweifel auf, ob der Umbau überhaupt durchgeführt werden kann“, hieß es in Konzernkreisen, die mit den Planungen vertraut sind.
Insidern zufolge soll der Umbau der Stahlsparte lediglich von Konzernchef López und einigen Vertrauten konzipiert worden sein. Wie der Umbau aber umgesetzt werden könnte, darüber habe das Team um López keine konkreten Angaben machen können. „Die wissen es offenbar nicht“, sagte eine mit dem Thema vertraute Person.
Thyssen-Krupp wollte sich auf Anfrage zu internen Vorgängen bezüglich der Planungen nicht äußern.
Aus gegebenem Anlass empfehle ich Miguel López einen Handelsblatt-Artikel vom Wochenende zur Lektüre. Darin berichten Personalberater, dass ein härterer Führungsstil derzeit insbesondere in der deutschen Industrie wieder gefragt sei. Das dürfe aber nicht mit einer Rückkehr zum autoritären Top-Down-Management verwechselt werden.
Genossenschaftsbanken gelten als die netten Schwiegersöhne unter den Finanzinstituten: verlässlich, solide – und ein bisschen langweilig. Eine Reihe von Skandalen konterkariert nun dieses Image. Zuletzt geriet die Volksbank Düsseldorf Neuss in den Blickpunkt. Sie überwies 100 Millionen Euro des französischen Modeunternehmens Kiabi auf ein Konto in der Türkei, von wo das Geld dann verschwand.
Nun sieht sich die Bank mit Rückforderungen konfrontiert. Um das Risiko abzuschirmen, ist der Stützungsfonds des Branchenverbands BVR eingesprungen. Die Volksbank Düsseldorf Neuss ist nach den Volksbanken Dortmund-Nordwest und Bad Salzungen Schmalkalden bereits die dritte Volksbank, die 2024 auf diese Weise gerettet wurde.
Experten und Insider finden es auffällig, dass viele Volksbanken das Immobiliengeschäft in Zeiten von Null- und Negativzinsen besonders stark ausgebaut haben. Als die Europäische Zentralbank 2022 begann, die Zinsen kräftig anzuheben, gerieten besonders in der gewerblichen Immobilienfinanzierung etliche Projekte unter Druck, was zu Verlusten bei manchen Instituten führte.
Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußert Bafin-Präsident Mark Branson nun erstmals deutliche Kritik. „Einige der Banken sind nicht gut geführt worden und hatten kein gutes Risikomanagement“, moniert er. Ein grundsätzliches, strukturelles Problem sieht Branson bei den knapp 700 Genossenschaftsbanken zwar nicht. Aber es gelte auch:
Allzu viel Persönliches gibt Angela Merkel in ihren gestern erschienenen Memoiren nicht preis. Aber immerhin, auf zwei offene Fragen liefert sie Antworten. Das sind zum einen die Zitteranfälle der damaligen Kanzlerin: Beim Antrittsbesuch des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski in Berlin am 18. Juni 2019 hätten ihre Oberschenkel leicht zu zittern begonnen. Während der Nationalhymnen habe sich das Zittern über den ganzen Körper ausgebreitet. Nach ein paar Tagen habe sich „der Vorgang“ wiederholt. Später hörte Merkel bei ähnlichen Gelegenheiten die Nationalhymnen nur noch auf einem Stuhl sitzend an.
Neurologisch und internistisch habe es keine Befunde gegeben, berichtet sie. Eine Osteopathin habe ihr erklärt, „dass mein Körper dabei war, Spannungen abzubauen“, und zwar „nicht nur nach dem Tod meiner Mutter im Frühjahr, nach dem ich kaum Zeit zum Trauern gefunden hatte, sondern auch im Prozess des Loslassens von meinen Ämtern.“
Und dann ist da noch das Geheimnis der bunten Merkel-Blazer. Die „offizielle DDR“ war in den Augen Merkels „die Inkarnation der Geschmacklosigkeit. Nur Imitate statt richtiger natürlicher Materialien, nie freudvolle Farben“. Ihre Schlussfolgerung: „Vielleicht ist meine heutige Vorliebe für farbenfrohe Blazer auch auf die Urerfahrung zurückzuführen, dass ich im DDR-Alltag kräftige Farben oft vermisste.“
Vielleicht erklärt das ja im Umkehrschluss, warum so viele westdeutsche Rentner bevorzugt beige tragen. Die 70er- und 80er-Jahre in der alten Bundesrepublik waren ihnen modisch einfach zu bunt.
Ich wünsche Ihnen einen elegant-grauen Mittwoch.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens